19:37 18 Oktober 2018
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    Wählt sie ab! – Befürworter schärferer Waffengesetze in den USA geben nicht auf

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    Andreas Peter
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    © AFP 2018 / Jason Connolly

    Erneut hat es in den USA massive Proteste gegen die National Rifle Association of America (NRA) gegeben. Der Waffenlobbyorganisation wird Einmischung in die Politik vorgeworfen. Die NRA verhindere schärfere Waffenkontrollgesetze, so die Demonstranten. "Vote them out! - Wählt sie ab!", war deshalb eine der am meisten skandierten Parolen.

    Es war nicht die erste Demonstration vor der Zentrale der mächtigen US-Waffenlobbyorganisation NRA in Fairfax im Bundesstaat Virginia. Und es wird nicht die letzte gewesen sein. Die Wut wächst bei immer mehr US-Amerikanern, weil immer mehr betroffen sind.

    „Die NRA stellt insbesondere sicher, dass jeder Zugang zu einer Waffe haben kann. Wenn sie das nicht täte, würde sie die wichtigsten allgemeinen Waffenkontrollgesetze befolgen, doch das wird sie nicht tun. Und sie hat nicht nur die Republikaner im Würgegriff, sondern allgemein viele Politiker. Es gibt keine Gemeinschaft in den USA, die nicht von beinahe täglicher Waffengewalt betroffen ist.“ (Diane Shenton, Demonstrantin, Fairfax, Virginia, USA, 04.08.2018)

    Die Demonstranten betonen, dass sie keineswegs, wie immer wieder von Waffenfanatikern behauptet, Waffenbesitz an sich verbieten wollten. Die Demonstranten wollen endlich striktere Kontrollen, wer Waffen besitzen darf und wer nicht.

    „Unsere Forderungen sind generelle Überprüfungen von Strafregistern. Ungefähr 20 bis 25 Prozent der Waffen werden nach wie vor über das Internet erworben oder bei Privatverkäufen, wo es keine kriminellen Hintergrunduntersuchungen gibt.“ (Julie Keller, „Brady Campaign to Prevent Gun Violence”, Fairfax, 04.08.2018)

    >>Andere Sputnik-Artikel: Waffen aus dem 3D-Drucker: Trumps Regierung angeklagt

    Die Wut vieler US-Amerikaner über die engen Verbindungen zwischen NRA und Politik ist groß. Erstaunlicherweise setzen manche Demonstranten Hoffnung in einen Mann, von dem man das wohl am allerwenigsten erwarten würde.

    „Es ist traurig, dass wir wohl ein weiteres Waffenmassaker erleben müssen, wenn wir nicht handeln und etwas ändern. Aber eine Änderung wird kommen. Wir haben eine Chance. Ich mag Präsident Trump nicht, ich muss das zugeben, aber manchmal hat er ein bisschen gesunden Menschenverstand, was Waffenkontrollen betrifft. Man weiß es nie, du kannst es nie wissen. Er war ein Demokrat, der Waffengesetze unterstützte, man weiß es einfach nicht, aber egal, ob er im Amt ist oder nicht, das spielt keine Rolle. Die Öffentlichkeit will allgemeine Waffenkontrollgesetze.“ (Edward Hale, Lehrer, Fairfax, 04.08.2018)

    Natürlich gab es in Fairfax auch Gegenstimmen aus dem Lager der Waffenenthusiasten. Sie waren allerdings in der deutlichen Unterzahl. Ihre Argumente gegen die Forderungen der Demonstranten sind nicht neu und basieren auf Argumentationsvorgaben der NRA.

    “Waffenkontrolle löst gar nichts, okay? Wie konnten all die Schießereien in waffenfreien Zonen geschehen? Warum? Weil es keine legal bewaffneten Bürger gibt und niemanden, der die Schießereien stoppt. Ein guter Mann mit einer Waffe stoppt einen bösen Mann mit einer Waffe. Das Alter für Waffenbesitz auf 21 zu erhöhen bringt gar nichts. Guck doch auf das Texas-Massaker, der Typ war 17, es hätte gar nichts genutzt. Wir brauchen Bürger mit legalen Waffen, die diese Dinge stoppen.“ (Elizabeth Najjar, „March for Our Rights“, Fairfax, 04.08.2018)

    Die Demonstranten in Fairfax wollen andere Dinge unterbinden. Waffen aus 3D-Druckern zum Beispiel. Der Zugang im Internet konnte in der sprichwörtlich letzten Sekunde gestoppt werden. Vorerst.

    >>Andere Sputnik-Artikel:#oneless: Amerikaner zersägen ihre Waffen – Reaktionen auf den Amoklauf in Florida

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    Demonstranten, 3D-Drucker, Zugang, Waffen, National Rifle Assoziation (NRA), USA
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