06:54 24 April 2018
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    Postbote der Deutschen Post (Symbolbild)

    Warum der Postmann jetzt dreimal bei Omi klingelt – Post betreut bald Senioren

    © AFP 2018 / Sebastian Kahnert / DPA
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    Valentin Raskatov
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    Postboten in Bremen werden sich bald nach dem Befinden von Senioren erkundigen. Das Pilotprojekt „Post Persönlich“ ist als Service gedacht, der den Hausnotdienst ergänzt und mit nützlichen Informationen rund um den Gesundheitszustand seiner Kunden versorgt. Außerdem soll der zusätzliche Kontakt gegen Vereinsamung helfen.

    Senioren in Bremen bekommen ab Mai einen Besucher mehr: den Postboten. „Post Persönlich“ nennt sich das Pilotprojekt, bei dem Zusteller die Post direkt überreichen und sich dabei auch nach dem Befinden älterer Empfänger erkundigen. Außerdem sollen die Postboten den Menschen Bargeld vorbeibringen und sie über bestehende Hilfsdienste der Wohlfahrtsverbände informieren.

    „Sinnvolle Ergänzung zum Hausnotdienst“

    Das Pilotprojekt ist Teil des Bremer Landes-Projekts für Senioren „Herbsthelfer“ und verfolgt in erster Linie das Ziel, „ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger länger in ihrer gewohnten Umgebung leben“ zu lassen, bemerkt der Sprecher der Deutschen Post, Alexander Edenhofer. „Sinn und Zweck des Projektes ist es, eine sinnvolle Ergänzung zum Hausnotdienst anzubieten.“

    Die Post bietet bisher zwei Modelle an: Für neun Euro im Monat gibt es den persönlichen Kontakt dreimal die Woche: montags, mittwochs und freitags. Für 15 Euro im Monat sucht der Postbote den Betreffenden an sechs Tagen auf. Neue Mitarbeiter will die Post für diesen Service nicht einstellen.

    Johanniter: „Post hat passendes Netzwerk“

    Den Gesundheitszustand des angetroffenen Kunden teilt der Postbote nach dem persönlichen Besuch dem Hausnotdienst der Johanniter mit. „Die persönliche Kontaktaufnahme des Postboten ist vergleichbar mit einem aufmerksamen Nachbarn, der hinschaut und bemerkt, wenn mit diesem etwas nicht stimmt“, erklärt Jan Klaassen, Pressesprecher des Regionalverbandes der Johanniter Bremen-Verden, das Konzept. Mithilfe der Post könnten die Johanniter noch enger mit ihren Kunden in Kontakt treten und dabei das Netz der Postzusteller nutzen. „Wir können unsere Erfahrung im Seniorenbereich einbringen, und die Post hat das Netzwerk direkt auf der Straße“, formuliert es Klaassen.

    Der Postbote soll natürlich nicht den Notdienst ersetzen oder gar Arzt spielen. Es handelt sich lediglich um „eine zusätzliche Leistung im Bereich der sozialen Verantwortung“. Und da es obendrein für die alten Menschen „ein weiterer sozialer Kontakt“ sei, beuge der Postbote gegen die vor allem in Städten um sich greifende Vereinsamung vor. Das Fazit der Johanniter: „Dieser Service ist auf jeden Fall hilfreich.“

    Vorläuferprojekt erregte kein Interesse

    Das Bremer Projekt ist nicht das erste seiner Art. Bereits im Jahr 2014 wurde ein solcher Service im Ruhrgebiet erprobt, musste aber wegen einer zu geringen Kundennachfrage eingestellt werden. Damals kostete das Angebot allerdings mit 40 Euro auch deutlich mehr. Die Kosten waren damals so hoch, weil die Post auch Callcenter-Aufgaben wahrnahm, die beim Bremer Nachfolge-Projekt ganz bei den Johannitern liegen. Das Pilotprojekt startet im Mai und läuft bis nächstes Jahr. Danach werden die Ergebnisse ausgewertet und das Konzept eventuell auch auf andere Städte ausgedehnt.

    Das komplette Interview mit Alexander Edenhofer zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Jan Klaassen zum Nachhören:

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    Zustand, Posten, Projekt, Gesundheit, Bremen, Deutschland