10:50 26 Juni 2019
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    Leningrader Blockade (Archivbild)

    „Leningrad 1941–1945“: Bestialischstes Kriegsverbrechen und heroischster Widerstand

    © Sputnik / Anatolij Garanin
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    Jens Klemke
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    Die Ausstellung „Leningrad 1941–1945“ in Berlin zeigt Bilder und Texte aus staatlichen russischen Archiven und unzähligen Privatarchiven. Entstanden ist ein einzigartiges Panorama von einem der bestialischsten Kriegsverbrechen der deutschen Faschisten – und von einem leuchtenden Beispiel für Heldenmut und Humanismus der Sowjetmenschen.

    New York, London, Tokyo, Paris, Berlin, Moskau – das waren im Sommer 1941 die sechs größten Städte der Welt. Als die Hitler-Faschisten zusammen mit finnischen und spanischen Truppen auch über die nördlichen Teile der Sowjetunion herfielen und bis zum 8. September 1941 das nahe der finnischen Grenze gelegene Leningrad belagerten, war dieses mit über 3,3 Millionen Einwohnern die siebtgrößte Stadt der Welt. Die Nazis vermochten jedoch nicht, die Stadt militärisch einzunehmen. So begann die Leningrader Blockade, die als die längste und verlustreichste Schlacht des Zweiten Weltkrieges gilt – und als wohl monströsestes Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht.

    Die Ausstellung „Leningrad 1941–1945“, die am 23. Januar im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin eröffnet wurde, schreibt diesen finstersten Teil der Geschichte Leningrads neu. Sie begnügt sich nicht mit der trockenen Erzählung des militärischen Verlaufs und ruht sich nicht auf kalten Fakten aus. Dennoch wird sie allen Ansprüchen einer wissenschaftlichen Darstellung der Leningrader Blockade nach den neuesten Erkenntnissen gerecht. Dabei bleibt sie stets allgemeinverständlich und frei von überkonzeptionalisiertem Historikerjargon und modernistischem Zierat.

    Zu jedem der fast 29 Monate Belagerungszeit und der ersten 24 Monate der Rekonstruktionsperiode führt ein Text in das Zeitgeschehen ein. Daneben zeigen Auszüge aus Erinnerungstexten, Briefen, Tagebüchern, Romanen, wie die Leningrader als Menschen den zum Alltag werdenden Ausnahmezustand in der hungernden Metropole bestritten oder auch an ihm zugrunde gingen. Mütter, Kinder, Ärzte, Lebensmittelbeschaffer, aber auch Militärs, Komsomolzen, freiwillige Helfer und Schichtarbeiter kommen dabei zu Wort. Die Bevölkerung selbst beschreibt so ihre unbeschreiblichen Leiden, aber auch ihre Hoffnungen, ihren Überlebenswillen, ihre Hilfsbereitschaft – mit allem Heroismus und allen Grenzen und Grenzgängen zwischen Menschlichkeit und Verrohung angesichts von Lebensmittelknappheit und permanentem Artilleriebeschuss. Den größten Teil der Ausstellung nimmt eine Bildauswahl ein, die alle Facetten des Belagerungslebens schonungslos aufzeigt.

    Ausstellungseröffnung ‚Leningrad 1941–1945‘ am 23.1.2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin
    © Sputnik /
    Ausstellungseröffnung ‚Leningrad 1941–1945‘ am 23.1.2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin

    Aus Anlass des 75. Jahrestag der Brechung der Leningrader Blockade wurde die Ausstellung „Leningrad 1941–1945“ in jahrelanger Archivarbeit zusammengestellt und seit Ende Januar in mehreren russischen Städten gezeigt. Zur Eröffnung einer deutschen Ausgabe der Ausstellung am Dienstag im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur waren über 100 Besucher erschienen. In mehreren Reden gedachten Historiker aus Russland und Deutschland und Zeitzeugen der Opfer der Leningrader Blockade und äußerten die Hoffnung, dass sich eingedenk dieser historischen Erfahrungen Kriege nächstens vermeiden lassen und dass die deutsch-russischen Beziehungen sich verbessern mögen.

    Ausstellungseröffnung ‚Leningrad 1941–1945‘ am 23.1.2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin
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    Ausstellungseröffnung ‚Leningrad 1941–1945‘ am 23.1.2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin

    Die Ausstellung „Leningrad 1941–1945“ ist noch bis zum 12. Februar 2018 im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße 176-179 in Berlin zu sehen. Um einen annähernden Überblick über die Ausstellung zu erhalten, empfiehlt sich, mindestens zwei Stunden Zeit einzukalkulieren. Für Kinder unter 14 Jahren ist die Exposition aufgrund der zum Teil schonungslosen Originalfotos des Leides ungeeignet.

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    Tags:
    Gedenken, Blockade, Ausstellung, Geschichte, Der Zweite Weltkrieg, Leningrad, Berlin, Deutschland, Russland