08:32 21 November 2018
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    Alexander Saldostanow, Chef des Motorradclubs Nachtwölfe (Archivbild)

    Kein „Siegesweg“: Warum die Nachtwölfe einen Bogen um Polen machen

    © Sputnik / Ilya Pitalyow
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    Mit der internationalen Motorradtour „Wege des Sieges“ wollen die Biker traditionell die historischen Ereignisse von 1945 würdigen, doch an der Grenze zu Polen mussten sie ihre Route ändern. Die polnischen Grenzer ließen allein die Polen passieren. Unter denen, die nicht durchgelassen wurden, waren auch EU-Bürger – zwei Slowaken und ein Tscheche.

    Näheres über die Umstände des Geschehens berichtete im Interview mit Sputnik Polska der Präsident der „Polnischen Nachtwölfe“, Dariusz Kaczmarski.

    Der Motoradclub „Nachtwölfe“ organisiert bereits das vierte Jahr hintereinander die „Siegestour“. Dieses Mal sind die Biker bereits am 22. April aus Moskau gestartet, um zum 9. Mai Berlin zu erreichen. Aber erst müssen sie 6000 Kilometer bewältigen. Unter den Teilnehmer dieser Tour sind nicht nur Russen, sondern auch Polen, Slowaken, Tschechen und Deutsche.

    „Die Motorradtour hat in Moskau begonnen, wohin alle Teilnehmer aus Europa gekommen waren. Die Biker-Kolonne, geführt von „Chirurg“ (Spitzname, eigentlich Alexander Saldostanow, Präsident des russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ – Anm. d. Red.) ist über Weißrussland nach Polen aufgebrochen. An die polnische Grenze kamen wir zu acht: Slowaken, Polen, ein Tscheche. Wir  sollten diese Grenze passieren. Die Polen kamen durch, da sie Bürger Polens sind. Wer kein Bürger Polens war, dem wurde empfohlen, einen anderen Grenzübergang zu benutzen. Nach Polen durften sie nicht einreisen“, erzählte Dariusz Kaczmarski.

    Wie der Präsident der „polnischen Nachtwölfe“ meinte, sei der Befehl an die Grenzer, die Biker nicht nach Polen einreisen zu lassen, von oben gekommen.

    „Das ist nur mit der Politik verbunden. Ich sehe keine andere Erklärung.

    Diese Leute stellen keinerlei Bedrohung für die Sicherheit des Landes dar, sie führen Kränze und Blumen mit sich, die sie an Denkmälern und Gräbern niederlegen wollen.“

    Dariusz hob dabei hervor, dass die russischen Teilnehmer dieser Motorradtour dieses Mal gar nicht erst versucht hätten, die polnische Grenze zu passieren.

    „Wir versuchen das (die Grenze zu überschreiten – Anm. d. Red.) schon lange nicht mehr. Schade um die Zeit. Zuweilen dauert es (dieser Versuch) Stunden, das Ergebnis ist null. (…) Die Bürger Russlands werden ohne jeglichen Anlass sofort als eine Bedrohung für die Sicherheit des Landes betrachtet. Ich will betonen: Das ist Politik, eine andere Erklärung kann es hier nicht geben. Aber diese Leute stellen keinerlei Bedrohung dar. Sie lieben Polen. Wir besuchen doch auch die Gräber polnischer Soldaten“, so Dariusz.

    Der polnische Biker erzählte, dass die „Nachtwölfe“ bereits die Gedenkstätte in Katyn besucht hätten, wo sich die Gräber von mehr als 4000 polnischen Offizieren und 8000 sowjetischen Bürgern befinden. Dass sie auch Kränze und Blumen am Grabmal des unbekannten Soldaten in Warschau, an der Gedenkstätte für die Opfer des Wolhynien-Massakers und an Gräbern auf dem Friedhof sowjetischer Offiziere in Wrocław niedergelegt und ebenfalls das Andenken an die Häftlinge der nazistischen Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau geehrt hätten.

    Ungeachtet der Hindernisse, die die Politiker Dariusz zufolge den „Nachtwölfen“ in den Weg legen, seien die einfachen Menschen den Bikern wohlgesinnt:

    „Die ganze Route (durch Polen – Anm. der Red.) haben wir problemlos gemeistert. Uns haben Freunde aus der Polizei bewacht. (…) Die einfachen Menschen unterstützen uns. Sie sind auf unserer Seite, weil es eben auch ihre Geschichte ist.“

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    Gedenkfahrt, Motorradtour, Motorradclub Nachtwölfe, Alexander Saldostanow, Polen, Russland