08:23 26 September 2018
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    Rap-Musiker Bushido (Archiv)

    „Schauspieler bekommen Oskar und ich Indizierung“ – Bushido spricht mit Sputnik

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    Valentin Raskatov
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    „Wenn der Song vorbei ist, geht mein Leben weiter“, sagt Bushido. Und dieses Leben hat nichts mit Gewalt und Drogen zu tun, sondern ist recht bürgerlich. Gangster-Rap sei „künstlerische Attitüde“, das wüssten die Fans. Er glaubt auch nicht, dass er Jugendliche mit seinen Texten negativ beeinflusst.

    Nach drei Jahren können Jugendliche bald das umstrittene Album „Sonny Black“ des Gangster-Rappers Bushido wieder erwerben und anhören. Im Jahr 2015 hatte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Platte auf den Index gesetzt. Damals hieß es in der Begründung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Minderjährige die geäußerten Demütigungen in ihren Wortschatz und in ihr eigenes Verhalten übernehmen, wird seitens des Gremiums als sehr hoch eingeschätzt.“ Bushido ging in Berufung und am Mittwoch entschied das Oberverwaltungsgericht in Münster, dass 2015 nicht sorgfältig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen wurde.

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    Jugendschutz wichtig, Entscheidung dennoch richtig

    Über diese Entscheidung freut sich der Rapper im Sputnik-Interview, auch wenn er sich darüber beklagt, dass das Ganze drei Jahre gedauert habe. Er betont, dass ihm Jugendschutz „absolut wichtig“ sei. Dennoch findet er: „Wir leben in einer sehr aufgeklärten Gesellschaft, in der jeder über alles Bescheid weiß. Und wer im Jahr 2018 durch einen Rap-Text in seiner Entwicklung beeinträchtigt werden sollte – den Jugendlichen muss man mir erstmal zeigen.“ Deswegen hält er die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts für „absolut richtig“.

    „Wenn der Song vorbei ist, geht mein Leben weiter“

    Dass sich Menschen an ihm orientieren würden, obwohl in vielen Passagen Gewalt, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit stilisiert werden, hält der Rapper für unwahrscheinlich, auch wenn sie ihn „ernst“ nehmen: „Klar, gehen die Leute davon aus, dass das ernst gemeint ist. Aber nicht ernst in dem Sinne, dass ich da mit irgendwelchen Knarren durch die Gegend fahre und auf Leute schieße, sondern dass die Attitüde eine ernste ist.“

    Und außerdem gilt für Bushido: „Wenn der Song vorbei ist, geht mein Leben weiter.“ Er sei nicht „der Typ, der Single ist und Drogen verkauft“, sondern ein verheirateter Mann mit fünf Kindern, der an Elternabenden teilnehme und die Kinder zum Kindergarten bringe. „Alleine das steht ja im kompletten Gegensatz zu meiner Musik“, so der Rapper, der überzeugt ist, dass wirkliche Fans auch wüssten, dass das alles nicht so ernst zu nehmen sei – „das machen sie auch gar nicht“.

    Es sei eben nur eine „künstlerische Attitüde“, allerdings mit einem Nachteil: „Ein guter Schauspieler bekommt für seine Leistungen halt einen Oskar und ich bekomme für meine schauspielerischen Leistungen eine Indizierung – das ist das Problem an der Geschichte.“

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    Bushido hatte im Jahr 2015 in einem ähnlichen Fall einen Erfolg beim Song „Stress ohne Grund“ erzielt. Auch damals entschied das Gericht, dass dieser zu Unrecht auf der Liste jugendgefährdender Medien stehe.

    Das komplette Interview mit Bushido zum Nachhören:

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    Tags:
    Jugend, Schutz, Diskriminierung, Musik, Gewalt, Bushido, Deutschland