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    Kaspersky Lab: Der Übergang von Cyberkriegen zu echter Kriegsführung ist absolut real

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
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    Experten des russischen Antivirus-Konzerns Kaspersky Lab sehen in der Militarisierung des Cyberraums eine reale Gefahr. Mehr als dreißig Länder inkluive USA haben offiziell Cyber-Einheiten ins Leben gerufen. Eine Virenattacke könnte in einen Angriff mit Bomben eskalieren.

    Im Unternehmen ist man sich sicher, dass ein gefährlicher Trend heute die Militarisierung des Cyberraums ist, sagten die Kaspersky-Experten auf einer Pressekonferenz in Moskau zu den Ergebnissen des Jahres 2017. Mehr als dreißig Länder, darunter die USA, China, Großbritannien und Südkorea, hätten offiziell Cyber-Einheiten ins Leben gerufen. Theoretisch könnte man sich vorstellen, dass ein Land mit allerlei Viren attackiert wird, was anschließend einen echten Angriff mit Panzern, Flugzeugen und Bomben hervorruft. Eine solche Entwicklung könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Vize-Präsident von Kaspersky Lab, Anton Schingarew, für Sputnik.

    Anton Schingarjew
    © Foto : Kaspersky Lab
    Anton Schingarjew

    „Der Übergang von Cyberkriegen zur echten Kriegsführung ist absolut real. Artikel 5 des Vertrages über die kollektive Sicherheit ist bereits verfasst worden. Es handelt sich nicht mehr um theoretische Möglichkeiten, sondern um unsere Realität.“

    Kaspersky Lab ist laut Schingarjow ein strategischer Partner von Interpol, Europol und der UN. Die Datenpannen der vergangenen Jahre haben jedoch das internationale Vertrauen stark beeinträchtigt. Häufig sind Experten nicht einmal in der Lage, ihre Kollegen in einem anderen Land von einem Cyberangriff zu benachrichtigen. Die sogenannte Balkanisierung habe begonnen: die Welt werde fragmentiert und in Einflusszonen unterteilt. Internationale Zusammenarbeit sei jedoch notwendig, um Cyberbedrohungen zu bekämpfen. Deutschland sei für Kaspersky Lab ein wichtiger Partner in Europa, sagte der Kaspersky-Vize-Chef weiter gegenüber Sputnik.

    „Wir haben große Pläne für die Entwicklung der industriellen Sicherheit, und Deutschland ist eines der führenden Länder der Welt, das sich mit Lösungen in diesem Bereich beschäftigt. Deshalb kommunizieren wir mit der Regulierungsbehörde, wir kommunizieren mit Politikern, und wir werden auch weiterhin unsere Ressourcen und Zeit in die Arbeit in Deutschland investieren. Ich finde es wirklich gut, dass Deutschland einen sehr beweissicheren Ansatz hat. Man nimmt Informationen nicht aus öffentlichen Quellen und trifft eigene Entscheidungen. In Deutschland gibt es keine Empfehlung gegen unser Produkt (im Unterschied zu den USA), weil Deutschland einen faktischen Ansatz hat. Sie sagen uns direkt: Wir basieren auf Fakten und Beweisen. Deshalb haben wir eine konstruktive Diskussion, wir kommunizieren genauso wie mit den Briten. Wir werden unser Bestes tun, um zu beweisen, dass unser Produkt sicher ist und für den Gebrauch empfohlen werden kann.“

    Das Jahr 2017 sei für den Informationssicherheitsmarkt schwierig und entscheidend gewesen. Im Allgemeinen hätten 2017 Virenangriffe weltweit zugenommen – es handele sich um Milliarden von Attacken. Cyberattacken mit WannaCry und Bad Rabbit – so etwas habe es auf globaler Ebene in den vergangenen zehn Jahren nicht gegeben. Die Zahl der Angriffe auf das industrielle Internet nimmt zu, und es werde immer wichtiger, die kritische nationale Infrastruktur zu schützen, sagte Alexander Gostew, Chef-Security-Experte von Kaspersky Lab.

    Alexander Gostew
    © Foto : N. Pavlova
    Alexander Gostew

    „Die größte Gefahr für russische Großunternehmen und staatliche Behörden sind chinesische Hacker. Sie sind seit langem auf den Diebstahl von geistigem Eigentum spezialisiert, sind aber nicht an Geld, sondern an Informationen aus der Rüstungsindustrie interessiert. Alle neuen Entwicklungen, Know-how, insbesondere auf dem militärischen Gebiet, liegen in ihrem Interessenbereich. Sie haben Russland als einen der größten Waffenproduzenten ständig im Fokus.“

    Kryptowährung sei ein weiteres Thema des Jahres 2017, das die Gemüter beherrscht. Immer mehr Menschen ließen sich in diesen Bereich hineinziehen. Das sei eine der Erscheinungsformen der Blockchain-Technologie. Anhand der Blockchain könne man nicht nur Bitcoins erstellen, sondern auch Projekte wie Internet-Abstimmung sowie Spiele veranstalten. Das Blockchain-System sei eine Realität, die eine große Zukunft habe, fügt Alexander Gostew hinzu.

    „Dies ist die bedeutendste Erfindung im Internet-Bereich in den vergangenen 15 Jahren. Was Kryptowährungen, Bitcoin-Rate und ähnliches angeht, sagt man, dass dies eine Luftblase ist, dass der Preis zu hoch ist, und dass all dies früher oder später in einem Absturz endet. Wir sind nicht bereit, finanzielle Prognosen zu machen. Inzwischen sehen wir jedoch, dass die Sicherheit von Kryptowallets und Kryptobörsen auf einem ziemlich schwachen Niveau ist. Für Kriminelle ist das ein Leckerbissen. Und uns bereitet das Kopfzerbrechen, wir müssen neue Schutzmethoden entwickeln. Wie wird es mit der Rate von Kryptowährungen stehen? – Kommt Zeit, kommt Rat.“

    Kaspersky Lab ist im Bereich Cyber-Sicherheit seit Jahrzehnten ein wichtiger Anbieter. Insbesondere die Anti-Virus-Software des russischen Konzerns wird weltweit genutzt. Seine Produkte schützen über 400 Millionen Heimcomputer und 270.000 Firmennetzwerke in 200 Ländern.

    Natalia Pawlowa

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    Cyberkrieg, Daten, Kaspersky Lab, USA, Russland, China