02:06 26 April 2018
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    Dänikens Aliens: “Je menschenähnlicher, desto unwahrscheinlicher“

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    Gesellschaft
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    Menschenähnliche Aliens? Auf der Erde nie nachgewiesen, aus dem Weltall kommend nahezu ausgeschlossen. Vielmehr seien die gängigen Alienbilder nach dem Ebenbild Mensch geformt, zur Befriedigung psychologischer Bedürfnisse, erklärt der Anthropologe und Osteoarchäologe Martin Trautmann. Von einer „Wissenschaft“, die eigentlich Religion ist.

    Die Aliens waren schon da, und sie sind auch heute noch unter uns, so lautet die Überzeugung des Alienforschers Erich von Däniken. Doch er hat keine kosmischen Botschaften von ihnen entziffert, ist ihnen selbst nie begegnet, und auch einen „Alienknochen“ weiß er nicht vorzuweisen. Sondern er glaubt, dass Aliens in die Menschheitsgeschichte eingegriffen und den technologischen Grund für die menschliche Kultur gelegt haben. Sie sollen in der Tradierung als Götter, die vom Himmel kamen, erhalten sein. Und dafür, dass sie uns auch heute noch besuchen, führt er Gespräche mit Augenzeugen und Geheimdiensten an – allerdings sind diese so vertraulich und die Quellen deshalb so geheim, dass man das wohl nie überprüfen können wird.

    Worüber aber durchaus gesprochen werden kann, ist die Frage, was für Besuche von Aliens spricht, wie wahrscheinlich menschenähnliche Aliens sind und wieso man eigentlich aus den Göttern auf Außerirdische schließen sollte. Genau um diese Fragen dreht sich das Sputnik-Interview mit dem Anthropologen und Osteoärchaologen Martin Trautmann.

    Humanoide Aliens: Weder auf Erden noch im Weltall

    Ob die Archäologie bisher auf irgendwelche Überreste von Außerirdischen gestoßen sei, beantwortet Trautmann eindeutig: „Leider bislang überhaupt gar nicht.“ Je weiter man allerdings in die Vergangenheit zurückgehe, desto seltener würden die Knochenfunde. Wenn also 20 oder 30 Außerirdische vor langer Zeit auf der Erde gewesen wären, wäre es unwahrscheinlich, etwas von ihnen zu finden. Dennoch gibt es hier keinerlei positives Indiz.

    Oft werden Aliens menschenähnlich dargestellt. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich in einer anderen Ecke des Universums unabhängig vom Menschen ähnliche Wesen gebildet haben? Trautmanns Antwort lautet: „Verschwindend gering.“ Zwar sei die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo da draußen weiteres Leben gebe, sehr hoch. Doch wenn man dann alle Voraussetzungen für menschenähnliches Leben durchspiele, schwinde sie rapide:

    „Die Chance, dass die Lebewesen höherentwickelt sind, ist schon geringer, dass sie intelligent sind, noch geringer, dass sie Technologie entwickeln, noch geringer. Und das alles noch damit kombiniert, dass sie ausgerechnet ganz zufällig von ihrem Habitus uns entsprechen, das ist schon so gering, dass man eigentlich sagen kann, das ist unmöglich.“ Warum sollten die Außerirdischen nicht etwa wie Seesterne gebaut sein oder völlig anders, so dass wir uns das gar nicht vorstellen können? Das Fazit Trautmanns lautet: „So fies es sich vielleicht anhört: Je ähnlicher Außerirdische dem Menschen dargestellt werden, desto unwahrscheinlicher sind sie.“

    Alienköpfe? Die Praxis der Schädeldeformationen

    Für die charakteristisch hohe Form des gängigen Alienkopfs hat der Archäologe eine einfache Erklärung parat: „Schädeldeformationen bei menschlichen Bevölkerungen sind ein Phänomen, das man seit langer Zeit und eigentlich auch weltweit beobachten kann.“ Die frühesten Funde von „bewusst absichtlich deformierten Schädeln“ sollen aus der Mittelsteinzeit stammen, einem Zeitraum, der vor ungefähr 7.000 Jahren begann.

