04:26 26 September 2018
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    Schlacht bei Kursk während des Zweiten Krieges (Archiv)

    Für Puppe gespart, Panzer gegen Hitler gekauft: Geschichte eines Sowjet-Mädchens

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    Zum Kampf der Roten Armee gegen die Hitler-Truppen im Zweiten Weltkrieg hat auch eine Sechsjährige beigetragen, und zwar auf eine ganz ungewöhnliche Weise. Einen neuen Anlass, sich an diese Geschichte zu erinnern, liefert der sich nähernde Jahrestag der Panzerschlacht um Kursk.

    Präsident Wladimir Putin hat ein Dekret zur Feier des 75. Jahrestags des Sieges in der Schlacht bei Kursk unterzeichnet und angeordnet, entsprechende Veranstaltungen vorzubereiten.

    Die Militäreinsätze, die zusammenfassend zu jener Schlacht des Zweiten Weltkriegs gerechnet werden, hatten im Zeitraum vom 5. Juli bis zum 23. August 1943 stattgefunden. Unter den sowjetischen Panzern, die damals zum Einsatz kamen, gab es auch einen mit einer ganz besonderen Vorgeschichte.

    Zu Beginn des Kriegs war Ada (Kurzform von Adele) Sanegina nach Angaben der russischen Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ fünf Jahre alt gewesen. Sie lebte im Gebiet Smolensk. Ihr Vater ging am ersten Kriegstag an die Front. Ihre Mutter begleitete als Ärztin rund 100 Kinder aus einem Kinderheim, die in den Ural evakuiert wurden. Auch Ada fuhr mit – sie und ihre Mutter kamen schließlich in die sibirische Region Omsk.

    Etwas später ging bei der dortigen Regionalzeitung „Omskaja Prawda“ ein Brief ein: „Ich bin Ada Sanegina. Ich bin sechs Jahre alt. Ich schreibe mit Druckbuchstaben. Hitler hat mich aus der Stadt Sytschowka im Gebiet Smolensk gejagt. Ich will nach Hause. Ich habe 122 Rubel und 25 Kopeken für eine Puppe zusammengespart. Nun spende ich sie für einen Panzer. Lieber Onkel Redakteur! Schreiben Sie an alle Kinder, damit sie ihr Geld auch für den Panzer spenden. Wir werden ihn Maljutka (dt. „Kleinchen“) nennen. Wenn unser Panzer Hitler zerschlägt, werden wir nach Hause fahren.“

    Das Blatt veröffentlichte den Brief – und viele weitere Kinder, die ihn lasen, schrieben sofort an Ada und an die Redaktion. Tanja Tschistjakowa: „Liebes unbekanntes Mädchen Ada! Ich bin erst fünf, habe aber schon ein Jahr lang ohne Mama gelebt. Ich will sehr nach Hause und spende darum mit Freude Geld für den Bau unseres Panzers.“ Tamara Loskutowa: „Meine Mama wollte mir einen neuen Mantel kaufen und hat 150 Rubel zusammengespart. Ich werde meinen alten Mantel weiter tragen.“ Adik Solodow, sechs Jahre alt: „Ich will zurück nach Kiew. Ich spende das für Stiefel zusammengesparte Geld – 135 Rubel und 56 Kopeken für den Bau des Panzers Maljutka.“

    Die Zeit verging. Der Krieg nahm eine Wende, Ada kehrte mit der Mutter heim. Sie wuchs auf und vergaß allmählich ihren Brief an die sibirische Zeitung und den Panzer, der ihr einst vorgeschwebt hatte. Erst Jahrzehnte später erfuhr sie, wie jene Geschichte endete.

    An einem Kriegstag veröffentlichte die „Omskaja Prawda“ ein spektakuläres Telegramm: „Ich bitte, den Vorschulkindern der Stadt Omsk, die insgesamt 160.886 Rubel für den Bau des Panzers Maljutka gespendet haben, meinen herzlichen Gruß und den Dank der Roten Armee auszurichten. Oberbefehlshaber, Marschall der Sowjetunion, J. Stalin.“

    Quer über die Luke des Panzers stand geschrieben: Maljutka. Im Regiment sorgte dies immer wieder für Scherze, denn das Kampffahrzeug wurde von der Rotarmistin Jekaterina Petljuk gefahren, die nur 1,51 Meter groß war. Der T-60 kam unter anderem bei der Panzerschlacht um Kursk zum Einsatz. Letztendlich wurde er eingeschmolzen; die Fahrerin lebte nach dem Krieg in Odessa.

    Als der 30. Jahrestag des Sieges gefeiert wurde, stießen Schüler in Omsk auf jene Geschichte mit Briefen. Sie recherchierten und fanden Ada, die (inzwischen bereits selbst Mutter und Ärztin) bei Moskau lebte. Sie wurde nach Omsk eingeladen – und lernte dort endlich Jekaterina kennen, die einstige Fahrerin des Panzers, der dank der sowjetischen Kinder zustande gekommen war und seinen Beitrag zum Sieg gegen die Nazis geleistet hatte.

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    Tags:
    Panzer, Sieg, Jahrestag, Schlacht, Zweiter Weltkrieg, Wladimir Putin, Kursk, UdSSR, Russland, Deutschland