20:49 11 Dezember 2018
SNA Radio
    Nazi-Demonstration in Lwiw (Archiv)

    Israel verzeichnet zunehmenden Antisemitismus in der Ukraine

    © Sputnik / Stringer
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    3364

    Die israelischen Behörden haben im Jahr 2017 eine Verdoppelung der Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Ukraine und zugleich eine anhaltende sinkende Tendenz eines solchen Geschehens in Russland festgestellt.

    In dem 72 Seiten umfassenden Dokument des Ministeriums für Angelegenheiten der Diaspora wird die Ukraine als führend im postsowjetischen Raum nach der Häufigkeit verbaler Angriffe und gewaltsamer Handlungen gegenüber Juden, ihrem Eigentum, ihren heiligen Stätten und Instituten der jüdischen Gemeinden bezeichnet.

    „In der Ukraine ist eine Verdoppelung der Anzahl antisemitischer Vorfälle vor dem Hintergrund der Tendenz zur Wiedergeburt des Nationalismus in Osteuropa und der Versuche zu beobachten, nationalistische Bewegungen der Vergangenheit und deren Anführer, die für die Ermordung und die Vertreibung von Juden verantwortlich sind, zu rehabilitieren und zu glorifizieren“, schreibt das israelische Ministerium.

    „Es ist das zweite Jahr hintereinander, wo in der Ukraine die im Raum der ehemaligen UdSSR größte Anzahl gemeldeter Vorfälle mit Akzent auf antisemitische Propaganda im politischen Diskurs und auf Vandalismus gegen jüdische Objekte wie Friedhöfe, Gedenkstätten für Holocaust-Opfer, Gemeindegebäude fixiert wird“, heißt es in dem Dokument.

    Proteste von Migranten in Griechenland (Archiv)
    © AP Photo / Thanassis Stavrakis
    Den ukrainischen Behörden werfen die Autoren des Berichts eine ungenügend harte Reaktion auf Offenbarungen des Antisemitismus vor, die ihren Angaben zufolge oft als Rohheitsdelikte eingestuft und nicht als „Verbrechen aus Hass“ geahndet werden. Als Folge gebe es das Phänomen der „wiederholten Schändung“, wo ein und dasselbe Objekt immer wieder Überfällen ausgesetzt sei, ohne dass die Täter bestraft würden.

    Ferner werde in dem Dokument hervorgehoben, dass es unter den ukrainischen Politikern, und nicht mehr nur unter den marginalen, immer häufiger vorkomme, dass die reale oder imaginäre Herkunft von Opponenten bei Angriffen ins Visier genommen werde.

    „Wurden nach der Revolution (dem Umsturz vom Februar 2014 – Anm. d. Red.) Vertreter der Öffentlichkeit jüdischer Herkunft in die höchsten Ämter der neuen Machtstrukturen ernannt, so wird die Herkunft dieser Leute jetzt als ein Faktor der komplizierten sozialpolitischen Situation im Lande betrachtet. Mehr noch, nichtjüdische Führungskräfte werden von der Straße wie ‚verkappte Juden‘ wahrgenommen“, stellen die Autoren des Berichts fest.

    Sie kritisieren auch die Tätigkeit des Instituts für nationales Gedenken mit Wladimir Wjatrowitsch an der Spitze, der Vertreter des ukrainischen Nationalismus rehabilitiert, welche sich mit der Verfolgung von Juden während des Zweiten Weltkrieges und der kurzen Zeit der Unabhängigkeit nach der Oktoberrevolution von 1917 befleckt hatten.

    „Die Reaktion nationalistischer Elemente auf jüdische Proteste dagegen beinhaltet auch Aufrufe dazu, die Juden aus der Ukraine zu vertreiben oder sie zumindest daran zu erinnern, wer der Herr im Lande sei. Zudem werden Behauptungen laut, dass der den Juden zugefügte Schaden angesichts ihrer Beteiligung an den Nöten des ukrainischen Volkes, besonders der großen Hungersnot — dem ‚Holodomor‘ — in den Jahren 1932-1933, ein legitimes Handeln sei, wobei die ihm zum Opfer gefallenen jüdischen Bürger unerwähnt bleiben“, heißt es im Weiteren.

    Im Abschnitt des Berichts über die Situation in Russland, schreiben die Autoren, dass im Jahr 2017 die Anzahl antisemitischer Offenbarungen weiter abgenommen habe. Ihren Hauptteil hätten sie im Kontext der gesellschaftlichen Polemik hinsichtlich solcher Ereignisse der Geschichte entdeckt, wie es „die bolschewistische Revolution von 1917, der Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 und die nachfolgende Periode des ‚wilden Kapitalismus‘ der 1990er Jahre“ gewesen seien.

    „Die Juden stellte man sich als eine der negativen Triebkräfte dieser Prozesse vor und ihre Hauptbegünstigten – als jene, die auf Kosten des russischen Volkes zu Reichtum und Einfluss gelangt waren“, so die Autoren.

    Ferner schreiben sie, dass der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution in Russland zum Auftauchen einer Reihe von Publikationen, Spiel- und Dokumentarfilmen geführt habe, wo die These von der negativen Rolle, die die Juden angeblich in den Ereignissen der Vergangenheit gespielt hätten, vertreten werde.

    Als Beispiele werden im Bericht einzelne Äußerungen angeführt, die im Zusammenhang mit dem Streit um die Übergabe der Isaak-Kathedrale in St. Petersburg an die Russische Orthodoxe Kirche oder während der Erörterung der Version, dass die Ermordung der russischen Zarenfamilie einen „rituellen Charakter“ habe, zu hören waren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Moskau: Ukraine bereitet sich auf neuen Krieg vor
    HRW bemängelt Schmälerung der Pressefreiheit in der Ukraine
    Kiew verweigert Russen Beteiligung an Privatisierungen in der Ukraine
    Tags:
    Folgen, Holocaust, Nationalismus, Tendenz, Äußerung, Vorfall, Antisemitismus, Russland, Israel, Ukraine