07:24 14 November 2018
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    Ukrainische Nationalisten (Archiv)

    Sehnsucht nach Hitler: Wie sich europäische Neonazis in Kiew einnisten

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    Gesellschaft
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    Filipp Prokudin
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    Ukrainische Neonazis, die im Donezbecken kämpfen, werben Gleichgesinnte aus der ganzen Welt an. Einige Rechtsextreme aus dem Ausland gingen tatsächlich an die Front, doch die Mehrheit verschanzte sich im sicheren Kiew und führt von dort aus einen Informationskampf. Wie die Ukraine zum Magnet für Neonazis wurde, lesen Sie in diesem Sputnik-Artikel.

    „Einfach Interesse an Geschichte“

    Neonazi-Gruppen, die sich an dem Konflikt im Südosten der Ukraine beteiligen, versuchen aktiv, britische Rechtsextreme anzuwerben. Das berichtete die antifaschistische Organisation Hope Not Hate Anfang März.

    Mit englischen Rechtsradikalen, darunter die verbotene Gruppierung National Action und die sich in London aufhaltenden Gruppen polnischer Ultranationalisten, arbeitet die Organisation Misanthropic Division*.

    Nach Angaben von Experten reisten in den vergangenen Monaten mit Unterstützung von Personen, die mit dem Regiment Asow des ukrainischen Innenministeriums verbunden sind, mindestens zwei Briten an die Front im Donbass. Darauf beschränkt sich der Nachschub, der von britischen Rechtsextremen an die Front entsendet wurde.

    Im November 2017 berichteten deutsche Medien, dass Asow aus Europa Nachschub bekomme, darunter aus Deutschland. Deutsche Rechtsextreme würden mit Flugblättern, auf denen es um die Befreiung Europas geht, für das Freiwilligen-Bataillon angeworben. Journalisten führten auch folgende Vorgang an: Auf einem Rockkonzert im thüringischen Themar seien Flyer mit dem Aufruf verteilt worden, sich den Reihen der „Besten“ anzuschließen.

    Dass sich dem Asow-Regiment Neonazis und Menschen mit ähnlichen Ansichten anschließen, wurde im August 2017 vom Kommando der Nationalgarde zugegeben. Damals erklärte Generalmajor Jaroslaw Spodar von der Nationalgarde die Präsenz der auffälligen Gestalten in der Einheit des Innenministeriums auf einfache Weise – die Kämpfer würden sich für Geschichte interessieren. „Dort gibt es gar keine Massen-Verehrung von Idolen und anderem. Eine andere Sache ist, dass die Asow-Kämpfer sich für Geschichte interessieren und das ist normal. Vielleicht haben sie andere Ansichten zu den nationalsozialistischen Bewegungen in Deutschland, doch das ist auch normal“, so Spodar.

    Später sagte er, dass Nationalismus und Patriotismus zwei Dinge seien, die schwer voneinander zu trennen wären. „Denn wenn du Patriot bist, dann liebst du deine Nation, wenn du Nationalist bist, liebst du auch deine Nation“, sagte Spodar.

    Der General der Nationalgarde sagte nicht die Wahrheit. Einige Asow-Kämpfer werfen sich vor Götzen nieder. So schufen die Kämpfer der Einheit im Juli 2017 bei Donezk ein Heiligtum des heidnischen Gottes Perun. Die Feierlichkeiten waren dem Sieg des altrussischen Fürsten Swjatoslaw über die Chasaren im 10. Jahrhundert gewidmet. Das Chasaren-Khaganat war ein mittelalterlicher Staat, dessen Elite zum Teil das Judentum annahm. Deshalb ist hier ein antisemitischer Hintergrund eindeutig zu erkennen.

    Aktivisten der deutschen rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ besuchten im vergangenen Jahr Kiew. Dort wurden sie von Gleichgesinnten der Partei „Nationaler Korps“ empfangen, die auf der Grundlage von Asow gegründet wurde. Die Deutschen gedachten der gefallenen Wehrmachtssoldaten und nahmen am Marsch der Asow-Einheit teil.

    Freiwillige aus Brasilien

    Medien berichteten im Dezember 2016, dass Asow-Anwerber in Brasilien festgenommen worden seien Sie hätten einheimische Neonazis angeworben, in den Krieg im Donezbecken zu ziehen. Die Polizei teilte nicht mit, wie viele bei den gleichzeitig in acht Städten erfolgten Festnahmen in Gewahrsam genommen wurden.

