12:06 16 Dezember 2017
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    Revolution, Monarchie, Schuldzuweisung: Romanow-Erbin will „Schlussstrich ziehen“

    © Sputnik/ Alexandr Galperin
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    Über eine Wiederherstellung der Monarchie in Russland zu sprechen, wäre laut Großfürstin Maria Wladimirowna, Erbin des Zarenhauses Romanow und gegenwärtiges Oberhaupt des russischen Kaiserhauses, noch verfrüht. Es sei nicht die richtige Zeit dazu.

    Auf einer Pressekonferenz in der Agentur Sputnik sagte sie: „Das Land hat so viele Veränderungen erlebt, dass auch die Monarchie einmal notwendig werden dürfte, falls das Volk dafür eintritt.“

    Zu den tragischen Folgen der Revolution 1917 gehört die Ermordung der Zarenfamilie ein halbes Jahr nach der Abdankung Nikolai des Zweiten. Im heutigen Russland wird die Revolution als eine der größten Tragödien der russischen Geschichte erachtet. Die Großfürstin meinte dazu: „Die Revolution hat sich ereignet, da das Volk allmählich seine früheren geistigen Stützen und historischen Werte aufgegeben hatte. Die Revolution war zur Mode geworden. Generell waren alle daran schuld. Auch die Zarenfamilie hat Fehler begangen. Man soll aber nicht stets nach Schuldigen suchen, sondern einen Schlussstrich ziehen und vorwärts gehen.“

    Sie fuhr fort: „Jede Periode der russischen Geschichte, sowohl die der Monarchie als auch die der Sowjetunion, hat etwas Gutes und leider auch etwas weniger Gutes gebracht. In der UdSSR hat es auch viel Gutes gegeben, etwa die Erziehung, die Ausbildung und die Erschließung des Weltraums. Man darf nicht sagen, es habe damals nichts Gutes gegeben. Das wäre ungerecht. Wie viele fortschrittliche Wissenschaftler hat es gegeben, Sportler usw. Allerdings sind nicht wenige Menschen umgekommen, es gab viele Verfolgungen. So war unsere Geschichte. Wichtig ist, dass wir die Fehler nicht wiederholen.“

    „Vergangenheit in Erinnerung behalten, aber auch verzeihen können“

    In der Umgebung der in Spanien ansässigen Großfürstin gab es Menschen, die sagten, dass sie zum 100-jährigen Jubiläum der russischen Revolution nicht nach Russland reisen. Das Oberhaupt des russischen Kaiserhauses hat sich anders entschieden: „Es war sehr wichtig, zu kommen und die Einstellung des Kaiserhauses zu bekunden, mit dem Beispiel der gegenseitigen Vergebung voranzugehen, zu sagen, dass auch die Zarenfamilie einen Teil der Schuld an jenen Ereignissen trägt, und in ihrem Namen um Vergebung zu bitten.“

    Die Großfürstin Maria Wladimirowna führte weiter aus: „Wenn wir den Mut aufbringen dies zu tun, wird es allen Erleichterung bringen. Natürlich soll man die Vergangenheit in Erinnerung behalten, aber auch verzeihen können. So beschloss ich, auch den Panzerkreuzer ‚Aurora‘ in St. Petersburg zu besuchen (das Symbol der Revolution – Anm. d. Red.), in der Kirche, die dort eingerichtet ist, zu beten und Kerzen zum Gedenken an alle Soldaten und Matrosen aufzustellen, die während jener traurigen Ereignisse ums Leben gekommen sind.“

    Für die Großfürstin spiele es keine Rolle, ob sie zu den „Weißen“ oder zu den „Roten“ (die einander während der Revolution gegenüberstanden) gehört hätten. „Es waren alles russische Menschen. Das war für mich wichtig. Gebe Gott, dass in Russland nichts so Fürchterliches mehr geschieht wie damals, als Brüder und Schwestern sich gegenseitig umbrachten.“

    Ihr Großvater, der Großfürst Kirill Wladimirowitsch, hat noch 1922 begonnen, das Konzept der nationalen Versöhnung zu formulieren, das auf der Überwindung des rot-weißen Antagonismus beruhen sollte. Aber auch heute, hundert Jahre später, gibt es keine Eintracht bei der Auslegung des Geschehens jener Zeitperiode und keine Versöhnung.

    Man solle das finden, was uns miteinander verbinde, und nicht das, was uns trenne, ist die Großfürstin überzeugt. „Immer lässt sich etwas finden, um gute Beziehungen auszubauen. Man könnte Unterstützung für Menschen organisieren, die es im Leben nicht so leicht haben, die krank sind. Unter ihnen gibt es weder,Rote‘ noch,Weiße‘. Wir können ihnen allen gemeinsam helfen, ohne an ihre Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Partei zu denken, denen helfen, die in Not sind.“

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Geschichte, Monarchie, UdSSR, Russland
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