11:49 19 August 2018
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    Maidemo in Berlin

    Die kürzeste Maidemo in der Geschichte von Kreuzberg - eine geplante Provokation?

    © Sputnik / F. Laiko
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    Die Demonstration zum 1. Mai 2018 in Berlin-Kreuzberg ist in ihrer Wirkung die wohl schwächste seit Jahren gewesen – nicht zuletzt, weil die Organisationsorgane der Märsche gespalten sind und keine gemeinsame Vorgehensweise ausarbeiten konnten. Sputnik-Korrespondenten vor Orten schildern ihre Eindrücke vom Protestmarsch zum „Tag der Arbeit“ 2018.

    Die diesjährige Demonstration zum 1. Mai war die wohl kürzeste Maidemo in der Geschichte, von denen es seit 1987 immerhin 31 gab.

    Viele der Demonstranten waren über die Länge der Route und das angemeldete Ende der Veranstaltung nicht informiert und sagten gegenüber anwesenden Sputnik-Korrespondenten aus, es könnte sich um eine gezielte Provokation oder gar Unterlaufung des Organisationskomitees handeln.

    Auch einige Polizeibeamte schlossen sich dieser Einschätzung an.

    Polizeibeamte während der Demonstration zum „Tag der Arbeit“ 2018

    Maidemo in Berlin
    © Sputnik / F. Laiko
    Maidemo in Berlin

    Nach einem Provokationsversuch durch linke Ultras an der Kreuzberger Skalitzer Str. 66 war zudem das Organisationsteam der Demonstration nicht mehr aufzufinden, was umso mehr auf die innere Spaltung in der Organisation seit 2015-2016 hindeuten könnte.

    Linksradikale bei der Demonstration in Berlin

    Linksextremisten bei Maidemo in Berlin
    © REUTERS / Fabrizio Bensch
    Linksextremisten bei Maidemo in Berlin

    Durch das Fehlen jeglicher Koordinierung zerfiel der Demonstrationszug schon bald in mehrere Kolonnen, die teilweise chaotisch in verschiedene Richtungen zu marschieren versuchten.

    Die Demonstrationszüge zum 1. Mai werden dabei traditionell in Kreuzberg durch linke und linksradikale Gruppen organisiert.

    Speziell bezieht sich der Begriff auf den 1. Mai 1987, als in Kreuzberg bis dahin ungekannte schwere Unruhen ausbrachen, sodass sich die Berliner Polizei zeitweise aus dem östlichen Teil Kreuzbergs zurückziehen musste.

    Seitdem führen verschiedene linke und linksradikale Gruppen fast jedes Jahr eine oder mehrere sogenannte Revolutionäre 1.-Mai-Demonstrationen durch.

    2001 wurde die Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration zum ersten und bisher einzigen Mal polizeilich verboten, was zu heftigen Straßenschlachten führte.

    Als Reaktion auf diese Ereignisse schlug ein Bündnis um den FU-Professor Peter Grottian 2002 das Konzept „Denk Mai Neu“ vor, das „ein großes Fest mit Diskussions-, Informations- und Kulturveranstaltungen an allen Straßenecken“ vorsah.

    Nahrhafte Unterstützung für die Demonstranten

    Maidemo in Berlin
    © Sputnik / F. Laiko
    Maidemo in Berlin

    Wegen innerer Spaltungen in der linken Szene konnte das Konzept allerdings weder in diesem, noch in den nächsten Jahren wie geplant umgesetzt werden.

    Wie die Polizei konstatiert, hat die Intensität der Gewalt in den darauffolgenden Jahren dennoch deutlich abgenommen. Gleichwohl komme es nach wie vor nahezu jährlich zumindest zu kleineren Ausschreitungen.

    Verschiedenste Flaggen beim Protestzug zum "Tag der Arbeit"

    Maidemo in Berlin
    © Sputnik / F. Laiko
    Maidemo in Berlin

    Zusammen mit der abnehmenden Intensität der Ausschreitungen stiegen jedoch auch die Teilnehmerzahlen. Den bisherigen Höhepunkt soll es im Jahr 2014 gegeben haben, als die Anzahl der Teilnehmer 19.000 (Angaben der Polizei) bzw. 25.000 (Angaben der Veranstalter) erreichte.

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    Tags:
    Provokation, Demonstration, Tag der Arbeit, Berliner Polizei, Sputnik, Berlin, Deutschland
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