23:08 21 Oktober 2018
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    Umstrittener Wunderheiler in Berlin: „Göttlicher Auftrag“ oder Scharlatan?

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    Er nennt sich selbst „Apostel“: Wladimir Muntyan, Wunderheiler aus der Ukraine – angeblich in göttlicher Mission. Während sich Besucher über seinen Auftritt am Sonntag in Berlin-Neukölln begeistert zeigen, üben Stadt und Kirche Kritik. „Jeder sollte stutzig werden, wenn selbsternannte Vertreter Gottes Krebs heilen wollen“, so ein Stadtrat.

    Sonntagnachmittag im Convention-Center des Hotels „Estrel“ im Berliner Stadtbezirk Neukölln: Besonders viele Russlanddeutsche sind unter den etwa 2.500 Besuchern. Sie alle wollen den „Heilungs-Gottesdienst“ miterleben. „Ehrlich gesagt, ich habe die Werbung darüber im russischen Radio gehört und fand das sehr faszinierend“, sagte eine Berlinerin mit moldawischen Wurzeln gegenüber Sputnik auf der Veranstaltung. „Gestern habe ich einen Anruf von meiner Schwester bekommen und sie meinte zu mir, das soll sehr, sehr schön sein. Ich wollte unbedingt hingehen.“

    Wladimir Muntyan, Wunderheiler aus der Ukraine
    © Foto : Wladimir Muntyan
    Wladimir Muntyan, Wunderheiler aus der Ukraine

    Im russischsprachigen Raum sei Muntyan recht bekannt, er habe zudem weltweit eine große Fan-Gemeinde. „Nicht ich bin es, der heilt, sondern Gott“, betonte er auf der Pressekonferenz vor Beginn der Veranstaltung am Sonntagnachmittag. Dann füllte sich Halle 2 im Kongress-Zentrum in Berlin-Neukölln, die Menschen strömten zum Gottesdienst. Sie alle hofften auf Heilung.

    „Wenn ihr krank seid …“

    Begleitet von ergreifender russischer Musik betrat der selbsternannte Heiler die Bühne. Neben ihm seine Dolmetscherin. „Wenn ihr krank seid, dann müsst ihr heute auf den allmächtigen Gott warten“, sprach Muntyan die Anwesenden an. „Er wird zu Euch kommen.“

    Er nimmt oft keinen Eintritt für seine Veranstaltungen. Auch der Berliner Heilungs-Gottesdienst am Sonntag war frei zugänglich. Seine Organisation „Vozrozhdenie“ (deutsch: Wiedergeburt) bat vor Ort um freiwillige Spenden.

    Warnungen und Kritik: Falsche Heilversprechen

    Für manche ist Muntyan die letzte Hoffnung, für andere ein Scharlatan und Hochstapler. Das Bezirksamt von Berlin-Neukölln riet im Vorfeld von einem Besuch der Veranstaltung ab. Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) warnte öffentlich vor falschen Heilversprechen: „Jeder Mensch sollte stutzig werden, wenn selbst ernannte Vertreter Gottes mit Massengebeten Krebs heilen oder auf den Rollstuhl angewiesene Menschen wieder gehen lassen wollen.“ Der Referent für Weltanschauungsfragen bei der Evangelischen Zentralstelle in Berlin, Michael Utsch, riet ebenso von einem Besuch ab, wie Berliner Medien berichteten. Gefährlich sei Muntyan aber nicht: „Das ist ein Missionar, der offenbar wirklich glaubt. Außerdem geht es ihm offenbar nicht in erster Linie darum, Geld zu verdienen.“

    Wladimir Muntyan, Wunderheiler aus der Ukraine während Sonntagnachmittag im Convention-Center des Hotels „Estrel“
    © Sputnik / Alexander Boos
    Wladimir Muntyan, Wunderheiler aus der Ukraine während Sonntagnachmittag im Convention-Center des Hotels „Estrel“

    Auf der Pressekonferenz wurde mitgeteilt, dass Muntyan ein „Geschäft mit 40 Mitarbeitern“ betreibe, aber 90 Prozent seiner Einnahmen an die Gemeinde abgebe. Was genau das für ein Geschäftsmodell sei, blieb auf der Pressekonferenz unklar. Die Kosten der Veranstaltung in der Kongress-Halle wurden nach Medienberichten auf rund 26.000 Euro geschätzt. Auch innerhalb der etablierten Kirche hat er sich viele Gegner gemacht – so wurde er vor einigen Jahren aus der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche aufgrund „okkulter Heilpraktiken“ ausgeschlossen. Seitdem ist er in christlichen Freikirchen aktiv und anscheinend gut vernetzt. Am Sonntag übertrug ein Live-Stream weltweit seine Botschaften.

    Das Neuköllner Bezirksamt duldete letztlich die Veranstaltung. Viele Besucher gingen nach eigenen Angaben in dem Gefühl nach Hause, doch irgendwie geheilt worden zu sein. „In einigen Momenten habe ich schon etwas gespürt“, so die bereits zitierte Berlinerin gegenüber Sputnik. „Da kam schon etwas durch.“

    Alexander Boos

    Die Radio-Reportage vom Heilungs-Gottesdienst zum Nachhören:

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    Kritik, Veranstaltungen, Gott, Heiler, Sekte, Kirche, Ukraine, Deutschland