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    Straßenwerbung: Unerwünschte (Nezeljena)

    Mädchen unerwünscht: In diesem europäischen Land werden zu oft Kinder abgetrieben

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    In Montenegro treiben mehr als 1400 Frauen nach offiziellen Angaben jährlich ein Kind ab. In 70 Prozent der Fälle handelt es sich dabei jedoch um keine Schwangerschaftsunterbrechung aus gesundheitlichen Gründen.

    Die Zahl scheint nicht mehr gering zu sein, wenn man berücksichtigt, dass in dem Land insgesamt nur noch 150.000 Frauen im Gebäralter (also zwischen 15 und 49 Jahren) leben. Besonders erschreckend ist allerdings der echte Grund für eine Schwangerschaftsunterbrechung, nämlich der Wunsch nach einem Jungen.

    In Montenegro werden verbotene Schwangerschaftstests genutzt, die es erlauben, das Geschlecht des künftigen Kindes in der Frühschwangerschaft zu erfahren. Dann agiert die Frau in den „besten“ Traditionen des Mittelalters – ein Junge wird beibehalten, ein Mädchen abgetrieben. Genau aus diesem Grund ist die Statistik im Land sehr ungewöhnlich: auf 109 neugeborene Jungen entfallen 100 Mädchen. Die natürliche Balance sieht anders aus: 102 Jungen zu 100 Mädchen.

    Neben den traditionellen Namen Elena, Milica und Milena gewinnt der Name Nezeljena (zu Deutsch – Unerwünschte) an Beliebtheit.

    Vor wenigen Tagen organisierte das „Zentrum für Frauenrechte“ in der Hauptstadt Podgorica eine Protestaktion. In deren Rahmen wurde im Studentenpark eine der „Unerwünschten“ gewidmete Gedenktafel aufgestellt – in Erinnerung an alle Mädchen, denen kein Leben geschenkt wurde.

    „Nezeljena ist der Name vieler Mädchen in unserem Monenegro“, heißt es auf der Tafel. Die Exekutivdirektorin des Zentrums, Maja Raicevic, sagte in einem Sputnik-Interview, dass ihre Initiative gegen das aktuelle Wertsystem im Land gerichtet sei.

    Нежељена
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    „Wir wollen einen öffentlichen Dialog aufnehmen, mit dem Ziel, die Werteordnung zu überwinden, bei der weibliche Kinder nicht die gleichen Rechte haben wie männliche“, betonte Raicevic. „Das Problem spiegelt sich in allen Bereichen des Lebens in Montenegro wider, so dass die Zahl von selektiven Schwangerschaftsunterbrechungen und Missbräuchen von Schwangerschaftstests zunimmt.“

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    Перформанс у Универзитетском парку у Подгорици

    Das Zentrum trete zwar nicht generell gegen Schwangerschaftsunterbrechungen auf, sondern vielmehr gegen die negativen patriarchalischen Werte und Traditionen eines männlichen Erben, die die Positionen von Frauen in der Gesellschaft äußerst negativ beeinflussen.

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    Mädchen, Leben, Protestaktion, Frauenrechte, Test, Abtreibung, Schwangerschaft, Frauen, Kinder, Montenegro