04:49 25 April 2018
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    Polizeiabsperrung am Ort des LKW-Anschlags in Münster

    „Es wird wieder passieren“: Anschläge mit Fahrzeugen sind im Trend

    © REUTERS / Leon Kuegeler
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    Bolle Selke
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    Der Sicherheitsexperte Fidelis Cloer fordert im Sputnik-Interview nach dem Anschlag in Münster mehr Sicherheit im öffentlichen Raum. Auch die Bürger selbst sind hier gefragt. Die Anschlagsgefahr hat im Vergleich zum letzten Jahr zugenommen. Auch die Zahl der sogenannten Gefährder ist gestiegen.

    Nach dem Anschlag in Münster forderte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die Kommunen auf, selbst vor Ort zu prüfen, wie ihre Innenstädte gesichert werden könnten. Fidelis Cloer, Geschäftsführer der Armored Specialty Cars International (ASC) in Dubai, wundert es, dass es immer noch derartige Aufrufe geben muss:

    „Wie viele Anschläge müssen noch passieren, bevor die Einzelnen reagieren. Es kann nicht sein, dass man sich darauf verlässt, dass Bund und Länder Regelungen an die Städte und Kommunen herausgeben und sagen, ihr müsst euch jetzt entsprechend den Vorschlägen, die wir da haben, anpassen. Da ist dann eigentlich jeder Einzelne gefragt. Da ist auch ein Gastronom gefragt, dem ein Etablissement mit einer Gartenterrasse gehört. Der sollte sich doch auch überlegen: Ist es möglich, dass hier jemand mit einem Auto in meine Gäste reinfahren kann, so wie wir das jetzt in Münster beim Großen Kiepenkerl gesehen haben.“

    Man müsse die Möglichkeiten für potentielle Angreifer verringern. In Israel seien in letzter Zeit sogar Bushaltestellen und Parkplätze angegriffen worden. Der Anschlag in Münster wurde mit einem Campingbus verübt. So ein Fahrzeug ließe sich eigentlich recht einfach stoppen, erklärt Cloer. Der Sicherheitsexperte sieht einen Trend darin, Anschläge mit Fahrzeuge zu verüben:

    „Es ist in aller Munde, dass immer wieder Fahrzeuge benutzt werden. Ich denke, es wird auch wieder  passieren.“

    Die Unfallversorgung habe auch in Münster sehr gut funktioniert. Trotzdem warnt Cloer:

    „Wenn ein Fahrzeug in eine Menschenmenge rast, verursacht es erhebliche Verletzungen, die auch zu massiven Blutungen führen können, die innerhalb von Minuten dazu führen können, dass ein Opfer stirbt. Auch der Bürger muss also besser vorbereitet sein. Im freiwilligen Rahmen sollten die Menschen sich doch damit auseinandersetzen: Wie kann ich nach einem Anschlag selber sofort helfen? Wie kann ich eine massive Blutung stoppen? Wir reden auch von schweren Knochenbrüchen, Wirbelsäulenverletzungen. Was ist da zu tun? Man sollte sich nicht mehr darauf verlassen, was im Erste-Hilfe-Kurs der Führerscheinprüfung verlangt wurde.“

    Die Zahl der bekannten Gefährder habe im Vergleich zum letzten Jahr zugenommen. War letztes Jahr noch die Rede von 600 Gefährdern, spricht Cloer nun von deutlich über 1000. Die Anschlagsgefahr schätzt der Experte also höher als im letzten Jahr ein. Auch das gute Wetter könnte daran seinen Anteil haben:

    „Anschläge im letzten Jahr waren: in Barcelona im Sommer, in London im Frühjahr und im Sommer, und davor in dem Jahr der Nizza-Anschlag war auch im Sommer. Denn da sind die Leute draußen. Und jetzt, wo es die Menschen wieder ins Freie treibt, besteht auch die größte Gefährdung.“

    Am Samstagnachmittag hatte ein Mann einen silberfarbenen Campingbus in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte im Stadtzentrum von Münster gesteuert und sich danach im Wagen erschossen.

    Insgesamt wird über drei Tote und 20 Verletzte berichtet. Ums Leben gekommen seien bei dieser Tat neben dem Attentäter eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und ein 65-jähriger Mann aus dem Kreis Borken.

    Das komplette Interview mit Fidelis Cloer zum Nachhören:

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    Tags:
    Anschlagsgefahr, Gefährder, Amokfahrt, Sicherheit, Amoklauf, Anschlag, Terror, CSU, CDU, Herbert Reul, Horst Seehofer, Deutschland, Münster