16:51 18 Juli 2018
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    „Schmunzelhase“ statt „Osterhase“ – rechter Shitstorm oder Sorge um Tradition?

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    Kurz vor dem Osterfest sind im Netz Diskussionen über christliche Werte und über eine Rücksichtnahme auf andere Kulturen ausgebrochen. Als Anstoß dafür hat die Bezeichnung von Schokohasen in Kaufhäusern gedient. Der Streit um den Namen der Süßigkeit ist außerdem nicht ohne Spott und Falschmeldungen geblieben.

    Die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach verbreitete auf Twitter das Foto eines Kassenbons aus einem Supermarkt der Kette Rewe in Karstadt. Auf dem Kassenzettel wurde der Hase aus Schokolade als „Traditionshase“ bezeichnet, was die Empörung der Politikerin und vieler Internetuser erntete.

    „Wer mir keine Osterhasen mehr verkaufen will, der kann auch sonst auf mich verzichten“, schrieb Steinbach.

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    ​Der Rewe-Konzern teilte auf Twitter mit, dass in seinen Supermärkten die Hohlkörper der Firma Lindt bereits seit 1992 im Regal und auf den Kassenbelegen als „Traditionshasen“ bezeichnet werden. Die „begriffliche Reduktion“ auf „Traditionshase“ sei durchaus treffend.

    Für Besorgnis sorgte im Internet auch die Firma Milka, die zur Osterzeit „Schmunzelhasen“ anbietet. Einige Nutzer sahen in dieser Bezeichnung eine drohende „Kulturzerstörung“. Der Schokoladenhersteller erklärte aber auf Facebook, die Süßigkeit heißt bei Milka bereits seit Ostern 1973„Schmunzelhase“.

    Die Aufmerksamkeit für die Schokohasen wurde im Netz kritisiert und belächelt. Es sei „pseudokonservatives Gehabe“, so zu tun, „als ob im Zentrum des christlichen Osterfestes ein Häschen steht und nicht die Erinnerung an das Kreuzesgeschehen“, twitterte der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig. Eine Nutzerin witzelte über den Osterhasen als „relevanteste Figur im Neuen Testament nach Jesus“.

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    Die offensichtliche Falschmeldung eines Users heizte zusätzlich die Diskussion an. Der Twitterer unter dem Namen finzent pur behauptete, Mitarbeiter der Marketingabteilung eines Kaufhauses zu sein und die Bezeichnung „Traditionshase“ vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhalten zu haben. Das BAMF dementierte jedoch auf Twitter diese Information.

    ​Das ist nicht das erste Mal, dass besorgte Menschen vor christlichen Feiertagen Anzeichen für ein Aussterben alter Traditionen und eine schleichende Islamisierung entdecken. Früher hatten zum Beispiel Schoko-Figuren mit Hauben unter dem Namen Zipfelmännchen beim Diskonthändler Penny und „orientalisch aussehende Adventskalender“ von Lindt zu Weihnachten Shitstorms ausgelöst, schreibt das Portal „Der Standard“.

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    ​Christliche Symbole werden für einen vermeintlichen „Kulturkampf“ instrumentalisiert, erklärte Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) gegenüber dem Portal.

    „Die Popularität solch christlicher Bezugnahmen hat innerhalb der extremen Rechten in jenem Maße zugenommen, in dem der Islam beziehungsweise Muslime zum zentralen Feindbild erklärt wurden“, so der Experte.

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    Migrationskrise, Migranten, Islamisierung, Islamfeindlichkeit, Islam, Religionsfreiheit, Religion, Christentum, Christen, Muslime, Ostern, Osterfest, Rewe Gruppe, Twitter, Europäische Union, Europa, EU-Länder, EU, Österreich, Deutschland
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