02:18 24 Oktober 2018
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    Fallschirmspringer (Symbolbild)

    „Sprung deines Lebens!“ – Bundeswehr geht mit Fallschirm in die Charmeoffensive

    CC BY 2.0 / The U.S. Army / NATO jump
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    Ilona Pfeffer
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    Nach den „Rekruten“, „Mali“ und den „Gebirgsjägern“ präsentiert die Bundeswehr das neueste Reality-Show-Abenteuer. Bei „Die Springer“ kann der Zuschauer fünf jungen Soldaten dabei zusehen, wie sie einen Fallschirmspringer-Lehrgang absolvieren. Schon vorab bekommt unsere Autorin Nachrichten vom Bundeswehr-Bot.

    Ich höre mein Handy vibrieren. Ich werde später nachsehen, wer mir da geschrieben hat, nehme ich mir vor. Kurze Zeit später kommt wieder ein Signal. Und wieder. Na, vielleicht ist es etwas Wichtiges, wenn mir jemand so beharrlich Nachrichten schreibt, denke ich und beschließe, vorsichtshalber doch nachzusehen.

    Angriff der Bundeswehr-Bots

    „Aufgepasst, Kamerad Pfeffer! Ab dem 23.07. startet unsere neue Serie.“ – Ach ja, da ist er wieder, der Chat-Bot der Bundeswehr bei Facebook. Zusammen haben wir schon die Rekruten nach Mali begleitet und ihnen im Winter über die fröstelnden Schultern gesehen, als sie sich als angehende Gebirgsjäger durch verschneite Berglandschaften kämpften und Outdoor im Biwak kampierten. „Dieses Mal geht es wirklich hoch hinaus“, verrät mir der Chat-Bot im Vertrauen und verspricht, in den nächsten Tagen wieder Meldung zu machen.

    Ich werde nicht enttäuscht. In den nächsten Tagen stellt mir der Bot die Obergefreiten Lukas und Valentin, Unteroffizier Ferdinand, Stabsunteroffizier Tobias und Oberfähnrich Christoph vor – die Helden des neuen Bundeswehr-Outdoor-Abenteuers. Der Messenger-Bot verspricht den „ultimativen Adrenalinrausch“ bei der neuen Staffel „Die Springer“ und fordert mich auf: „Mach den Sprung deines Lebens!“

    Fallschirm gesprungen bin ich schon, danke. Aber ich schau mir dann doch die ersten Kurzvideos an, die die Zuschauer auf die neue Staffel (Beginn: 23.07.2018) einstimmen sollen.

    Vier junge Soldaten in Vorfreude auf Action

    Während Lukas (19) sich mit kurzen Facebook-Videos direkt vom Flugplatz meldet und schon mal probeweise die Ausrüstung samt Schirm anlegt, bekomme ich zu den restlichen vier jungen Soldaten Homestories serviert, um sie von ihrer menschlichen Seite abseits des Soldatendaseins kennenzulernen. Da wäre zum Beispiel der zwanzigjährige Valentin aus Regensburg. Soldat sein – damit sei für ihn ein Kindheitstraum wahr geworden, erzählt er. Besonders toll seien dabei das Gefühl der Kameradschaft und die „Action“ im Beruf.

    Action mag Valentin auch privat: Wir sehen ihn, wie er Motorrad fährt, an der schönen Donau entlang. Sein Kamerad Ferdinand bevorzugt das Wandern im Wald. Aber auch er mag Action. Vom Fallschirmspringerlehrgang in Altenstadt erwartet er „Blut, Schweiß, Tränen, Spaß und Adrenalin“, so der Zweiundzwanzigjährige aus der Nähe von Ludwigshafen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Neue Vorhaben nicht realisierbar“: Von der Leyen fordert Erhöhung des Militäretats

    Etwas älter und erfahrener sind Tobias und Christoph, die mir in der nächsten Homestory vorgestellt werden. Tobias ist seit 2010 in der Bundeswehr, doch die Erfahrung schützt nicht vor Ängsten. Bei Tobias ist es die Höhenangst, die er versucht, im Hochseilgarten zu überwinden.

    Cooler gibt sich der neunundzwanzigjährige Christoph. Er legt besonderen Wert auf die physische Fitness und bereitet sich im Fitnessstudio auf die Belastungen des Springerlehrgangs vor. Der bärtige Thüringer hat sich für 13 Jahre verpflichtet, danach möchte er Berufssoldat werden. Vom Springerlehrgang erwarte er „sehr viel Drillausbildung“, und dass die wichtigen Inhalte in die Soldaten „reingeprügelt und reingefleischt“ werden.

    Spiel, Spaß und Abenteuer

    Insgesamt bekomme ich den Eindruck: Das sind Jungs, die sportlich sind und gern in der Natur wandern. Es macht ihnen Spaß, an die eigenen Grenzen und darüber hinauszugehen. Und sie lieben das Leben bei der Bundeswehr, weil es so viel Action bietet. Klingt nach Abenteuer und Spaß pur.

    Über den eigentlichen Sinn und Zweck der Ausbildung, über mögliche Einsätze in Kriegsgebieten, über Lebensgefahr, traumatische Erlebnisse und Verletzungen spricht niemand. Stattdessen bekomme ich unter jedem Youtube-Video nützliche Links zu den Kanälen der Bundeswehr auf Instagram, Facebook, Snapchat und Youtube sowie zur Seite bundeswehrkarriere.de. Zu den abenteuerlich-sportlichen Bildern laufen coole Beats – schließlich ist die Bundeswehr jung und modern.

    Der Chat-Bot auf Facebook spielt dazu mit Bundeswehr-Jargon und locker-spaßigem Befehlston, droht einem auch schon mal mit Liegestützen. Ansonsten gibt er sich Mühe, mich mit allerhand nützlichen Hintergrundinformationen zu versorgen und mir militärische Begriffe zu erklären. Ich darf Fragen stellen, die allerdings vorgegeben sind. Einmal will ich etwas genauer erfahren, was die Bundeswehr eigentlich in Mali macht. Ob die Soldaten unter Umständen auch in Kampfhandlungen verwickelt werden können und ob sie dann scharf schießen, frage ich. Der Bot antwortet, er sei nur ein Bot, er könne das nicht wissen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Trauriger Anblick: Rechnungshof enthüllt elenden Zustand deutscher Bundeswehr – BILD

    Fazit

    Die Bundeswehr geht in die nächste Charmeoffensive im Kampf um den dringend benötigten Nachwuchs. Die Kritik an den vorangegangenen Staffeln, dass der Soldatenberuf als Abenteuerspielplatz dargestellt und verharmlost wurde, scheinen sich die Verantwortlichen nicht wirklich zu Herzen genommen haben. „Kamerad Pfeffer“ holt schon mal das Popcorn.

    Link zum Bundeswehr-Youtube-Kanal….

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    Tags:
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