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12:06 20 Juli 2019
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    Deniz Yücel kurz nach seiner Befreiung in Istanbul

    Türkische Gemeinde über Deniz Yücel: „Wir brauchen solche Journalisten in Freiheit“

    © REUTERS / Depo Photos
    Gesellschaft
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    Bolle Selke
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    „Es ist eine hervorragende Entwicklung, dass ein Journalist, der eigentlich hinter seinen Schreibtisch gehört, jetzt von den Gittern befreit wird“, sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Gökay Sofuoglu, im Sputnik-Interview. Ihn freue es, dass Yücel nun frei sei.

    „Er saß schon unnötig seit einem Jahr im Gefängnis. Er hat seit einem Jahr nicht recherchieren, nicht berichten können. Ich freue mich, dass Yücel jetzt freigelassen wird und bald wieder seiner Arbeit nachgehen kann. Wir brauchen solche Journalisten in Freiheit“, so der Verbandsfunktionär.

    Nun hoffe er, dass es zu einer Verbesserung im deutsch-türkischen Verhältnis kommt. Diese müsse aber auch ehrlich ausgehandelt werden. Jetzt werde viel darüber spekuliert, was der Preis dieser Freilassung ist. „Wir haben in der Vergangenheit auch mitbekommen, dass Deutschland mehr Waffen in die Türkei verkauft hat als bisher.“

    Außerdem müsse die Frage beantwortet werden, warum Denis Yücel ein Jahr ohne Anklageschrift im Gefängnis saß. Warum wurde er jetzt freigelassen? Und für welchen Preis? Diese Fragen müssten beantwortet werden.

    Ob man Außenmister Sigmar Gabriel (SPD) glauben kann, der bestreitet, dass die Freilassung des Journalisten mit Waffendeals erkauft wurde, kann Sofuoglo nicht beantworten: „Es wurde anfangs immer viel bestritten, was am Ende dann anders herauskam. Leider hat die Politik in den letzten Monaten an Glaubwürdigkeit verloren. Man glaubt nicht alles, was Politiker sagen.“

    Auch Safter Çinar vom Landesverband Berlin-Brandenburg der Türkische Gemeinde freut es, dass Yücel aus dem Gefängnis entlassen wurde:

    „Die Frage ist natürlich, wie es weitergeht. Bis jetzt liegt nicht einmal eine Anklageschrift vor. Nichtsdestotrotz ist es erstmal ein guter Schritt, dass er nicht mehr im Gefängnis sitzt. Und da gibt es noch eine Menge Leute.“

    Der Abgeordnete im Bundestag Dr. Alexander Neu (Linke) vermutet im Sputnik-Interview auch einen Zusammenhang zwischen Waffendeals und der Freilassung:

    „Die Türkei eskaliert auf der einen Seite. Wir schauen in Richtung Zypern, in Richtung Syrien, in Richtung USA. Auf der anderen Seite möchten sie auch mit Deutschland eine gewisse Entspannung herbeiführen, eben auch vor dem Hintergrund des Panzerdeals. Dieser Ansatz von Gabriel, den er vor zwei Monaten gefahren hat: Panzerdeal ja, wenn es bei den Gefangenen in der Türkei mit deutscher Staatsbürgerschaft einen Fortschritt gibt, ich glaube, dass dieser Deal nach wie vor auf dem Tisch liegt. Aus diesem Grund muss man auch die Kehrtwende der türkischen Außenpolitik mit Blick auf Yücel bewerten.“

    Außenminister Gabriel bekräftigte auf Nachfragen, dass es keine „Deals“ gegeben habe. Gabriel selbst hatte vor einigen Wochen zwischen dem Fall Yücel und Waffenexporten in die Türkei einen Zusammenhang gezogen.

    Der Welt-Korrespondent Deniz Yücel war seit mehr als einem Jahr in der Türkei festgehalten worden. Über die Freilassung berichtete als erstes die „Welt“ unter Berufung auf den Anwalt Yücels. Die Bundesregierung habe die Freilassung bereits bestätigt.

    Der 44-Jährige sei vor etwa einem Jahr in Istanbul festgenommen worden. Kurz darauf sei gegen ihn wegen Terrorvorwürfen U-Haft verhängt worden, so die „Welt“.

    Das komplette Interview mit Gökay Sofuoglu zum Nachhören:

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    Tags:
    Meinungsfreiheit, Rüstung, Panzer, Panzerdeal, Waffenexporte, Waffendeal, Befreiung, Journalist, Die Welt, SPD, Recep Tayyip Erdogan, Sigmar Gabriel, Deniz Yücel, Türkei, Deutschland