22:13 15 Dezember 2018
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    Gesellschaft

    „Framing“ – Wenn Sprache zur Waffe wird. Die ARD erklärt, wie es funktioniert

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    Andreas Peter
    92022

    Russischen Medien in Deutschland wird unterstellt, sie würden Propaganda verbreiten. Einseitig, unreflektiert, unwahr. Die ARD Tagesthemen haben ihren Zuschauern nun erklärt, wie Propaganda funktioniert. Am Beispiel von Schlüsselwörtern des Asylstreits. Ungewollt wurde dabei auch klar, dass „Framing“ auch für antirussische Propaganda funktioniert.

    Eines vorweg, das nicht einmal zweieinhalb Minuten lange so genannte Erklärstück der Tagesthemen ist inhaltlich vorbildlich, denn es bringt auf den Punkt, wie die derzeitige Asyldebatte in Deutschland mit bestimmten Schlüsselwörtern vergiftet und in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Oder besser gesagt, gelenkt werden soll.

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    Die im Kurzreport dargestellten Erkenntnisse und Einsichten sind alle zutreffend. Nur, sie funktionieren eben auch bei anderen Themen. Es darf bezweifelt werden, ob in der Redaktion von ARD-Aktuell darüber nachgedacht wird, wie selbstentlarvend bereits die ersten fünf Sätze sind, wenn der Zuschauer sich dabei die Russland-Berichterstattung der ARD vorstellt:

    „Worte und Begriffe, sie bedeuten Macht. Und wer seine Sprache durchsetzt, der bestimmt den politischen Diskurs. Worte geben einen Rahmen vor. Sie helfen Wirklichkeit zu deuten oder umzudeuten. Das ist Framing.“

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    „Wo Sprache ist, da ist immer auch Subtext. Vor allem dort, wo Sprache politisch wird“, hören wir den Autor sagen. Ja, richtig, möchte man antworten. Und fragen, warum liebe Kolleginnen und Kollegen in der ARD bemerkt ihr das eigentlich nicht, wenn ihr über Russland berichtet, über russische Politik? Eure diesbezügliche Berichterstattung ist regelmäßig voll von Subtexten. Aktuell, der bekannt gewordene Vergiftungsfall in Großbritannien. Ihr sprecht von Novichok, obwohl korrekt wäre, von einem Gift der Novichok-Gruppe zu sprechen. Ihr stellt einen Sinnzusammenhang mit dem Fall Skripal her, der bei den meisten Zuschauern natürlich, ob gewollt oder ungewollt, im Kopf wachruft, Moment mal, war das nicht der Fall, wo die Russen einen ihre Ex-Agenten mit solchem Zeug vergiftet haben? Obwohl weder das eine belegt ist, noch irgendetwas im aktuellen Fall bekannt ist, baut ihr mit Überschriften wie „Parallele zum Fall Skripal“ solche Assoziationen auf. Warum? Weil ihr das tut, was euer Experte feststellt?

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    „Das Glas kann halb voll oder halb leer sein, ist der gleich Fakt, aber ganz unterschiedlich geframed. Nämlich einmal optimistisch und einmal pessimistisch. Und Medien sollten hinterfragen, ob eigentlich Fakten so geframed werden, dass wir als Gesellschaft eine zielführende Debatte darüber führen, wie ein bestimmtes Problem gelöst werden kann.“

    Und das betrifft nicht nur die Beziehungen zu Russland. Wir erinnern uns. Als die massenhafte Schnüffelpraxis von NSA und GCHQ bekannt wurde, als sich die Bundeskanzlerin darüber beschwerte, dass die angeblichen US-amerikanischen Freunde ihr Mobiltelefon belauschten, war auffällig, dass tagesschau und tagesthemen geradezu zwanghaft davon sprachen, dass US- und britische Dienste Deutschland und deutsche Bürger ausgespäht hätten. Nicht etwa ausspioniert, bespitzelt oder in der Privatsphäre herumgewühlt oder herumgeschnüffelt. Derart starke Worte werden regelmäßig vor allem für russische geheimdienstliche Aktivitäten gewählt. Aber auch dazu sagt eure Dokumentation dankenswerter Weise alles Notwendige:

    „Eigentlich sind politische Begriffe ja nur Sprache, aber ohne, dass wir es merken, leiten sie unser Denken und können am Ende auch unser Handeln bestimmen.“

    Zum Thema:

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    Tags:
    Propaganda, Asylstreit, neues Denken, Begriffe, Medien, Vergiftung, ARD, Sergej Skripal, Russland, Deutschland
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