21:09 21 September 2018
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    Soziale Medien (Symbolbild)

    Machen Facebook, Twitter und andere „Soziale Medien“ die Schüler dümmer? Meta-Studie

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    Gesellschaft
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    Valentin Raskatov
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    Wer häufig Soziale Medien nutzt, schneidet deswegen in der Schule nicht schlechter ab. In manchen Fällen verbessert sich die Leistung der Schüler sogar. Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Studie von Würzburger und Bamberger Forschern. Die Wissenschaftler rufen zu weniger Alarmismus und mehr Verständnis für die Kinder auf.

    Verdummt die Jugend wegen Facebook, Snapchat und anderen Sozialen Medien? Und steuert sie unweigerlich auf den Abgrund zu? Solche Apokalypse-Szenarien geistern in Elternköpfen, Lehrerschädeln und in Schlagzeilen fast jeden Tag umher. Sie sind aber auch maßlos übertrieben, findet Prof. Markus Appel von der Universität Würzburg, Inhaber des dortigen Lehrstuhls für Medienkommunikation. Er hat sich zusammen mit Bamberger Kollegen Studien zu diesem Thema angeschaut und diese in einer Meta-Studie zusammengefasst. Er kommt zu dem Schluss: Soziale Medien haben keinen nennenswerten Einfluss auf die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen.

    Bei der Meta-Studie haben die Forscher 59 Studien herangezogen, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden. Grundlage der meisten Studien waren Fragebögen, die das Soziale-Medien-Verhalten von Schülern erfassen sollten, sowie die Noten der Schüler aus den Schulakten. „Das Interessante ist, dass es sehr unterschiedliche Befunde gegeben hat“, bemerkt Appel.

    Hausaufgaben austauschen hilft

    Zum Teil hängen die Noten vom Nutzungsverhalten der Schüler ab. Hier gebe es insgesamt einen „kleinen negativen“ Zusammenhang von schlechten Leistungen und gehäuftem Medienkonsum. Das gelte allerdings nicht, wenn die Schüler sich über Hausaufgaben austauschen und andere schulische Zwecke verfolgen. Denn in diesem Fall schneiden Schüler leicht besser ab, wenn sie Soziale Medien verwenden.

    Eine weitere Frage sei gewesen, ob Soziale Medien dazu führen, dass die Schüler weniger Zeit mit der Schule verbringen. Auch hier gibt es Entwarnung, denn es konnte „kein signifikanter Zusammenhang“ gezeigt werden. „Es scheint nicht so zu sein, dass die Zeit, die für Social Media verwendet wird, zulasten von Zeit für Hausaufgaben und anderem geht“, so der Medienforscher.

    „Alarmistische Behauptungen nicht belegbar“

    Er fasste das Ergebnis der Studie zusammen: „Unsere Studie unterstützt nicht solche alarmistischen Behauptungen, dass eine ganze Generation an Jugendlichen dem Untergang geweiht ist, wie man sie manchmal findet. Das ist empirisch – zurzeit zumindest – nicht belegt.“

    Deswegen sollten die Eltern genauer hinschauen, wofür ihr Kind Handy und Computer benutzt, statt gleich mit Ablehnung und Konfrontation aufzufahren.

    In einer Sache kommt die Studie allerdings im Einklang mit den allgemeinen Erwartungen zu einem negativen Schluss: Multitasking ist nicht gut für konzentriertes Arbeiten. Wer also dem Lehrer zuhört oder eine Matheaufgabe löst und nebenher chattet, neigt auch dazu, in der Schule schlechter abzuschneiden.

    Das komplette Interview mit Prof. Markus Appel zum Nachhören:

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    Tags:
    Soziale Medien, Leistungen, Daten, Studie, Bildung, Schule, Handy, Twitter, Facebook, Deutschland