09:09 23 April 2018
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    Eine Frau sieht durch die erfrorene Glasscheibe (Symbol)

    Ukraine: Größte Uni muss wegen fehlendem Geld für Heizung schließen

    © AP Photo / Vadim Ghirda
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    Die Geldnot in der Ukraine hat nun auch die Hochschulbildung erreicht. Laut dem Ex-Mitarbeiter der nationalen Energieregulierungsbehörde der Ukraine Andrej Gerus muss die Hauptuniversität des Landes, die Nationale Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew (KNU), bis zum Frühling schließen, weil sie die Heizungskosten nicht mehr bezahlen kann.

    Wie Gerus auf seinem Facebook-Account schreibt, hat die Universität alle Lehrveranstaltungen abgesagt und die Studenten aufgerufen, bis zum Frühling zu Hause zu bleiben und von dort aus eigenständig zu studieren.

    Der Grund hierfür sei der Mangel an Finanzmitteln, um sowohl die Heizungs- als auch die Stromkosten zu bezahlen.

    Von offizieller ukrainischer Seite heißt es allerdings, es handle sich um eine neue Lehrmethode, bei der die Studierenden sich von zu Hause aus eigenständig die Inhalte aneignen sollten.

     

    „Formal heißt es ‚Fernstudium‘. Aber alle verstehen, dass wir weder die Methodik hierzu noch die Qualifikation für die Fernlehre haben“, betont Gerus.

    Er gehe zudem davon aus, dass die Studenten sich in der Zeit wohl kaum mit den Studieninhalten beschäftigen, sondern sich eher um einen kleinen Nebenverdienst kümmern werden.

    Auch Studenten der Universität haben bestätigt, dass der Unterricht mindestens bis zum 1. März entfallen wird.

    „Das ist wahr. Uns wurde gesagt, dass im Februar sowas wie ein Fernstudium stattfinden wird. Niemand hat aber eine Ahnung, wie das genau wird“, zitiert das ukrainische Portal fakty.ua einen Studenten.

    Universität will von Geldmangel nichts wissen

    Die Universität selbst erklärte unterdessen auf ihrer Homepage, dass die Studierenden selbst um einen Übergang „zum Fernstudium gebeten“ hätten. Nun sollen sie sich während des Februars eigenständig mit dem Verfassen von Hausarbeiten und dem Absolvieren von Praktika beschäftigen.

    Das Direktstudium solle demnach ab dem 1. März wieder beginnen, teilte die Universität mit.

    Petro Poroschenko und der ukrainische Verteidigungsminister Stepan Poltorak
    © REUTERS / Ukrainian Presidential Press Service/ Mikhail Palinchak
    Vom Geldmangel will die KNU nichts wissen: Man hätte alle Zahlungen für den Januar ordnungsgemäß getätigt und sogar eine Vorauszahlung für den Februar gemacht.

    Der Experte Gerus zweifelt jedoch an der Begründung der Kiewer Universität.

    Zuvor wurde bereits bekannt, dass auch die Nationale Universität in der westukrainischen Stadt Lwiw auf „Fernstudium“ umgestiegen ist, um Kosten angesichts der Preiserhöhungen für Heizung um 40 Prozent einzusparen.

    Nach Angaben der ukrainischen Zeitung „Ukrainskaja Prawda“ kann Ähnliches unter anderem auch in den Städten Ternopol, Dnepr, und Odessa beobachtet werden.

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    Tags:
    Fernstudium, Heizungskosten, Heizung, Studium, Studenten, Wirtschaftskrise, Die Nationale Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew (KNU), Odessa, Kiew, Ukraine
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