19:38 24 November 2017
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    Muslime beten (Symbolbild)

    Islamistische Radikalisierung in Deutschland: Viele schauen weg

    © REUTERS/ Soe Zeya Tun
    Gesellschaft
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    Familien, in denen sich ein junger Muslim plötzlich für radikale Ideen begeistert, bekommen nicht immer die notwendige Hilfe aus ihrer eigenen Religionsgemeinschaft, wie die Extremismusforscherin Michaela Köttig gegenüber dpa mitteilte.

    „Wir erleben leider oft, dass sich Imame und muslimische Sozialarbeiter abwenden, wenn sich andeutet, dass sich in einer Familie in ihrem weiteren Umfeld ein junger Mensch radikalisiert", sagte die Professorin an der Frankfurter Fachhochschule.

    Als Grund dafür nannte sie die Angst davor, dass man selbst in der Religionsgemeinschaft unter Extremismusverdacht geraten könne. Auf Distanz zu gehen ist ihr zufolge jedoch eine „fatale Fehlentscheidung", weil dadurch radikale Gruppen diese jungen Menschen noch leichter erreichen könnten.

    Köttig, die sich Medienberichten zufolge in den vergangenen Jahren viel mit Rechtsextremismus beschäftigt hat, meint, dass bei den aktuellen Programmen zur Prävention von Radikalisierung im islamischen Kontext viel genauer hingeschaut werden müsse, welche Ansätze „uns weiterbringen und welche nicht".

    Zuvor hatten deutsche Medien unter Berufung auf das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (BAMF) berichtet, dass es in Deutschland immer mehr Salafisten-Kinder im Grundschulalter gebe. Deren Zahl liege derzeit bei etwa 10.300 Personen.

    Im Sommer war mitgeteilt worden, dass im Jahr 2018 für das bundesweite Präventionsprogramm 100 Millionen Euro vorgesehen sind. „Jeder Euro, den wir in Extremismusprävention investieren, ist ein gut investierter Euro“, sagte damals Bundesfamilienministerin Katarina Barley.

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    Radikalisierung, Deutschland
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