14:22 23 September 2018
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    Bewerbung (Symbolbild)

    Was sieht der Personalleiter im Bewerber-Lebenslauf? Neue Ifo-Studie

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    Gesellschaft
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    Ilona Pfeffer
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    Gute Abschlussnoten sind für Personaler nach wie vor das wichtigste Kriterium bei der Auswahl von Bewerbern. Doch auch mit EDV-Kenntnissen, Fremdsprachenwissen und Ehrenamt kann ein Lebenslauf überzeugen. Eine neue Studie des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung gibt Aufschluss.

    Wie muss eine gute Bewerbung aussehen? Und welche Faktoren sind für Personalleiter besonders wichtig? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich eine aktuelle Studie, die das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in Auftrag gegeben hat. Die Forschergruppe um Marc Piopiunik hat zu diesem Zweck 579 deutschen Personalleitern Lebensläufe fiktiver Bewerber vorgelegt und sie zwischen jeweils zwei Bewerbern entscheiden lassen.

    Diskriminierung ausgeschlossen

    Den Verfassern der Studie ging es darum, herauszufinden, welche Fähigkeitssignale von den potentiellen Arbeitgebern als besonders relevant und glaubwürdig bewertet wurden. Um Diskriminierung nach Nationalität, Geschlecht und Äußerlichkeit von vorn herein auszuschließen, wählten die fiktiven Bewerber durchschnittsdeutsche Namen wie Alexander Becker oder Sabine Müller. Es waren auch keine Fotos beigelegt. Und im Entscheidungsexperiment traten immer nur Frauen gegen Frauen und Männer gegen Männer an.

    Leuchtturm
    © Foto : Henning Sias (Wremer Heimatkreis)

    Zwei Bewerbungsszenarien wurden bei der Studie durchgespielt. Eine Gruppe von fiktiven Bewerbern waren Realschulabsolventen von etwa 16 Jahren, die sich um eine Lehrstelle bewarben. Eine zweite Gruppe bildeten Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss im Fach BWL, die sich um einen Berufseinstieg bemühten. BWL-Absolventen bilden die mit Abstand größte Gruppe unter jungen Menschen mit Hochschulabschluss.

    „Wir haben auf diesen Lebensläufen eigentlich typische Merkmale angegeben, wie man sie so in der Realität auch sieht, etwa Schulabschlussnoten, Hochschulabschlussnoten, Informationen über Fremdsprachenkenntnisse, über IT-Kompetenzen, über Praktika“, erklärt Marc Piopiunik.

    Gute Noten sind ausschlaggebend

    Davon ausgehend haben die Forscher drei Gruppen von Fähigkeitssignalen identifiziert, die sich als relevant für beide Bewerbergruppen erwiesen haben:

    „Kognitive Fähigkeiten, die wir vor allem gemessen haben durch die Schulabschlussnote beziehungsweise die Hochschulabschlussnote. Soziale Fähigkeiten: Die werden in unseren Lebensläufen dadurch signalisiert, ob jemand ein soziales Ehrenamt durchgeführt hat, sich beispielsweise in der Nachbarschaft in Sprachkursen ehrenamtlich engagiert hat. Eine dritte Gruppe von Signalen, die relevant ist, haben wir als Reife interpretiert. Da zeigt sich beispielsweise, dass insbesondere männliche Realschulabsolventen bei der schriftlichen Bewerbung davon profitieren, dass sie älter sind als ihre Konkurrenten.“

    Der Effekt von Fähigkeitssignalen auf dem Lebenslauf auf die Einladung  zum Vorstellungsgespräch
    Der Effekt von Fähigkeitssignalen auf dem Lebenslauf auf die Einladung zum Vorstellungsgespräch

    Gute Abschlussnoten sind der Studie zufolge sowohl bei den angehenden Lehrlingen als auch bei den jungen Akademikern, Männern wie Frauen, durch die Personalleiter als besonders relevant bewertet worden. Die Art der Bildungseinrichtung, an der der Abschluss erworben wurde – ob Elite-Universität oder weniger angesehene Hochschule – spielte hingegen keine signifikante Rolle.

