13:17 15 November 2019
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    Die Russen im Deutschen Bundestag

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    Das deutsch-russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 spaltet die EU, der Streit um die Aufrüstung der Nato geht weiter, Berlin und Moskau hören einander oft nicht. Doch viele BRD-Politiker setzen auf einen verstärkten Dialog mit Russland. Das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) des deutschen Bundestages kann eine große Rolle dabei spielen.

    Der Deutsche Bundestag vergibt jährlich etwa 120 Stipendien für junge Hochschulabsolventen aus 42 Ländern (aus Mittel- und Osteuropa, den USA, Frankreich, Israel, der Kaukasus-Region und Zentralasien sowie auch aus Russland). Seit dem Jahr 1986 wurde dieses Programm insgesamt von 2500 Stipendiatinnen und Stipendiaten absolviert. Das Ziel ist die Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Teilnehmerländern. „Wir brauchen international ein Bewusstsein für das Eigene, aber eben auch einen Austausch“, sagte der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, der zugleich auch Schirmherr des Programms ist.

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    Im Rahmen eines Praktikums bei einem Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit den verschiedenen Aufgaben eines Abgeordnetenbüros vertraut gemacht und gewinnen Einblicke in die internen Verfahrensabläufe des Parlaments.

    Die russischen Stipendiaten ziehen im Kontext der heutigen deutsch-russischen Beziehungen immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. „Russland hat es verdient, dass wir uns besonders um dieses Land kümmern. Es ist unser Nachbar und für mich ganz wichtig, dass wir Russland eng an uns binden, dass wir hier wirklich gute Nachbarn sind“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der deutsch-russischen Parlamentariergruppe Doris Barnett (SPD) gegenüber Sputnik. Letztes Jahr absolvierte Ekaterina Smirnova, eine junge Journalistin aus Kaliningrad, das Praktikum bei ihr im Büro.

    Die Sozialdemokraten kündigten bereits an, sich geschlossen für einen Dialog mit Moskau einzusetzen. In einer Partei, die bis heute die Ostpolitik von Willy Brandt hochhält, kamen Vorwürfe gegen Russland nicht bei allen gut an. „Wir wissen auch, dass wir eine Verantwortung haben, auch durch unsere Geschichte“, betonte die stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Daniela De Ridder (SPD). Auch bei ihr absolviert zurzeit eine Russin das Praktikum. „Wir haben viel darüber geredet, über deutsch-russische Verhältnisse, was kann man verbessern. Sie sind deutlich verbesserungswürdig“, so De Ridder.

    © Sputnik .
    „Politik der ausgestreckten Hand“: Dialog mit Russland und Stipendiaten-Programm des Bundestags

    Ebenfalls plädieren die CDU und CSU für die Kooperation mit Russland. Trotz aller Schwierigkeiten solle es bei der „Politik der ausgestreckten Hand“ bleiben. Einen Beitrag dazu leistet auch die 26-jährige russische Akademikerin Valeriya Stange, die das Team von Veronika Bellmann (CDU/CSU) unterstützt. „Die deutsch-russische Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet kann vieles überbrücken. Genau wie die Zusammenarbeit auf sportlichem Gebiet vieles überbrücken kann, was es politisch an Differenzen gibt“, äußerte Bellmann gegenüber Sputnik.

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    Auch die anderen Parteien des deutschen Bundestages nehmen aktiv an diesem Programm teil. „Ich hoffe, dass die Stipendiaten immer dazu beitragen, dass die Verbindung zwischen den jeweiligen Ländern nicht abreißt. Ich finde dieses Programm hervorragend “, erklärte im Gespräch mit der Sputnik-Korrespondentin die Vorsitzende der Berichterstattergruppe „Internationale Austauschprogramme“ Kerstin Radomski (CDU/CSU).

    Gerade solche Initiativen könnten in der Zukunft eine Basis für die Festigung der russisch-deutschen Zusammenarbeit und der Entwicklung der interparlamentarischen Beziehungen werden.

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    Tags:
    Vorwürfe, Beziehungen, Kooperation, Ausbildung, Nord Stream 2, CDU, CSU, SPD, Bundestag, Willy Brandt, Deutschland, Russland