15:21 18 November 2018
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    Burka (Symbolbild)

    Burkinis für Schülerinnen in NRW? „Wir leben nicht in Saudi-Arabien“ – Expertin

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    Gesellschaft
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    Alexander Boos
    2011116

    Eine Schule in Nordrhein-Westfalen schafft „Burkinis“, also Ganzkörper-Bikinis, für muslimische Schülerinnen an. Damit soll sichergestellt werden, dass auch diese Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen können. Landespolitiker und Experten kritisieren die Maßnahme. „Das ist absurd“, sagt eine Islamismus-Expertin gegenüber Sputnik.

    „Ich finde das eine ganz absurde Maßnahme und Entscheidung der Schule“, sagte Birgit Ebel, Gesamtschullehrerin in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Islamismus-Expertin in Herford, gegenüber Sputnik. „Das sieht nach einem Zielkonflikt aus: Zum einen möchte man natürlich, dass alle Kinder schwimmen lernen und sich alle Kinder – auch muslimische Mädchen – am Schwimmunterricht beteiligen. Trotzdem öffnet man dem politischen Islam damit Tür und Tor, wenn man diese Bekleidungsvorschriften des konservativen, ultra-reaktionären und politischen Islams für Mädchen – wir reden von Kindern – umsetzt. Das geht in die falsche Richtung. Das fördert meines Erachtens nicht Integration, sondern es fördert Parallelgesellschaften.“

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    Vor wenigen Tagen hatte das Pestalozzi-Gymnasium in Herne 20 Burkinis für den Schwimmunterricht für die sechsten bis achten Klassen angeschafft. „Damit hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen.“ Mit diesen Worten begründete Volker Gößling, der Direktor der Schule, in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ diese Entscheidung. Nun könnten auch Schülerinnen muslimischen Glaubens am Unterricht teilnehmen. Bereits 15 Mädchen nutzten nach Medienangaben das Angebot und liehen sich Ganzkörper-Badeanzüge aus.

    „Falsches Signal“: Integrationsbeauftragte und Landespolitiker warnen

    „Die Beschaffung von Burkinis gehört nicht zu den Grundaufgaben einer Schule“, kritisierte Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von NRW, die Maßnahme. Serap Güler (CDU), Integrationsstaatssekretärin in dem Bundesland, meinte: „Wir sollten hier in Deutschland nicht auf Burkinis für Mädchen setzen. Ich halte dies für das absolut falsche Signal und für völlig falsch verstandene Toleranz. Es ist fatal vor allem aus emanzipatorischer Sicht.“

    In Deutschland lebende Muslime „müssen einfach lernen, unsere Regeln des gleichberechtigten Umgangs der Geschlechter zu akzeptieren“, forderte Ebel. „In diese Richtung sollte sich diese Schule bemühen – und nicht dem Verschleierungszwang nachgeben.“ Die Reaktionen aus der Landespolitik finde sie „richtig und vernünftig. Ich hätte mir von der neuen Schulministerin (Gebauer, Anm. d. Red.) klarere Worte gewünscht, und dass – hinsichtlich der Frage des angestrebten Verbotes eines Kopftuchs für Mädchen unter 14 Jahre – eine klarere Haltung gezeigt worden wäre.“

    Gewerkschaft: „Erfolg für Integration“

    In der Maßnahme des Gymnasiums sieht der NRW-Landesverband der „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ (GEW) einen „Erfolg für Integration“, wie regionale Medien berichten. „Die Lösung ist pragmatisch und verhindert Auseinandersetzungen zwischen Schule, Schülern und Eltern, die das Schulklima negativ beeinflussen können“, wurde die stellvertretende GEW-Vorsitzende Maike Finnern zitiert.

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    Diese Aussage kann die Pädagogin und Salafismus-Expertin Ebel nicht nachvollziehen. „Wir leben nicht in Saudi-Arabien, wo die Geschlechter in einem totalen Dualismus und in einer Art Apartheid separiert werden, also getrennt werden. Das finde ich falsch.“ Viele Aussagen von manchen Organisationen seien „mit gewisser Skepsis zu sehen.“ Ebel warnte davor, dass die liberale deutsche Gesellschaft ständig „Forderungen des ultra-konservativen Islams“ nachgebe.

    Das komplette Interview mit Birgit Ebel („extrem dagegen!“) zum Nachhören:

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    Tags:
    Integration, Migranten, Islam, Burkini, Burka, Unterricht, Schwimmen, Schule, Saudi-Arabien, Deutschland