18:07 17 November 2018
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    Amazon (Symbolbild)

    Gesichtserkennung von Amazon macht aus Politikern Kriminelle

    © REUTERS / Mike Segar
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    Eine Gesichtserkennungssoftware des Online-Riesen Amazon macht aus einigen Politikern in den USA Kriminelle. Das haben Bürgerrechtler bei einem Abgleich mit Fahndungsfotos herausgefunden. Während die Polizei in den USA bereits begonnen hat, das Tool einzusetzen, warnen die Aktivisten vor Verwechslungen und Missbrauch.

    Der Online-Händler Amazon hat unter dem Namen Rekognition eine eigene Gesichtserkennungssoftware entwickelt. Dieses von Amazon selbst als „technisches Wunderwerk“ präsentierte Tool kann man für einen relativ geringen Betrag kaufen und einsetzen. Beste Werbung für seine Erfindung hat Amazon zuletzt bei der royalen Hochzeit in Großbritannien bekommen, als es Journalisten mit Hilfe der Software gelang, diverse Gäste der Hochzeitsgesellschaft zu identifizieren.

    Aus Politikern werden Kriminelle

    Auch Behörden interessieren sich für das Programm. In den USA wird Rekognition bereits in einigen Bezirken von der Polizei eingesetzt. Dagegen protestieren Bürgerrechtler, die nun Fotos amerikanischer Kongressabgeordneter von der Software analysieren ließen – mit einem bemerkenswerten Ergebnis. Wie die Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU) auf ihrer Website mitteilte, wurden 28 der Parlamentarier von der Software mit Kriminellen verwechselt.

    Damit wollten die Bürgerrechtler beweisen, dass die Software für den Einsatz bei der Polizei nicht geeignet und sogar gefährlich ist. Bei dem Test hat die Bürgerrechtsunion die Fotos von 535 Politikern mit Fotos Verhafteter vergleichen lassen, die in den USA von den Behörden im Internet veröffentlicht werden. Besonders auffällig ist, dass viele der von dem Programm fälschlich als kriminell eingestuften Politiker farbig sind. Damit würde einem unheilvollen Trend bei der Strafverfolgung in den USA weiter Vorschub geleistet werden, so die Bürgerrechtler.

    Software war nicht scharf gestellt

    In einer Stellungnahme bemängelt der Herausgeber der Software Amazon, dass für den Test die auf eine Erkennungswahrscheinlichkeit von 80 Prozent justierte Standardeinstellung verwendet wurde. Diese sei eher für die Identifizierung von Gegenständen geeignet. Für die Personenerkennung seien dagegen mindestens 95 Prozent Genauigkeit empfehlenswert.

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    Beim Polizeidienst in den USA gibt es allerdings keine Vorgaben für die Einstellung der Erkennungswahrscheinlichkeit. Genau dies kritisieren die Bürgerrechtler und warnen vor Verwechslungen. Außerdem sei es unverantwortlich, dass jedermann, auch Behörden, ein Programm, das die Persönlichkeitsrechte betrifft, frei zugänglich, für gerade einmal 12,33 Dollar erwerben können.

    Gesichtserkennung stoppen

    Die Bürgerrechtsunion fordert nun: „Der Kongress muss diese Bedrohungen ernst nehmen, das Ganze stoppen und Gesichtserkennung als Mittel der Strafverfolgung unterbinden.“ Die Bürgerrechtler kämpfen in den USA dafür, dass die Amazon-Software von der Polizei nicht mehr eingesetzt wird. Die Gefahr von Verwechslungen und speziell der Benachteiligung farbiger Bürger sei zu groß.

    Für die Behörden ist die Gesichtserkennungssoftware allerdings eine ungewöhnlich preiswerte Methode, Aufnahmen aus dem Einsatz der Polizisten mit den Fahndungsfotos ihrer Datenbanken abzugleichen. Statistische Daten zum Erfolg des Einsatzes der Software bei der amerikanischen Polizei liegen bisher nicht vor.

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    Diskriminierung, Datenschutz, Überwachung, Skandal, Gesichtserkennung, Kriminelle, Abgeordnete, Amazon, US-Kongress, USA