07:39 19 August 2018
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    ein Mann am Computer (Symbolbild)

    Vorsicht Falle: Abzocke auf Kosten von Vox, Bild, Focus und Zeit Online

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    Gesellschaft
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    Marcel Joppa
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    „Auch SIE können in nur 7 Tagen richtig reich werden“ – Falsche Versprechen wie dieses sind im Internet nicht selten. Doch nun macht ein Angebot im Netz auf sich aufmerksam, das von gleich mehreren seriösen Medien empfohlen wird. So auch von der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“, Zeit Online und vielen mehr. Vorsicht Falle!

    Gleich mehrere Webseiten sind derzeit im Umlauf, die allesamt auf eine „kluge“ Investitionsmöglichkeit im Internet aufmerksam machen. So kursiert beispielsweise ein Artikel der Hamburger Morgenpost mit der Überschrift „Die Höhle der Löwen abgesetzt“ im Netz. Oder auch ein Artikel von Zeit Online mit dem Titel „Der größte Deal in der Geschichte der Höhle der Löwen kann SIE in nur 7 Tagen (richtig) reich machen“.

    Großer Fake statt großer Reichtum

    Der Fake-Artikel wirbt außerdem damit, dass das Thema auch bei Spiegel Online, Yahoo, der Bild, Focus Online und T-Online aufgegriffen wurde. In dem Text geht es um einen sogenannten „Bitcoin-Trader“, den zwei Studenten in der Start-Up-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox vorgestellt haben sollen. Der Artikel startet mit dem Satz:

    „Bei ihrem Auftritt in der erfolgreichen Vox-Sendung ‚Die Höhle der Löwen‘ warben zwei Studienfreunde für ihre Idee von einer automatisierten Bitcoin-Handelsplattform mit dem Namen Bitcoin Trader. Die Idee war simpel: dem Durchschnittsmenschen die Möglichkeit geben, vom Bitcoin-Boom zu profitieren, selbst wenn er keinerlei Investitions- oder Technologieerfahrung hat.“

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    Als Benutzer müsse man nur eine Ersteinzahlung auf der Plattform von 250 Euro oder mehr tätigen, und ein Handelsalgorithmus beginne sofort zu arbeiten. Dies sei, so der Artikel, in der Vox-Sendung live ausprobiert worden und habe die Anfangsinvestition von 250 Euro in nur wenigen Minuten auf rund 323 Euro anwachsen lassen.

    Bitte nicht nachmachen!

    Was dann in dem Artikel folgt, ist eine Beschreibung, wie alle fünf Experten in der Show sofort bereit gewesen seien, zu investieren. Vor allem zwischen Carsten Maschmeyer und Georg Kofler soll schnell ein „Bieterkrieg“ ausgebrochen sein. In dem Text heißt es dazu:

    „Maschmeyer überbot Kofler – 2,5 Millionen € für 25 %. Daraufhin konterte Kofler mit einer revidierten Bewertung – 2,5 Millionen für 20 % –, womit er das Unternehmen auf 12,5 Millionen schätzte. Nach einigem Hin und Her akzeptierten die Unternehmer das Angebot schnell. Damit schlossen sie den größten Deal in der Geschichte der ‚Höhle der Löwen‘ ab.“

    Der Text endet natürlich mit der Aufforderung an die Leser, den Bitcoin-Trader selbst auszuprobieren. Zudem gibt es von jedem „Löwen“ noch einmal ein Zitat, wie toll das Angebot sei.

    Klagewelle statt Bieterkrieg

    Doch bei einer kurzen Recherche wird schnell klar: Die besagte Ausgabe der Vox-Sendung hat es nie gegeben. Auch Carsten Maschmeyer erklärt laut Medienberichten, dass das „Bitcoin Trader“-Angebot nie Teil der Show gewesen wäre und damit Fake sei. Das Internetportal Zeit Online geht noch einen Schritt weiter, eine Sprecherin erklärte auf Anfrage:

    „Bei dieser Seite handelt es sich natürlich um eine rechtswidrige Nutzung unserer Marke Zeit Online. Es besteht keinerlei Verbindung zwischen uns und diesem Anbieter. Unsere Rechtsabteilung prüft derzeit, welche Maßnahmen wir dagegen einleiten können.“

    Ähnlich will Vox die Angelegenheit klären. Der Sender will ebenfalls rechtliche Schritte prüfen.

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    Fakenews!

    Unter den im Netz verbreiteten Artikeln ist stets ein Link zum „Bitcoin Trader“ zu finden. Was dort direkt auffällt: Ein fehlendes Impressum. Auch Verbraucherschützer mahnen dringend, um das vermeintliche Start-Up-Unternehmen einen Bogen zu machen. Der „größte Deal in der Geschichte der ‚Höhle der Löwen‘“ entpuppt sich also als riesengroßer Fake. Wer in sieben Tagen (richtig) reich werden will, muss sich etwas anderes einfallen lassen.

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    Tags:
    Medien, Bitcoin, Fakes, Internet, Deutschland
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