03:08 14 Dezember 2017
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    „Blindlings in die Katastrophe“ – Klimaforscher warnt vor massivem Leid

    CC BY 2.0 / Jussi Ollila / Storm
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    Mehr als 15.000 Wissenschaftler aus 184 Ländern haben einen offenen Brief unterschrieben, in dem die größten Gefahren für das Leben auf der Erde aufgezählt werden. Mitunterzeichner Stefan Rahmstorf warnt vor massivem Leid und einem steigenden Meeresspiegel, der Städte und Inseln verschlingen könnte.

    „Die erste Warnung ist inzwischen 25 Jahre her, und leider haben sich die Trends nicht verbessert“, beklagt der Klimaforscher Rahmstorf im Sputnik-Interview. „Mit einer Ausnahme, dem Ozonloch, haben sich die Trends in den meisten Parametern deutlich verschlechtert.

    In meinem Fachgebiet zum Beispiel, dem Klima, sehen wir einen weiteren massiven Anstieg der CO2-Emmissionen und damit natürlich auch der CO2-Konzentration in der Atmosphäre – die liegt jetzt höher als jemals seit drei Millionen Jahren – und damit auch einen weiteren Anstieg der globalen Temperatur.“

    Deswegen wurde nun die zweite Warnung „World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice“ im Wissenschaftsjournal „BioScience“ veröffentlicht.

    Sollten wir diese Trends nicht stoppen, wird dies massives Leid verursachen, warnt der Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es sei heute bereits so, dass Menschen unter den zunehmenden extremen Wetterereignissen leiden. Er betont:

    „Wir beobachten einen sich beschleunigenden Anstieg des Meeresspiegels, der auf lange Sicht den Untergang von großen Küstenstädten und Inselstaaten verursachen wird, wenn wir ihn nicht stoppen. Es wäre einfach töricht, hier blindlings in eine vorhersehbare Katastrophe hineinzulaufen.“

    Beim Klima müsste als allererstes der Ausstoß von Treibhausgasen auf null heruntergefahren werden. Ein Erfolg sei immerhin, dass dies alle Staaten – bis auf die USA – eingesehen haben. Beim Pariser Klimaabkommen vor zwei Jahren beschlossen alle Teilnehmer einstimmig, dass die globale Erwärmung deutlich unter der Zwei-Grad-Grenze zu stoppen sei. Das bedeute, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis Mitte des Jahrhunderts auf null reduziert werden müsse. Das müsse aber nicht nur beschlossen und besprochen, sondern auch dringend umgesetzt werden. „Dazu haben wir nur noch sehr wenig Zeit übrig.“

    Die bisherigen Aktivitäten der Bundesregierung bewertet Rahmstorf dahingehend als enttäuschend. Man habe international bei den Konferenzen immer sehr viel versprochen, aber bei den eigenen Hausaufgaben geschlampt. Es sei zwar positiv, dass die Emissionen in Deutschland seit 1990 gesunken wären, dies geschähe jedoch lange nicht schnell genug, um die selbstgesteckten Klimaziele – 40 Prozent Reduktion bis 2020 – tatsächlich einzuhalten. Es würden immer wieder viele Ziele gesetzt und versprochen, dann aber nicht eingehalten. Dann würde man kurz vor Ablauf der Deadline, wie jetzt 2020, sagen, dass man es leider nicht geschafft hat. „So geht es eben nicht.“

    Von einer neuen Regierung erwartet der Klimaforscher nun konkreten Maßnahmen, die tatsächlich zur Einhaltung der dringend notwendigen Klimaziele führen, und dass man sich in den nächsten Jahren wirklich auf diesen Pfad begibt. Doch auch als Privatperson könne man viel machen. Rahmstorf erklärt, dass jeder selber zu einem erheblichen Teil Herr über den eigenen Kohlenstoffausstoß sei:

    „Über die Wahl des Stromversorgers zum Beispiel, über die Entscheidung, wo ich meinen Urlaub mache – fliege ich in die Ferne? Das ist mit sehr hohen Emissionen verbunden. Auch über die Ernährung kann man sehr stark den eigenen Fußabdruck, was das Klima und die Umwelt angeht, beeinflussen.“

    Bolle Selke

    Das komplette Interview mit Stefan Rahmstorf zum Nachhören:

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    Tags:
    Warnung, CO2, Klimaerwärmung, Forscher, Deutschland
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