15:27 21 September 2018
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    US-Panzer M1A2 Abrams (Archivbild)

    „Aufrüstung gegen Russland“: Worüber deutsche Leitmedien nicht mehr lügen

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    Das politische Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist angespannt, keine Frage. Das militärische ist es umso mehr. Dennoch hielten westliche Medien lange Zeit an einer Grundeinstellung fest: Die Rüstungsmaschinerie der Nato sei nicht „gegen Russland“ gerichtet – so der Grundtenor der Leitmedien früher. Das hat sich nun grundlegend geändert.

    Die Nato-Kriegsmaschinerie ist in ihrem Maßstab mit keinem Staat der Welt vergleichbar. Laut dem Statistikportal statista.com gab die Militärallianz im Jahr 2016 unvorstellbare 921 Milliarden US-Dollar für ihre Streitkräfte aus. Russland kam im gleichen Jahr auf 70 Milliarden – das wären gerade mal sieben Prozent der Ausgaben des Westens.

    Umso bemerkenswerter ist es, dass zahlreiche Nato-Staaten sich von Moskau bedroht fühlen und die russische Außenpolitik als eine Begründung für die weitere Erhöhung ihrer Militärbudgets präsentieren.

    Dennoch galt lange Zeit bei westlichen und gerade auch bei den deutschen Medien eine Formel: Der Westen rüste wegen der gefährlichen internationalen Sicherheitslage, und um sich selbst abzusichern – sozusagen „wegen“, aber keineswegs „gegen“ Russland.

    Mit allen Mitteln sollte der Anschein vermieden werden, dass die US-geführte Allianz gezielt gegen den russischen Staat in Waffen investiert oder gar einen Militärfeldzug plant. Einige Ausreißer kamen immer mal wieder auf, blieben aber eher Ausnahmen.

    Dies hat sich nun radikal geändert. Und es lässt an der „friedfertigen“ Aufrüstung des Westens „nur zum Zwecke der Selbstverteidigung“ erheblich zweifeln.

    Deutschlands Marder im Rahmen der NATO-Aufrüstungsinitiative Enhanced Forward Presence, Litauen (Archiv)
    © AFP 2018 / Armin Weigel / dpa
    Wie grundlegend sich diese Grundeinstellung geändert hat, zeigt ein Blick in die deutschen Nachrichtenblätter.

    Wie eins übernehmen nun deutsche Leitmedien, darunter auch das ZDF, das Handelsblatt oder etwa die Deutsche Welle, die Formulierung der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Aufrüstung der Nato geschehe explizit „gegen Russland“.

    „Im Zuge der Aufrüstung der NATO gegen Russland wird die Bundeswehr ein neues Kommandozentrum (…) aufbauen“, heißt es in den großen deutschen Medienanstalten.

     

    Ein Blick in die deutschen Medien: Wie die "Aufrüstung gegen Russland" herbeigeredet wird:

    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Das ZDF
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Das ZDF
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    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Nachrichten aus Schleswig-Holstein
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Nachrichten aus Schleswig-Holstein
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    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Nachrichten aus Schleswig-Holstein
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Nachrichten aus Schleswig-Holstein
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    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Sächsische Zeitung
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Sächsische Zeitung
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    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Deutsche Welle
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Deutsche Welle
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    • Deutsche Medien über Aufrüstung gegen Russland: Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Handelsblatt
      Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Handelsblatt
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    Deutsche Medien über "Aufrüstung gegen Russland": Der Wechsel der Rhetorik ist vollzogen - hier: Das ZDF

     

    ​Auch weitere Artikel mit ähnlichen Formulierungen wurden veröffentlicht.

    ​„Aufrüstung gegen Russland: USA verteidigen Entwicklung neuer Atomwaffen“, so etwa ein anderer Artikel aus dem Handelsblatt.

    • Stellt sich also der Westen hier etwa auf einen realen militärischen Konflikt mir Russland ein?
    • Ist die Abkehr von früherer (zumindest versuchter) deeskalierender Rhetorik auch als eine Abkehr von ehemaligen Prinzipien zu werten?
    • Wenn nun „Aufrüstung gegen Russland“ möglich ist, ist dann auch ein Krieg gegen Russland möglich?

    Diese Fragen hat sich bei Weitem nicht nur Sputnik gestellt, sondern auch viele deutsche Leser.

    Zahlreiche Internetnutzer zeigten in sozialen Netzwerken ihren Unmut über diese neue Formulierung und kommentierten die kriegerische Rhetorik der Leitmedien.

     

    ​„Dauert nicht mehr lange …“, so einer der eher nachdenklich stimmenden Kommentare von einem der Nutzer.

    „So wird es nichts mit einem dauerhaften Frieden. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass die Nato eben KEIN Verteidigungsbündnis ist“, so seine Meinung.

    Es ist schwer zu sagen, inwiefern die Formulierungen der deutschen Leitmedien die realen politischen Planungen der verantwortlichen Politiker widerspiegeln.

    Liest man sich jedoch die deutschen Nachrichtenblätter durch, ist man sich keineswegs mehr sicher, dass für den Westen ein Krieg gegen Russland weiterhin unvorstellbar ist – zumindest die „Aufrüstung gegen Russland“ ist es schon.

    /NG/JÖ

     

     

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    Tags:
    Leitmedien, Soziale Medien, Rhetorik, Außenpolitik, Medienattacke, Aufrüstung, Selbstverteidigung, Eskalation, Krieg, Medien, Sächsische Zeitung, Deutsche Welle, ZDF, Handelsblatt, Bundeswehr, Sputnik, NATO, Westen, Deutschland, USA, Moskau, Russland