07:08 20 November 2018
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    Protestaktion wegen EU-Verbots der Neonicotinoide

    EU verbietet drei Neonicotinoide: „Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“

    © Sputnik / Valentin Raskatov
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    Sie lähmen oder töten Bienen: Das Europaparlament hat Landwirten die Nutzung von drei umstrittenen Insektiziden untersagt. Die Neonicotinoide dürfen nur noch in Gewächshäusern angewendet werden. Der renommierte Neurobiologe Randolf Menzel fordert im Sputnik-Interview ein Verbot aller Neonicotinoide nach französischem Vorbild.

    „Es geht um ein Umdenken in der gesamten Landwirtschaft“, erklärt Randolf Menzel, seit über 30 Jahren Leiter des neurobiologischen Instituts der Freien Universität Berlin. Er fordert als nächsten Schritt, dass alle Neonicotinoide verboten werden, wie es zum Beispiel in Frankreich der Fall ist. Das wäre ein Schritt in Richtung einer anderen Landwirtschaft. Dieser Schritt würde aber auch als Investition in eine bessere Umwelt entsprechend vergütet.

    Neonicotinoide sind ganz besonders wirksame Insektizide, erklärt Menzel. Die Stoffe werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um Schädlingsinsekten im Zaum zu halten. Dabei müsse jedoch immer bedacht werden, dass diese Substanzen nicht zwischen nützlichen und schädlichen Insekten unterscheiden können. Daher betreffe der Einsatz der Neonicotinoide auch eine ganze Reihe von sehr nützlichen Insekten wie zum Beispiel die bestäubenden Insekten. Der Berliner Neurobiologe erkundet seit 50 Jahren die Intelligenz von Bienen. Er betont:

    „Man kann gut belegen, dass es tatsächlich einen Insektenschwund gibt. Dass dieser nicht nur an einem Faktor liegt, sondern viele Ursachen hat, ist sehr wahrscheinlich. Die Neonicotiniode werden aber dabei eine wichtige Rolle spielen, und zwar deswegen, weil sie durch das Grund- und Oberflächenwasser transportiert werden. Weil sie sich sehr weit ausbreiten können und nicht nur für Insekten schädlich sind, sondern für alle Nichtwirbeltiere, die auch im Wasser und im Boden leben, wie zum Beispiel die Regenwürmer, die kleinen Würmchen – Nematoden (Fadenwürmer), die für die Bodenqualität so wichtig sind – und im Wasser natürlich die Fischnahrung. Das bedeutet, dass diese Neonicotinoide nicht nur auf den Bereich begrenzt sind, in dem sie ausgebracht werden.“

    Trotz des Verbots würden andere Neonicotinoide weiterhin besonders umfangreich eingesetzt. Besonders eine Substanz, die Thiacloprid heißt. Von diesem Stoff werde gesagt, er sei nicht für Bienen gefährlich. Das treffe aber nur zu, wenn es um das Abtöten gehe. Im Betreff der „Schädigung“ sei Thiacloprid genauso gefährlich für Bienen wie die anderen Insektizide auch. Menzel bekräftigt, dass das Verbot zwar ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sei, aber auch nur ein allererster Schritt dorthin:

    „Die Landwirte haben eine ganze Fülle von Möglichkeiten, um von solchen hochtoxischen Neonicotinoiden abzusehen. Das weiß auch jeder Landwirt. Es ist einfach nicht zutreffend, wenn gesagt wird, dass die Produktivität und das Kosten-Nutzen-Verhältnis durch den Einsatz der Neonicotinoide verbessert werden. Das ist gerade umgekehrt so, weil diese Substanzen ganz massiv die Bodenqualität schädigen. Man muss auch daran denken, dass wir es mit einer Schädigung der gesamten Umwelt zu tun haben. Dass die Insekten so stark zurückgehen, aber natürlich auch die Vögel, die Fische und die Wildtiere, wie zum Beispiel das Rotwild oder der Feldhase, ist nicht etwas, was einfach so nebenbei passiert, sondern das verschulden wir, indem wir diese Substanzen so massiv einsetzen.“

    Das komplette Interview mit Randolf Menzel zum Nachhören:

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    Tags:
    Insektizide, EU-Verordnung, Neonicotinoide, Ökologie, Naturschutz, Umweltschutz, Bienensterben, Bienen, Landwirtschaft, EU