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01:28 22 Juli 2019
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    Gefangene Wehrmacht-Soldaten (l.) und Offiziere der Roten Armee in Stalingrad

    Kein deutsches Gedenken an die Opfer von Stalingrad

    © Sputnik / Georgij Selma
    Gesellschaft
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    Armin Siebert
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    Die Bundesregierung plant keinerlei Veranstaltungen zum 75.Jahrestag des Sieges der Roten Armee in Stalingrad. Sie stuft auch die Gräueltaten der Wehrmacht in der Sowjetunion nicht grundsätzlich als verbrecherisch ein, sondern plädiert für eine „einzelfallbezogene“ Einordnung. Das teilt die Regierung auf Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag mit.

    In Russland wird es am 2. Februar in Moskau und Wolgograd (ehemals Stalingrad) zentrale Feierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges der Roten Armee in der Schlacht um Stalingrad geben. Unter anderem hat der serbische Staatspräsident angekündigt, an diesen Gedenkveranstaltungen teilzunehmen. Die Linke im Bundestag wollte nun von der Bundesregierung wissen, ob auch Deutschland an den Feierlichkeiten teilnimmt und welche Rolle das Gedenken an die Opfer von Stalingrad für Deutschland spiele. In der Kleinen Anfrage an die Bundesregierung heißt es:

    „Vor dem Hintergrund der laufenden Debatte über die Tradition der Bundeswehr…, gilt es, anlässlich des 75. Jahrestages an die Schlacht um und bei Stalingrad mit ihren vielen Opfern zu erinnern, deren Nachwirkung sich bis heute kaum einer entziehen kann.“

    Totengedenken im Bundestag (Archiv)
    © Foto : Deutscher Bundestag / Achim Melde
    In der Antwort der Bundesregierung wird bestätigt, dass der deutsche Botschafter in Russland und der Verteidigungsattaché beabsichtigen, an der Veranstaltung in Wolgograd teilzunehmen. Der Besuch eines Vertreters der Bundesregierung ist jedoch nicht geplant. Bundeskanzlerin Angela Merkel war bereits 2015 den Feiern zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes am 9. Mai in Moskau ferngeblieben.

    Auch wird es von deutscher Seite keine eigenen Gedenkfeierlichkeiten im ehrenden Gedenken an die Opfer von Stalingrad geben.

    Sevim Dagdelen, Mitverfasserin der Anfrage an die Bundesregierung, meint dazu:

    „Der Sieg der Roten Armee in Stalingrad war ein entscheidender Schritt zur Befreiung von der Nazi-Diktatur. Er war ein Triumph, der neue Hoffnung spendete und letztlich unsere Geschichte, die europäische, ja die Weltgeschichte zum Positiven verändert hat. Dass die Bundesregierung daran mit keiner Silbe erinnern will, ist unwürdig und beschämend. Es ist ein geschichtspolitischer Offenbarungseid.“

    Auch stuft die Bundesregierung militärische Handlungen der Wehrmacht gegen die Sowjetunion nicht grundsätzlich als verbrecherisch ein:

    „Die Einordnung damaliger militärischer Handlungen der Wehrmacht als verbrecherisch im strafrechtlichen Sinne ist einzelfallbezogen vorzunehmen“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

    Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, kommentiert diese Antwort wie folgt:

    „Die Angriffe der Wehrmacht auf Stalingrad waren ein Verbrechen wie alle militärischen Handlungen der Nazi-Wehrmacht im Rahmen des verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion und ihre Menschen. Da gibt es kein Vertun und keine ‚einzelfallbezogene‘ Abwägung.“

    Die Linksfraktion im Bundestag plant nun, eine eigene Delegation zu den Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg der Roten Armee nach Wolgograd zu schicken, um Deutschland angemessen zu vertreten und sich zur Geschichte zu bekennen.

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    Tags:
    Weigerung, Gedenken, Opfer, Kriegsverbrechen, Schlacht, Geschichte, Nazi-Deutschland, Zweiter Weltkrieg, Der Zweite Weltkrieg, Rote Armee, Bundestag, Die LINKE-Partei, Bundesregierung, Wehrmacht, Bundeswehr, Sevim Dağdelen, Wolgograd, Stalingrad, UdSSR, Sowjetunion, Russland, Drittes Reich, Deutschland