22:30 22 Juli 2018
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    Alexander Solschenyzin

    US-Magazin: Hatte Solschenyzin in Bezug auf Westen doch Recht?

    © AP Photo / Bernhard Frye
    Gesellschaft
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    Im Juni 1978 hielt der große russische Schriftsteller Alexander Solschenyzin eine Rede vor Absolventen der Harvard University. Seine Worte lösten massive Kritik aus. Nun fragt sich der US-Aktivist und Schriftsteller Herbert London in einem Beitrag für „The American Thinker“, ob Solschenyzin vielleicht doch Recht hatte.

    In seiner Rede „Eine zerrissene Welt“ hatte der russische Schriftsteller damals von der Entstehung von „verschiedenen Welten“ gesprochen. Eine davon sei die westliche Gesellschaft.

    Auf der einen Seite der entstandenen Spaltung liege die Freiheit, die den materiellen Reichtum als größten Wert betrachte. Der Mensch steht laut Solschenyzin im Mittelpunkt dieser Gleichung: Es gibt keine größere Macht als ihn. Dies führe wiederum zu einer „moralischen Armut“, die ständig auf der Sinnsuche sei.

    Wenige Tage nach der Rede warfen Medien Solschenyzin vor, „das Gleichgewicht verloren“ zu haben. Nicht die Welt, sondern sein Geist sei zerrissen. „Der Gigant liebt uns nicht“, beklagte die Presse.

    „Jetzt haben wir den Luxus, diese Rede 40 Jahre später zu analysieren“, schreibt London weiter. Nach den kulturellen Bedingungen zu urteilen, die sich in den letzten vier Jahrzehnten entfaltet hätten, habe sich Soltschenytsin noch sehr „vorsichtig“ ausgedrückt.

    Denn die USA ließen sich derzeit von materiellen Zielen leiten. Die größere Macht, von der der russische Schriftsteller gesprochen hatte, sei weniger präsent. 

    „Ich war schockiert darüber, wie Robert De Niro bei den Tony Awards den US-Präsidenten in einem äußerst geschmacklosen Stil attackierte. Das ist derselbe De Niro, der mit dem Freedom Award ausgezeichnet wurde, dem angesehensten Preis im Lande“, führt der Autor weiter aus.

    Auch die Tatsache, dass dem Rapper Kendrick Lamar, der sich bei Auftritten ständig in den Schritt greife, der Pulitzer-Preis verliehen worden sei, habe ihn verblüfft. Und daran, dass Bob Dylan den Nobelpreis erhalten habe – einen Preis, der manch einem von den größten  Literatur-Koryphäen verwehrt geblieben sei – erkenne er den kompletten Zusammenbruch der Werte. „Was ist aus uns geworden?“, fragt London.

    Solschenyzin sei sich damals bewusst gewesen, dass, wenn Gott durch Humanismus ersetzt werde, jede erdenkliche Idee als akzeptabel gelten würde. Das sehe man schon in der heutigen Gesellschaft, so London: Geschmack, Manieren, Güte, Respekt sind der Freiheit und persönlichen Gefühlen untergeordnet worden. Nach dem Motto: „Wenn es sich gut anfühlt, tue es“. Sogar Kirchen und Synagogen seien von der rechten Bahn abgekommen, indem sie jetzt mehr Zeit für soziale Bedingungen als auf die religiöse Doktrin verwenden würden.

    Auch Universitäten seien im Untergang begriffen. Talk Shows zeigten die gleichen Gesichter, die Banalitäten von sich gäben. Die Wahrheit zerbreche an der postmodernen Überzeugung, dass nur die Gefühle zählten. In dieser Zeit sei das Schwinden der kulturellen Filter bedenklich.

    Sollte man anhand der heutigen Tendenzen Prognosen für die Zukunft erstellen, laufe der Westen mit seinem „verborgenen Relativismus“ die Gefahr, den globalen Einfluss zu verlieren, warnt der US-Aktivist. „Wie kann eine Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Bedeutung nicht sicher ist, mit einer fanatischen Kultur konkurrieren, die ganz genau weiß, was sie erreichen will?“

    “Warum sollten italienische Beamte Jahrhunderte alte Kunstwerke bedecken, wenn ein iranischer Geistlicher zu Besuch kommt? Sollten wir auf die außergewöhnlichen Skulpturen, die aus unserer Kultur hervorgegangen sind, nicht stolz sein? Und warum sollten wir uns darum kümmern, dass eine andere religiöse Kultur beleidigt wird? Ist das Gegenteil auch wahr?“

    London ruft den Leser am Ende dazu auf, einen unvoreingenommenen Blick auf die USA und den Westen zu werfen und sich selbst zu sagen, was er oder sie dabei sieht.

    Tags:
    Kultur, Werte, Westen, Rede, University of Harvard, USA, Robert De Niro, Alexander Solschenizyn, USA, Russland
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