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16:20 22 September 2019
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    Ausschreitungen beim Europa League-Spiel zwischen Spartak Moskau und Athletico Bilbao

    Nach heftigen Fußball-Ausschreitungen: Wie Medien Lage in Bilbao anheizten

    © AFP 2019 / ANDER GILLENEA
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    Die blutigen Zusammenstöße in der spanischen Stadt Bilbao im Vorfeld des Fußballspiels zwischen Spartak Moskau und Athletic Bilbao wurden breit in lokalen wie internationalen Medien beleuchtet. Laut zahlreichen Augenzeugen haben spanische Medien dabei eine Stimmung der Bedrohung aufgebaut, die Mitschuld an den Ausschreitungen gehabt hatte.

    So schrieb die Sportzeitung „Marca“ vor allem darüber, dass es unter russischen Fans „radikale Gruppen“ gebe, die schon in „harte Zusammenstöße in anderen europäischen Städten verwickelt“ gewesen wären.

    Die „El Correa“ nannte die anreisenden Spartak-Fans „Ultras“ und „Radikale“, merkte aber doch an, dass nicht alle Fans aus Russland zu diesen Gruppen zählen würden.

    „La Vanguardia“ ging sogar noch weiter und stellte die Fans fast schon mit paramilitärischen Einheiten gleich.

    Russische Fans seien „sehr hart, intolerant zu anderen Nationalitäten, ultrarechte Kenner von Kampfsportarten“. Glaubt man dem Blatt, so seien Spartak-Fans „trainiert fast wie die Mitglieder militärischer Gruppierungen“.

    Wie zahlreiche Augenzeugen und Beobachter Sputnik gegenüber erklärten, hat die Welle der Medienberichte über angeblich anreisende prügelnde russische Hooligans schon Wochen vor dem Spiel eine extrem bedrohliche Stimmung aufgebaut und könnte eine Schlüsselrolle bei der Anheizung der Atmosphäre vor der Begegnung gespielt haben.

    So sagte etwa der in Spanien lebende Sportjournalist Alexander Wischnewskij, dass die Meldungen lokaler Medien darüber, dass „angeblich bald radikale, ultrarechte Faschisten kommen, um die Einheimischen zusammenzuschlagen und um zu randalieren“, große Panik unter den Einheimischen gesät hätten.

    „Nicht selten kam es vor, dass man in einer größeren Gruppe ging und sah, wie Leute einen absolut inadäquat anschauten und auszuweichen versuchten, wenn sie einfach nur die russische Sprache gehört haben“, sagte der Journalist.

    Diese verdächtigen Blicke hätten in dem Moment nie einen angemessenen Grund gehabt. Es sei klar, dass hier also die Propaganda in den Medien „ihre Wirkung gezeigt“ habe.

    Am Tag des Spiels selbst hätten zuallererst die radikalen und ultralinken Baskengruppen Fans aus Russland angegriffen, die daraufhin geantwortet hätten.

    „Aber der Großteil der Basken und der russischen Fans hat keine Probleme gesucht. Im Gegenteil, sie wollten die Zeit gut verbringen. Ich denke, es waren die Radikalen, die die Zusammenstöße wollten“, so der Journalist.

    Reflektierte Meinungen habe es aber auch gegeben.

    Pablo González, Journalist und Fan von Bilbao, verwies darauf, dass einige Medien „sich der Verantwortung entziehen“, indem sie ausschließlich russische Fans für alle Miseren beschuldigen würden.

    Die spanischen Medien würden seiner Meinung nach nur zu gerne die Zwischenfälle zwischen verschiedenen Gruppen von Hooligans missbrauchen, um auch Stimmung gegen die WM-2018 in Russland zu machen.

    Er habe aber seinerseits keine Probleme mit russischen Fans gehabt, im Gegenteil — er sei „wunderbar aufgenommen“ worden.

    Der russische Spartak-Fan Andrej Koleda war ebenfalls bei dem Spiel dabei und konnte die Zusammenstöße beobachten. Laut Koleda kann man unmöglich davon sprechen, dass aus Russland nur „Neonazis“ angereist sind.

    Die Zusammenstöße habe es gegeben, die Schuld dafür aber nur bei Russen zu sehen, sei extrem oberflächlich.

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      Ausschreitungen beim Europa League-Spiel zwischen Spartak Moskau und Athletico Bilbao
      © AFP 2019 / ANDER GILLENEA
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    Ausschreitungen beim Europa League-Spiel zwischen Spartak Moskau und Athletico Bilbao

    Er habe mit eigenen Augen gesehen, dass die ersten Glasflaschen und Böller von ultralinken baskischen Gruppen auf Russen geworfen worden seien.

    „Das, wogegen wir alle kämpfen sollten, sind die Radikalen, und wir sollten aufhören, voreingenommen zu sagen, dass es Russen, Spanier oder Italiener seien: Es sind Radikale, und gegen sie müssen wir kämpfen, um sie außerhalb des Fußballs zu lassen“, sagte Koleda.

    Große Kritik äußerte er auch hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen.

    „Die Verantwortlichen müssen besser reagieren, um solche Zusammenstöße zu verhindern.“

    Ähnliches sagte auch González. Lange Zeit nach dem Ende des Spiels habe die Polizei keine Sicherheit garantieren können.

    Dies sei in Russland etwa anders.

    „Selbst bei Hochrisiko-Spielen, wie etwa zwischen Spartak und ZSKA Moskau, minimisiert die Polizei die Gefahr von Konfrontationen vor und während der Spiele.“

    Der Chef-Redakteur des russischen Sportblattes „Sowetskij Sport“, Nikolaj Jaremenko, fordert unterdessen, die Fans und Hooligans klarer zu unterscheiden und sie nicht alle über einen Kamm zu scheren.

    Gleichzeitig vermutet er einen größeren Zusammenhang hinter dem Skandal um die Zusammenstöße.

    „Die allgemeine Kernidee westlicher Medien ist folgende: Die Russen haben bereits die EM-2016 ruiniert, ohne sie ist es auch auf der Olympiade besser. Also kann es hier zwei Entscheidungen geben: Ein Verbot für russische Fans, bei Auswärtsspielen ihrer Mannschaften dabei zu sein, oder die Suspendierung ihrer Mannschaften aus europäischen Turnieren.“

    Genau diese Kernidee ziehe sich als roter Faden durch die Meldungen der westlichen Medien, wenn es um den russischen Sport gehe, so der Chef-Redakteur.

    /NG/mt

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    Tags:
    Tote und Verletzte, Augenzeugen, Ausschluss, Olympische Spiele, Ausschreitungen, Polizeieinsatz, Fans, Hooligans, Fußball, Gewalt, Medien, Fußball-WM 2018, ZSKA Moskau, La Vanguardia, El Correa, Sportzeitung „Marca, Spartak, Bilbao, Spanien, Frankreich, Moskau, Russland