14:47 12 Dezember 2018
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    Friedrich Joseph Haass (Archiv)

    „Heiliger Doktor von Moskau“ – Friedrich Joseph Haass soll seliggesprochen werden

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    Bolle Selke
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    Er wurde der „heilige Doktor von Moskau“ genannt. 1780 wurde Friedrich Joseph Haass in Bad Münstereifel bei Köln geboren. Zum Tod des deutsch-russischen Arztes 1853 gaben ihm etwa 20.000 Moskauer die letzte Ehre. Nun soll er seliggesprochen werden.

    „Ich bin mehrmals in Moskau gewesen, und dort habe ich mit einem Kranken gesprochen“, berichtet Prälat Helmut Moll, der Beauftragten des Erzbistums Köln für die laufenden Selig- und Heiligsprechungsverfahren, im Sputnik-Interview. „Der hat mir versichert, er wäre dem Tod nahe gewesen und habe in der Not den sogenannten ‚heiligen Doktor von Moskau‘ Joseph Friedrich Haass angerufen. Daraufhin wäre die tödliche Krankheit von ihm gewichen. Ob das auch so den Tatsachen entspricht, muss nun durch Ärzte und Fachleute geprüft werden. Wenn das so ist, dann wird das sogenannte Miraculum (Wunder) an der römischen Kongregation eingereicht, wo es dann von Ärzten endgültig geprüft wird.“

    „Die Prüfung des Wunders liegt in Moskau“

    Menschen werden selig- oder heiliggesprochen, wenn sie dem Vorbild Christi in besonderer Weise gefolgt sind und durch den Tod, als Märtyrer, durch ein tugendhaftes Leben, als Bekenner, oder, falls es sich nicht um einen Märtyrer handelt, durch das Bewirken eines Wunders ihren Glauben in vorbildhafter Weise gelebt haben. Am Ende des Verfahrens erklärt der Papst selbst, dass ein Verstorbener als Seliger bezeichnet werden und als solcher öffentlich verehrt werden darf.

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    Nach der katholischen Regelung gibt es zunächst eine regionale liturgische Verehrung, die in der Seligsprechung mündet. Der zweite Schritt ist die Heiligsprechung – dann ist die liturgische Verehrung auf dem gesamten katholischen Erdkreis erlaubt und möglich, erklärt Moll. Er war selbst über zehn Jahre an der römischen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen tätig. Nun begleitet er den Seligsprechungsprozess von Haass.

    „Die Prüfung des Wunders liegt in Moskau, es ist noch nicht so weit, dass es in Rom ist“, erklärt Moll. „Dass das Verfahren auf Diözesanebene in Moskau am 6. Mai 2018 abgeschlossen wurde, ist aber ein bedeutender Schritt in Richtung Seligsprechung.“

    Was ist ein Wunder?

    „Nicht nur Naturwissenschaftler halten solche Einbrüche in die menschliche Natur für möglich“, betont der Priester und Historiker Moll. „Auch Mediziner, die nicht gläubig sind, spüren, es gibt Spontanheilungen, die sie als außermedikal erklären müssen, weil sie selber nicht in der Lage sind, diese medizinisch zu rechtfertigen.“

    Wunder gebe es in verschiedensten Formen, als Heilung oder auch als Naturwunder. Die meisten seien allerdings Heilungswunder:

    „Wenn eine dem Tod nahe Person, die von den Ärzten schon aufgegeben worden ist, wieder ganz ins Leben zurückkommt und die Heilung vollständig und endgültig vollzogen worden ist und dies durch die Fürsprache einer Person, wie etwa Friedrich Joseph Haas, passiert, dann spricht man von einem Wunder.“

    Er steht im „Ruf der Heiligkeit“

    Während in Moskau geprüft werde, ob Haass tatsächlich ein solches Wunder vollbracht hat, ist die gegenwärtige Aufgabe der römischen Kongregation, zu prüfen, ob er die Tugenden geübt hat, die auch in der heiligen Schrift grundgelegt sind: Glaube, Hoffnung und Liebe. Ferner werde aufgrund des Dokumentationsmaterials geprüft, ob er die vier Kardinaltugenden in außergewöhnlicher Weise gelebt hat: Klugheit, Stärke, Mut, Maß und Gerechtigkeit. Schließlich werde geprüft, ob er die drei vom Evangelium kommenden Tugenden: Armut, Keuschheit und Gehorsam, ein Leben lang geübt hat.

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    Haass hat viele Bücher über medizinische und religiöse Fragen geschrieben. Ausgehend von seiner Kenntnis dieser Dokumente und des Lebens des berühmten Arztes kann sich Moll gut vorstellen, dass Haass diese Tugenden in außergewöhnliche Weise gelebt hat. Entsprechend denkt Moll, dass dies in absehbarer Zeit auch von der Kongregation in Rom offiziell bestätigt wird:

    „Er hat die Kranken in Moskau unentgeltlich behandelt. Die nach Sibirien Deportierten hat er menschlich behandelt, indem er ihnen die schweren Fesseln hat ablegen können und ihnen menschliche Nähe gezeigt hat. Er hat wirklich ein vorbildliches, christliches Leben als Katholik geführt.“

    Vom Apothekersohn zum Chefarzt

    Der Apothekersohn Friedrich Joseph Haass wurde am 10. August 1780 in Bad Münstereifel im Erzbistum Köln geboren. Nach dem Abitur studierte er Literatur, Medizin und Naturwissenschaften an den Universitäten Köln, Jena, Göttingen und Wien. 1806 brach er auf Anraten der Fürstin Varvara Repnin nach Russland auf, trat in den russischen Staatsdienst ein und wurde Chefarzt im Kaiserlichen Paul-Krankenhaus in Moskau.

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    Als Chefarzt aller Moskauer Gefängnisse betreute der „heilige Doktor von Moskau“ die zur Verbannung nach Sibirien verurteilten Strafgefangenen. Nach jahrelangen Gesuchen erwirkte er die offizielle Abschaffung der Kopfrasur. Beim Ausbruch einer Choleraepidemie setzte er sich unerschrocken für die Betroffenen ein.

    Nach seinem Tod im Jahre 1853 gaben ihm etwa 20.000 Moskauer die letzte Ehre, als er auf dem Ausländerfriedhof beerdigt wurde. Seither steht Haass bei Orthodoxen wie bei Katholiken im Ruf der Heiligkeit.

    Das komplette Interview mit Helmut Moll zum Nachhören:

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    Tags:
    Geschichte, Arzt, Katholiken, Märtyrer, Wunder, Papst, Russland, Deutschland