09:32 25 September 2018
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    Überwachungskameras, Deutschland (Symbolbild)

    Überwachungskameras erkennen Straftaten von selbst: Neues Projekt in Mannheim

    © AFP 2018 / Henning Kaiser / dpa
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    Valentin Raskatov
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    Mit dem Projekt „Mannheimer Weg 2.0“ geht die Videoüberwachung in Mannheim in Baden-Württemberg einen Schritt weiter: In Zukunft soll eine spezielle Software entscheiden, ob eine kriminelle Handlung vorliegt. Ein Mitarbeiter muss die Meldung nur noch prüfen – schon kann sich die Polizei auf den Weg machen.

    71 Kameras sollen in Mannheim ab März dieses Jahres 28 Orte überwachen, die als „Brennpunkte“ gekennzeichnet sind. Zu diesen Orten gehören etliche Einkaufspassagen in der Innenstadt sowie der Vorplatz des Hauptbahnhofs. Das Projekt nennt sich „Mannheimer Weg 2.0“ und ist eine Zusammenarbeit der Stadt Mannheim und der Mannheimer Polizei unter Beratung des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB). Und es bringt etwas ganz Neues in die Videoüberwachung öffentlicher Plätze: intelligente Software, die kriminelle Handlungen selbständig erkennen soll.

    Das Projekt hat einen Vorläufer: In Mannheim habe man auf ähnlichen Flächen 2001-2007 schon eine Videoüberwachung öffentlicher Plätze durchgeführt, berichtet Polizeipräsident Thomas Köber. Die Videoaufnahmen mussten ständig von Mitarbeitern beobachtet werden. Und da die Konzentration mit der Zeit abnimmt, war das kein optimales System. Dennoch konnte auch hier die Kriminalität je nach Brennpunkt um 50 bis 70 Prozent gesenkt beziehungsweise verdrängt werden.

    „Zustände, die auf einem Bild abnormal wirken“

    Mit der neuen Software dagegen werden die Bilderströme von einem Algorithmus geprüft. Erst bei verdächtigen Vorgängen erhält der Mitarbeiter im Lagezentrum der Polizei einen Hinweis. Es handelt sich nach Köber um Vorgänge wie Schlagen, Rennen, Stürzen und Liegen – „Zustände, die auf einem Bild abnormal wirken“, wie der Polizeipräsident es ausdrückt. Der Mitarbeiter muss den Alarm bestätigen. Dann erst entsendet die Polizei die eigens für die Videoüberwachung zur Verfügung gestellten Einsatztruppen.

    Allerdings wird es im März erst eine Phase geben, in der die Mitarbeiter wie gewohnt alles beobachten müssen. In dieser Phase lernt die Software nämlich, was eine kriminelle Handlung ist und was nicht. Sie kriegt dafür Video-Daten von tatsächlichen kriminellen Handlungen und leitet daraus allgemeine Merkmale solcher Handlungen ab. Erst nachdem sich die Software diese Merkmale angeeignet hat, wird sie nach und nach eigenständiger.

    „Schnelle Hilfeleistung“ oder KI-Überwachungsstaat?

    Neben dem Vorteil, dass die Polizei mit einer solchen Technologie schneller reagieren kann, können die so gesammelten Daten auch als Beweismittel dienen. Außerdem soll die Angst vor dem Überwachungsstaat dadurch ein bisschen abgemildert werden. Denn, so Köber, der Bürger würde dann nicht mehr ständig von der Polizei beobachtet werden. Stattdessen würde die Polizei nur näher hinschauen, wenn Dinge geschehen, die polizeiliches Handeln erfordern.

    Wichtig ist für Köber auch, dass es bei dem Projekt um „Flächen ohne Sozialkontrolle“ geht und die Kameras nicht in Wohnbereichen angebracht werden. „Es gibt durchaus Ecken in Mannheim, wo das angezeigt wäre, aber da will ich eigentlich die Sozialkontrolle haben durch die Menschen, die dort wohnen“, bemerkt er.

    Für Nils Hauck von der Stadt Mannheim, der das Projekt „Mannheimer Weg 2.0“ leitet, steht vor allem „schnelle Hilfeleistung“ im Vordergrund. Die Software soll genau dafür sorgen. „Wir wollen möglichst gewährleisten, dass die Videoüberwachung nicht einfach nur stattfindet und dann im Nachgang die einzelnen Bilder ausgewertet werden“, sagt er und fügt hinzu, dass die Ziele der Stadt lauten: „Möglichst großer Schutz und möglichst große Gewährleistung der Bürgerrechte gleichzeitig.“

    Das komplette Interview mit Thomas Köber zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Nils Hauck zum Nachhören:

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    Tags:
    Sicherheit, künstliche Intelligenz, Überwachungskamera, Verbrechen, Polizei, Mannheim, Deutschland