    Die Deformationen selbst seien aber leicht zu bewerkstelligen: „Bei säugenden Kleinkindern sind die Schädelknochen sehr weich und formbar – die wachsen ja noch. Das heißt, es ist eigentlich nur notwendig, sie durch straff gewickelte Bandagen, oder indem man zum Beispiel ein Brett an die Stirn anbindet, in eine gewisse Form zu drücken. Dann wächst der Schädelknochen in diese Form.“

    Diese Tradition habe es auch in Europa gegeben und gebe es sogar heute noch in Teilen Afrikas. Die Gründe für die Deformation seien unterschiedlich:

    „Teilweise sind sie einfach Schönheitsideale, so wie Frisuren, die man schön oder nicht schön findet. Teilweise war man der Meinung, dass man damit den Charakter des Kindes und späteren Menschen positiv beeinflussen kann, dass man die geistigen Fähigkeiten verbessern kann. Oder es war einfach ein Statussymbol“, erklärt Trautmann. Da hier also ein „typisch menschliches Verhalten“ vorliege, gilt für den Forscher: „Das mit irgendwelchen außerirdischen Einflüssen in Verbindung zu bringen, ist gar nicht notwendig.“

    Nach dem eigenen Bild geformt und der Erfahrung entzogen

    Wieso ist die Menschenähnlichkeit dann meist das Mittel der Wahl? Nach dem Anthropologen ist hier eine Verwandtschaft zu allen Religionen festzustellen: Wie dort der Mensch seine Götter nach seinem Ebenbild forme, geschehe es auch bei den Außerirdischen, ganz einfach, „weil wir in unserer Vorstellungswelt ein bisschen begrenzt sind“.

    Wie bei allen Religionen, so ist auch beim Alienkult der Gegenstand der Erfahrung entzogen, denn: „Übernatürliche Wesen – ob das jetzt Geister, Dämonen, Gottheiten, Engel oder Außerirdische sind – existieren fast immer in unzugänglichen Gebieten“, so Trautmann. Außer dass sie nicht „unter uns“ lebten, sei noch wichtig, dass es „übernatürliche Wesen“ mit „übernatürlichen Kräften“ seien. Damit schaffe sich der Mensch ein Erklärungsmodell für die Welt, in der er sich sonst zuweilen alleingelassen und schutzlos fühle.

    Aliens als Himmelsgottheiten?

    Warum in die Berichte über Himmelsgottheiten – neben denen es auch Erd- und Wassergottheiten gegeben hat – nun Raumschiffe hineingelesen werden sollten, erschließt sich Trautmann nicht. „Keins dieser Beispiele, die immer angeführt werden, zeichnet so etwas – und es braucht auch einiges an Interpretationsfreiheit, dass man aus den Beschreibungen dann auch wirklich Raumschiffe macht“, sagt er dazu. „Da steht sozusagen der Wille der Aussage vor der Interpretation.“ In anderen Worten: Wer unbedingt ein Raumschiff herauslesen möchte, der wird es schon auch irgendwie schaffen.

    Aliens als Projektionsfläche und Erlösungsreligion

    Die großen Religionen sind bekanntlich sehr alt. Es sei aber ein typisch menschliches Verhalten, sich nach neuen Alternativen umzusehen, bemerkt Trautmann. Derzeit suchten die Menschen nach neuen Religionsformen, hätten aber weiterhin „dieselben psychologischen Grundlagen und Bedürfnisse“: ein Erklärungsmodell, das die Welt zusammenhält und Schutz bietet. „Und diese Vorstellung, dass es Außerirdische gibt, die wohlwollend sind, die den Menschen fördern, die ihn voranbringen, ist im Endeffekt so eine Hoffnungs- und Erlösungsreligion“, schlussfolgert Martin Trautmann. Außerirdische ersetzen uns heute, was vor wenigen Jahrhunderten noch Heilige und Engel waren oder noch früher Götter und Totemgeister.

    Dazu würde auch das heutige Bild der Außerirdischen passen, das „aus der Esoterikwelle“ hervorgegangen sei: „Da sind Außerirdische eher so die weisen Geistführer, die haben so eine Art Gurustatus bekommen“, erläutert Trautmann und bemerkt abschließend: „Das finde ich sehr interessant, dass man offenbar keine wirklichen Informationen hat, keine Daten, sondern dass Aliens immer als Projektionsfläche dienen.“

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Martin Trautmann zum Nachhören:

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    Tags:
    Interview, Technologien, Forscher, Aliens, Weltraum