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    „Online-Pädophile kriegen ihr Opfer in zwei Minuten“ - Europarat

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    Heute, am „Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“, hat der Europarat in einem Schreiben an Eltern erklärt, warum Jugendliche dazu neigen, Unbekannten ihre Privatfotos und Videos zu schicken, sowie Ratschläge gegeben, wie Kinder gerade im Internet vor Sexualstraftätern geschützt werden können.

    Wie die russische Zeitung „Kommersant“ am Samstag berichtet, wird in dem Empfehlungsschreiben des Europarates hervorgehoben, dass sich die Eltern eine neue Art der Erziehung aneignen sollten – die „digitale Erziehung“.

    Nur dann würden sie in der Lage sein, ihren Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Online-Technologien, Computern und Smartphones beibringen zu können.

    Die zunehmende Verbreitung von Smartphones und damit auch die Möglichkeit, mobil ins Internet zu gelangen, erfordere zunehmend mehr Verantwortungsbewusstsein sowohl von den Eltern als auch von den Jugendlichen.

    Wie der Europarat betont, werden Kinder in zunehmend früherem Alter immer geschicktere Internetnutzer, die besonders an Onlinespielen oder sozialen Netzwerken interessiert seien.

    Doch das Internet berge zahlreiche Gefahren, erklären Experten der Organisation. Kriminelle versuchen demnach, Kontakte mit Kindern über soziale Netzwerke, Livestream-Channels oder Onlinespiele zu knüpfen und an private Informationen, Fotos oder Videos zu gelangen.

    Bekommen sie diese, könnten sie damit drohen, die privaten Inhalte zu veröffentlichen, sollte das Kind ihren Forderungen nicht nachgeben. Verlangt würden häufig Geldüberweisungen oder die Zusendung weiterer Bilder und Videos mit sexuellen Inhalten. In letzterem Fall werden die Kinder laut den Experten dadurch selbst zu Produzenten von Kinderpornographie und einem Teil dieses Teufelskreises.

    In der EU spricht man häufig auch von „Sexting“, der mobilen Kommunikation über sexuelle Themen zur gegenseitigen Erregung. Nach Angaben einer Studie der britischen Organisation EU Kids Online aus dem Jahr 2014 steigt die Zahl der Kinder, die Fotos von sich im Internet posten, unaufhörlich: von sechs Prozent im Jahr 2010 auf 20 Prozent im Jahr 2014.

    20 Prozent der befragten Kinder im Alter zwischen 14 und 16 Jahren veröffentlichen dabei Fotos von sich im Internet mit sexuellem Content. 43 Prozent der Kinder gaben damals an, sich schon mal mit Personen im Internet unterhalten zu haben, die sie noch nie im realen Leben gesehen haben. Elf Prozent davon haben ihnen gar Fotos von sich geschickt.

    Wie die Studie Pan-European Insafe Youth Panel Survey ermitteln konnte, hat jeder dritte britische Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren schon einmal über das Internet geflirtet oder private Fotos und Videos von sich verschickt. 28 Prozent von ihnen wollten so Aufmerksamkeit bekommen, 14 Prozent haben das auf Druck einer anderen Person gemacht.

    Ratschläge für Eltern

    Dr. Elizabeth Milovidov, unabhängige Expertin des Europarates in Fragen Kinderrechte im Internet sowie selbst Mutter von zwei Kindern im Jugendalter, hat hierfür eine Reihe von Empfehlungen an die Eltern verfasst.

    Sie führt den Begriff „Digitale Erziehung“ ein und weist darauf hin, dass Eltern ihre Kinder mit Smartphones oder Tablets nicht alleine lassen sollten. Dennoch, ein Pauschalverbot sei nicht ratsam. Eltern sollten vielmehr zusammen mit ihren Kindern im Internet surfen, Inhalte gemeinsam ansehen und begreifen, was die Jugendlichen im Internet interessiert. Nur so werde man in der Lage sein, alle Möglichkeiten, aber auch die Gefahren des Internets den Kindern zu erklären.

    Warum das so wichtig sei, zeige die Studie des European Online Grooming Project zum Thema Internetkriminalität. Ihre Ergebnisse offenbaren, dass Online-Kriminelle innerhalb kürzester Zeit das Vertrauen ihres Opfers bekommen und es bereits nach zwei Minuten in eine private, vertrauliche Konversation oder einen Videochat verwickeln können.

    Laut Milovidov ist es extrem wichtig, den Kindern nahezulegen, dass sobald sie ein Foto von sich im Netz verbreiten, sie nie wieder die Kontrolle darüber haben werden.

    „Etwas älteren Kindern sollte man reale Bespiele aus den Nachrichten zeigen, die die Risiken, Gefahren und juristischen Probleme von Sexting klar belegen“, erklärt die Europarat-Expertin.

    Ist es dennoch dazu gekommen, dass das Kind zu einem Opfer eines Online-Kriminellen geworden ist, sollten die Eltern laut Milovidov sich unbedingt umgehend an die Polizei wenden.

    „Geben Sie dem Erpresser nichts, zahlen Sie nicht. Stoppen Sie jeglichen Chat mit ihm und blockieren Sie ihn in den sozialen Netzwerken. Speichern Sie alle Beweise ab, machen Sie Screenshots Ihres Chats“, empfiehlt die Expertin.

    Gesondert wird in den Empfehlungen das Phänomen „Pornorache“ erwähnt. Altersgenossen oder Erpresser könnten diskreditierende oder verletzende Fotos posten und dem Kind drohen. Daher solle ihm beigebracht werden, niemals Nacktfotos von sich oder Freunden zu machen. Habe es solche Inhalte erhalten, solle es sie sofort löschen, hebt Milovidov hervor.

    „Wenn jemand Ihr Kind so fotografiert hat, fordern Sie umgehend die Entfernung aller Inhalte und vergewissern Sie sich, dass die Bilder tatsächlich überall gelöscht wurden“, betont sie.

    Wenn aber die Fotos schon im Netz gelandet seien, könne man sich schließlich an die Anbieter der Online-Dienste oder der sozialen Netzwerke wenden mit der Bitte, den besagten Content und die Hyperlinks dazu zu löschen.

    In der Gesetzgebung verschiedener Länder, darunter von Deutschland, Frankreich und Großbritannien, gibt es laut „Kommersant“ entsprechende Gesetze, die die strafrechtliche Verfolgung von Personen vorsieht, die Fotos ohne entsprechende Zustimmung der darauf abgebildeten Personen verbreiten.

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    Tags:
    Kinderschutz, Erpressung, Missbrauch, Pädophile, Kriminalität, Internet, Europarat, Europa