02:46 25 Juni 2018
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    Gangsterrapper Bushido (Archiv)

    Bushido zu Auschwitz-Vergleich: „Hätte so was nie gemacht“ – Echo-Skandal

    © AP Photo / Frank Augstein
    Gesellschaft
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    Valentin Raskatov
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    Der Gangsterrapper Bushido meldet sich zum Echo-Eklat zu Wort. Er kann die Textzeilen von Kollegah und Farid Bang zwar verstehen. Den Vergleich hält er dennoch für moralisch verwerflich. Beim Echo-Streit stören ihn aber auch Opportunisten aus den Reihen der Kritiker, die einfach die Gunst der Stunde nutzen, um gut dazustehen.

    Im April machten die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang viel von sich reden. Den beiden wurde nämlich der Echo-Preis verliehen, der sich nach den Verkaufszahlen von Musik orientiert – und nicht an den Inhalten. Und über die Inhalte stritten sich die Gemüter. Denn in den Texten der beiden kamen Zeilen vor wie „Mein Körper ist definierter als von Auschwitz-Insassen“.

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    Scharfe Kritik übte unter anderem der Sänger Campino von der Punkrock-Band Die Toten Hosen, der solche Zeilen als moralisch verwerflich bezeichnete. Viele Empfänger des Preises reagierten auf den Vorfall und gaben den Echo zurück. Schließlich wurde der Preis gänzlich abgeschafft.

    „Vom Rap her spitzfindig, aber moralisch nicht vertretbar“ – Bushido

    Auch der Berliner Gangster-Rapper Bushido (mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi) macht immer wieder von sich reden. Seine Texte werden immer wieder als jugendgefährdend eingestuft. In Gerichtsurteilen wird diese Einstufung aber gelegentlich revidiert. Bushido weiß, dass er wegen der vielen Vorwürfe „nicht so gut reden“ hat. Er spricht trotzdem.

    Er könne auch verstehen, was die beiden Rapper gemeint haben sollen. „Vom Rap her ist das teilweise schon spitzfindig“, bemerkt er. Der Vergleich passe sehr gut zur Bodybuilder-Metaphorik der beiden Rapper, mit denen Bushido alles andere als befreundet ist. Er würde aus den Textzeilen nicht gleich Rückschlüsse auf den Charakter oder die Gesinnung der beiden ziehen.

    Er selbst hätte diese Textzeilen dennoch nicht gebracht. „Das Problem ist, dass Leute in Auschwitz gequält, misshandelt und getötet wurden. Deswegen ist es vom Moralischen her nicht okay, dass man so einen Vergleich bringt“, erklärt er seine Sicht der Dinge und betont: „Ich hätte sowas nie gemacht.“

    „Trittbrettfahrer“ in der Debatte „sollen die Fresse halten“

    Was ihm bei der öffentlichen Erregung um die beiden Rapper nicht gefallen hat: „Jeder nutzt diese Chance und sagt sich: Solange ich etwas Schlechtes über die beiden sage, bin ich auf jeden Fall cool, weil die allgemeine Meinung erstmal die ist, dass die beiden halt schlecht sind. Und auch wenn ich der letzte Hinterwäldler auf dieser Erde bin, brauche ich nur sagen: Kollegah, Farid – schämt euch, ihr Penner. Und dann bin ich schon auf der richtigen Seite.“ Der Gangster-Rapper findet es zum Beispiel richtig und wichtig, dass ein Überlebender aus Auschwitz sich zu Wort gemeldet hat. Aber die anderen hält er alle für „Trittbrettfahrer“ in der Debatte.

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    „Dass da irgendwelche Typen heute so aufschreien und so tun, als wären sie damals live mit dabei gewesen – das sind doch alles Typen, die sind übergewichtig, weil sie sich den ganzen Tag nur fettfressen und dann aber plötzlich auf Kollegah und Farid mit dem Finger zeigen, damit sie jetzt dreizehn Minuten auf der korrekten Seite mitfahren. Die sollen alle die Fresse halten, ohne Scheiß jetzt“, so Bushidos harsche Kritik an der Debatte.

    Das komplette Interview mit Bushido zum Nachhören:

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    Tags:
    Kunst, Rap, Auschwitz, Vergleich, Skandal, Antisemitismus, Bushido, Deutschland