    „Unterschiede gab es beispielsweise bei EDV-Kenntnissen, die sind bei Lehrstellenbewerbern wichtiger als bei Hochschulabsolventen. Unsere Interpretation ist, dass EDV-Kenntnisse von den Personalleitern bei Hochschulabsolventen erwartet werden, und deswegen ist es selbstverständlich, dass Hochschulabsolventen diese mitbringen. Aber bei Lehrstellenbewerbern, die in unserem Fall nur eine Mittlere Reife gemacht haben, ist es eben nicht so selbstverständlich, dass man gute EDV-Kenntnisse mitbringt. Ein anderer Unterschied ist der zwischen Männern und Frauen. Da haben wir beispielsweise ganz grob festgestellt, dass EDV-Kenntnisse und Fremdsprachenkenntnisse für Frauen wichtiger sind.“

    Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Kenntnisse im Umgang mit Software bei Frauen weniger vorausgesetzt werden als bei den männlichen Mitbewerbern. Fremdsprachenkenntnisse wiederum seien für Frauen deswegen wichtiger, weil sie im Berufsleben eher solche Wege einschlagen, bei denen die Kommunikation im Vordergrund stehe, so Piopiunik.

    Persönliche Präferenzen der Personalleiter

    Im Entscheidungsexperiment haben die Forscher festgestellt, dass auch persönliche Eigenschaften der Personalleiter eine Rolle spielen. So legten beispielsweise Personalleiter aus großen und größeren Unternehmen bei den Hochschulabsolventen größeren Wert auf das Universitätszeugnis als auf andere Kompetenzen oder absolvierte Praktika. „Unsere Interpretation ist, dass es daran liegen könnte, dass die großen Unternehmen eher einen standardisierten Bewerbungsprozess durchführen als kleinere Unternehmen, die dann vielleicht eher doch auf andere Dinge mehr Wert legen“, so der Mitverfasser der Studie.

    Auch habe gezeigt werden können, dass „insbesondere ältere Personalleiter und solche, die selbst Geschäftsleiter des Unternehmens sind, weniger Gewicht auf die Realabschlussnote, aber dafür mehr auf Computerkenntnisse, soziale Fähigkeiten und ein längeres Praktikum legen. Woran das liegt, können wir nicht definitiv festmachen, aber eine mögliche Erklärung ist, dass ältere Personalleiter und auch Geschäftsführer im Laufe ihres Lebens schon sehr viele Bewerbungsprozesse mitgemacht haben und festgestellt haben, dass die anderen Kenntnisse aus ihrer Sicht wichtiger sind.“

    Hobbies nicht entscheidend

    Als am wenigsten ausschlaggebend unter den Signalfaktoren wurden von den Personalleitern die Hobbies ihrer Bewerber eingestuft. Jedoch kann man auch hier punkten, wenn man etwa einen Mannschaftssport wie Fußball betreibt. Verglichen mit einem Mitbewerber, der Schwimmen als Hobby angegeben hat, kann man hier unter Umständen einen leichten Vorteil haben, weil Mannschaftssport auf Teamfähigkeit hindeutet.

    Welche Merkmale sind Personalleitern wichtig?
    Welche Merkmale sind Personalleitern wichtig?

    Bei männlichen Lehrstellenbewerbern ist außerdem deutlich geworden, dass das Alter eine große Rolle spielt. Obwohl die fiktiven Bewerber allesamt aus einem Schuljahrgang waren, hatten diejenigen, die ein paar Monate älter waren, klare Vorteile gegenüber den Jüngeren.

    „Das interpretieren wir als ein Signal von Reife, was insbesondere bei sehr jungen Bewerbern, die ungefähr 16 Jahre alt sind und sich auf eine Lehrstelle bewerben, besonders wichtig sein kann.“

    Ausbildung und Uni-Abschluss wichtiger als früher

    Obwohl ihm keine vergleichbaren Studien aus den vergangenen Jahrzehnten bekannt sind, glaubt Marc Piopiunik, dass heute Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt eine größere Rolle spielen als früher. Generell gelte: Je höher der Bildungsabschluss, desto besser die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Aussichten auf eine gute Bezahlung. Wer ein abgeschlossenes Studium vorweisen könne, sei demzufolge besser aufgestellt als jemand mit Lehrberuf. Wer allerdings gar keinen Abschluss vorzuweisen habe, der sei heutzutage stark von Arbeitslosigkeit bedroht.

    „Anfang der 70er Jahre, als wir Vollbeschäftigung hatten, gab es auch unter denen, die keine Berufsausbildung hatten, so gut wie keine Arbeitslosen. Aber heute ist die Arbeitslosigkeit höher, und es sind insbesondere die Personen betroffen, die überhaupt keine berufliche Ausbildung gemacht haben. Ich denke, das ist das wichtigste, was man jungen Leuten heute mitgeben sollte.“

    Das komplette Interview mit Marc Piopiunik zum Nachhören:

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    Tags:
    BWL, Personalleiter, Personaler, Lohn, Bewerbung, Studie, Arbeit, Abschluss, Ausbildung, Arbeitslosigkeit, ifo-Institut