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    Homosexuelle Beziehung - Homosexuelle Ehe (Symbolbild)

    Homosexuelle lassen Ehe in Russland registrieren – nur ein kurzes Glück

    © AP Photo / Eric Gay
    Gesellschaft
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    Die russische Gesetzgebung versteht die Ehe unmissverständlich als einen Bund zwischen Mann und Frau, homosexuelles Heiraten ist in Russland daher nicht erlaubt. Nun haben anscheinend zwei Homosexuelle in Moskau das Rechtssystem umgehen können und ihre „Ehe“ bei einem Bürgerbüro registrieren können – allerdings nur für eine sehr kurze Zeit.

    Die beiden Moskauer Homosexuellen Evgenij Voizechovskij und Pavel Stozko haben es nach eigenen Aussagen geschafft, sich von einem Bürgerbüro der russischen Hauptstadt ihre „Ehe“ bestätigen zu lassen – obwohl es in Russland eigentlich verboten ist.

    Hierfür haben sie sich einen Trick einfallen lassen, den sie anschließend auf ihrem Telegram-Account per Video erklärt haben.

    Die Pässe der beiden Männer mit den Bestätigungsstempeln der Eheschließung:

    Demnach haben sie in Kopenhagen in Dänemark am 4. Januar 2018 geheiratet. Anschließend seien sie nach Moskau gereist und hätten ihre Heiratsurkunden sowie beglaubigte Übersetzungen der Dokumente einem Moskauer Bürgerbüro vorgelegt.

    Das Bürgerbüro habe schließlich die russischen Pässe mit dem Vermerk abgestempelt, die Männer seien verheiratet – und damit schien das russische Rechtsystem umgangen zu sein.

    Freude nur für kurze Zeit

    Lange konnten sich die beiden Männer ihrer homosexuellen „Ehe“ in Russland allerdings nicht erfreuen. Verschiedene staatliche Instanzen schalteten sich in den Prozess ein, überprüften die vorliegenden Rechtsverhältnisse und annullierten die Anerkennung der „Ehe“ samt den Pässen der beiden.

    Der indische Prinz Manvendra Singh Gohil
    © REUTERS / Picture courtesy: Manvendra Singh Gohil
    Wie die Direktorin der Moskauer Standesamtverwaltung, Irina Muravjeva, dem Sputnik sagte, kann solch eine „Ehe“ in Russland nicht anerkannt werden, da es gegen die Grundzüge der verfassungsmäßig festgeschrieben Rechtsordnung des Landes verstößt.

    Die Ehe als ein Bund zwischen Mann und Frau sei ein Teil der traditionellen Familienwerte, die von der russischen Verfassung explizit geschützt werden würden – jegliche offizielle Registrierung von „homosexuellen Ehen“ könne daher nicht erfolgen.

    Irina Volk, Vertreterin des russischen Innenministeriums, sagte in diesem Zusammenhang, dass die Pässe, in denen nun die gesetzeswidrigen Anerkennungsstempel stünden, annulliert worden seien.

    „Die Pässe der genannten Bürger sind in der föderalen Datenbank der ungültigen Pässe erfasst worden“, erklärte sie.

    Die Anerkennung der „Ehe“ seitens des Bürgerbüros durch das Setzen des Stempels sei dabei höchstens als bürokratischer Fehler zu werten, weitere homosexuelle „Heiratswillige“ sollten nicht versuchen, den Weg der beiden Männer nachzuahmen.

    Die Sachbearbeiterin in dem Bürgerbüro, die sich den eindeutigen Fehler geleistet hatte, sowie ihre Vorgesetzte würden für den groben Fehler im Dienst nun mit hoher Wahrscheinlichkeit entlassen werden.

    Irina Kirkora, Mitglied im Präsidenten-Rat für Menschenrechte der Russischen Föderation, betonte in diesem Zusammenhang aber auch, dass Russland die homosexuelle Ehe an sich nicht verbiete, solange diese in einem anderen Staat geschlossen werde, und miteinander verheiratete Homosexuelle in keiner Weise verfolge. Solch eine Ehe könne aber nicht in Russland geschlossen oder registriert werden.

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    Tags:
    Bürgerbüro, Homosexuelle, Ehe für alle, Homo-Ehe, Scheinehe, Standesamt, Pässe, Verfassung, Eheschließung, Anerkennung, Dänemark, Kopenhagen, Moskau, Russland