15:50 23 Juli 2018
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    Anna P. - Einwohnerin der Stadt Kasan spricht über ihre Eindrücke zur WM

    Fußball-WM in vollem Gange, was denken Russen darüber? Sputnik fragt in Kasan nach

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    Nikita Gerassimow
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    Fußballfans aus aller Welt feiern in Russland, aber was denken die Russen selbst über die WM? Ein Sputnik-Korrespondent hat sich in der WM-Stadt Kasan umgeschaut und Einheimische nach ihrer Meinung gefragt.

    Solche russischen Metropolen wie Moskau oder St. Petersburg sind längst den Ansturm von Touristen aus aller Welt gewöhnt – das Angebot ist äußerst umfangreich.

    In den kleineren WM-Städten ist die Menschenflut aus dem Ausland dagegen durchaus eine Umstellung für die Einheimischen. In einem Gespräch mit Sputnik haben sich Einwohner der Stadt Kasan, wo sich unter anderem das historische Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft ereignet hat, dennoch unglaublich positiv über die Weltmeisterschaft geäußert.

    Viele sehen das internationale Turnier als Chance, um sich der Welt zu präsentieren, aber auch Menschen aus anderen Ländern zu sehen, ohne die eigene Heimatstadt zu verlassen.

    So sagt etwa Anna P., Mitarbeiterin einer Wohltätigkeitsorganisation, die Familien aus sozial schwachen Schichten und Kindern mit Behinderungen hilft, dass die WM ein Ereignis ist, dass der gesamten Stadt einen starken Impuls für die weitere Entwicklung geben wird.

    Die Vorbereitungen und die Bauarbeiten im Vorfeld des Turniers hätten die Einwohner kaum gespürt, auch weil die Stadt bereits in der Vergangenheit mehrere sportliche Großereignisse durchgeführt habe, wie etwa den Confed Cup.

    Jetzt, wo die WM in vollem Gange ist, spüre man sie aber umso mehr – man sehe die ankommenden Menschen, die Touristen und eine neue Stimmung in der Stadt.

    „Die Menschen hier sind natürlich glücklich, glücklich über Events solcher Art. Die Stadt wird fröhlicher und abwechslungsreicher“, sagt Anna.

    Sie persönlich freue sich besonders über die vielen Parks, die für die WM eingerichtet worden sind. „Viele Flusspromenaden, die es vorher nicht gegeben hatte, sind angelegt worden. Sie sind absolut auf europäischem und internationalem Niveau – man könnte auch sagen, sie haben das Niveau von Moskau“, bewertet die Kasanerin die Entwicklung in der Stadt.

    • Die Fußball-Welt zu Gast in Russland: Hier Kasan-Logo vor dem historischen Kreml der Stadt
      Die Fußball-Welt zu Gast in Russland: Hier Kasan-Logo vor dem historischen Kreml der Stadt
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    • Die Arena von Kasan: Hier fand die historische Niederlage der DFB-Elf statt - Das Aus bereits in der Vorrunde einer WM
      Die Arena von Kasan: Hier fand die historische Niederlage der DFB-Elf statt - Das Aus bereits in der Vorrunde einer WM
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    Die Fußball-Welt zu Gast in Russland: Hier Kasan-Logo vor dem historischen Kreml der Stadt

    Sicherlich, durch die vielen Anreisenden, die Investitionen und auch Bauprojekte hätten auch die Preise in der Stadt angezogen, dies sei aber bei solchen Großprojekten wie der WM nicht zu vermeiden, betont Anna.

    Insgesamt lasse die WM die Stadt in allen Hinsichten aufblühen.

    „Für Kasan sind die Impulse der WM auf jeden Fall positiv. Wir erreichen nun in allen Bereichen europäisches Niveau“, sagt die junge Frau.

    Die Sorgen, dass die Einheimischen durch die vielen Reisenden überfordert sein könnten, seien nicht zu rechtfertigen, erklärt die 23-Jährige weiter. Kasan sei, wie das gesamte Land, an sich sehr vielfältig. In der Stadt habe man immer  „eine Mischung aus zwei Konfessionen, zwei Kulturen“ gehabt.

    Gemeint ist dabei die Tatsache, dass in der Stadt Kasan sowohl das Christentum als auch der Islam seit Jahrhunderten friedlich zusammenleben und die Stadt zu einem Sinnbild für die Multireligiösität Russlands geworden ist.

    Die vielen ausländischen Gäste werden daher gerne empfangen – die Gastfreundlichkeit in Kasan sei eines der Grundwerte des Lebens der Stadt.

    „Die Touristen bringen ihre freie, internationale oder europäische Mentalität mit, und sie fühlen sich bei uns absolut wie zu Hause. (…) Ich habe noch nie negative Reaktionen hier gesehen: weder bei Einheimischen noch bei Touristen“, betont Anna.

    Ähnlich äußert sich auch Michail W. Der Russe arbeitet als Taxifahrer rund um den Kasaner Flughafen und ist praktisch jeden Tag in Kontakt mit ausländischen Reisenden. Selbstverständlich habe der Zustrom an Menschen zugenommen, Probleme habe er mit den Reisenden aber nie gehabt.

    Besonders beeindruckend seien für ihn die kolumbianischen Fans gewesen. Als die Kolumbianer in der Stadt gespielt hätten, seien die „Straßen voll von Menschen in Gelb gewesen“. Die Kolumbianer hätten tagelang ihr Team gefeiert und seien auch lange nach dem Spiel ihrer Mannschaft in der Stadt geblieben.

    „Wir hatten das Gefühl, dass die Kolumbianer am liebsten fast für immer bei uns in der Stadt geblieben wären“, sagt Michail halb scherzhaft.

    Noch mehr WM-Stimmung hätte dies sicherlich nicht geschadet. Dass die WM-Stimmung längst alle Stadtbewohner erfasst hat, konnte man laut Anna auch daran sehen, dass auch Menschen, die sich eigentlich nicht für Fußball interessieren, an den vielen verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Das Turnier sei wie ein Familienfest, selbst zu den Fanmeilen würden die Kasaner gleich mit ganzen Familien samt Kleinkindern kommen.

    Auf die Frage, ob die WM-Objekte kurz nach dem Turnier bereits verlassen dastehen und nach wenigen Jahren wieder zerfallen würden, wie dies in dem einen oder anderen Gastgeberland eines sportlichen Großereignisses bereits passiert ist, hat die junge Kasanerin eine klare Antwort.

    Die Objekte seien bereits jetzt für verschiedene Vorhaben in der Zukunft eingeplant. Nach der WM sollen hier zahlreiche neue Sportgruppen entstehen, der russische Nachwuchs wird hier trainiert werden.

    „Die Stadtverwaltung ist an der weiteren Nutzung der Sportstätten sehr interessiert“, betont Anna.

    Zuletzt will Sputnik noch wissen, wie die Kasanerin denn die russische Fußball-Mannschaft einschätzt. Halb scherzhaft sagt sie, sie hoffe, dass Russland noch eine Runde weiterkommt – weiter als das Halbfinale werde es wohl aber nicht gehen.

    „Mit viel Glück vielleicht das Viertelfinale“, sagt sie und lacht.

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    Gastfreundschaft, Stimmung, Meinung, Fußballfans, Jugend, Russen, Fußball-WM, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, Kasan, Russland
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