    Seit seiner Gründung umgarnte Asow Neonazis aus dem Ausland. Die Einheit wurde von Extremisten der rechten „Bruderschaft“* von Dmitri Kortschinski, von Aktivisten der „Sozial-nationalen Versammlung“ und von den Kiewer Ultras gebildet.

    Der Kommandeur des Regiments, Andrej Bilezki, redete 2014 über seine politischen Ansichten: „Die historische Mission unserer Nation zu diesem kritischen Zeitpunkt besteht darin, die weißen Rassen der Welt in dem letzten Kreuzzug für das Überleben zu begleiten“. „Der Kreuzzug gegen die von Semiten geführten Untermenschen“, sagte Bilezki.

    Asow traten gleich rund 20 Ausländer, wie der Schwede Michael Skillt, bei. Er diente früher in der Armee Schwedens, bei Asow befasst er sich mit den Kampfvorbereitungen.

    Der Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, gab zu, dass es bei Asow Ausländer gibt, jedoch nur Reporter. „Staatsbürger Schwedens, Italiens und anderer Staaten begleiten das Bataillon Asow als ausländische Korrespondenten. Sie schreiben auf LiveJournal, auf Facebook. Das sind journalistische Tätigkeiten“, sagte Geraschtschenko.

    Italienische Journalisten der Zeitung „Il Giornale“ zählten 2014 mehr als zehn ausländische Kämpfer bei Asow – aus Finnland, Frankreich, Norwegen, Großbritannien, Italien.

    „Blogs aus dem Graben“

    Der russische Neonazi Maxim, der aus Orjol in die Ukraine gezogen war, nannte nicht die genaue Zahl der Rechtsextremen, die auf der Seite Kiews im Donezbecken kämpfen. „Irgendwelche Rechte aus Europa dienen in verschiedenen Einheiten, fast in allen“.

    Die Attraktivität der Ukraine für Rechtsextreme wird dadurch erklärt, dass sie dort vor dem Hintergrund Russlands wegen der eigenen Meinung nicht im Gefängnis landen würden. Auf die Frage, wie seine Ansichten mit der ukrainischen Politik gegenüber Russen abgestimmt würden, sagt er, dass Kiew sacht agiere und niemanden zu etwas zwinge. „Es gibt de facto keine Ukrainisierung des Staates“, sagte er.

    Einer Quelle zufolge ist die Zeit der wahren Kreuzzügler vorbei. „Die meisten Ausländer befinden sich weit weg von der Front, schreiben ‘Blogs aus den Gräben‘ (in Wahrheit aus Kiew) und nehmen an verschiedenen Propaganda-Aktionen der Ukraine teil“, sagte er.

    Der Bretone Erwin Castel, der in der internationalen Brigade „Pjatnaschka“ der Volksrepublik Donezk kämpft, erinnerte daran, dass sich Rechtsextreme auf beiden Seiten der Front im Südosten der Ukraine befinden. Rechtsextreme zeigten explosive Aktivitäten in der Ukraine-Krise. Einerseits – ukrainische Reaktionäre, die sich nach einem Neuen Europa und Fackelmärschen Hitlers sehnen, auf der anderen Seite Konservative, Anhänger der zivilisierten Werte, die Russland verteidigt.

    Der Chefredakteur der Zeitung „Timer“, Juri Tkatschow, schrieb mehrmals über die Verbindungen zwischen den ukrainischen Rechtsextremen und den Sicherheitsdiensten Kiews. „Nazis aus der ganzen Welt kommen in die Ukraine, weil ihnen hier de facto ein legaler Status gewährt wird, was es sonst nirgendwo mehr gibt. Sie erfüllen hier heikle Aufträge der Sicherheitsdienste, bei ihren Taten drücken das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden der Ukraine ein Auge zu. Die Nutzung der Rechtsextremen als Angriffskraft beziehungsweise Einschüchterungselement – ist kein ukrainisches Know-How, die Idee lag auf der Hand Doch womit das enden wird, kann man kaum vorhersagen“, sagte Tkatschow.

    * In Russland verbotene Extremistenorganisation

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    Tags:
    Magnete, Sicherheitsdienst, Nationalismus, Konflikt, Rechtsextremismus, Bataillon Asow, Adolf Hitler, Donbass, Europa, Deutschland, Ukraine