20:18 09 Dezember 2018
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    Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein

    Spenden für den Donbass: Endspurt für das MRT-Gerät von Lugansk

    © Foto : Zukunft Donbass
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    Armin Siebert
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    Das Aktionsbündnis „Zukunft Donbass“ aus Thüringen hat im April 2018 das erste und einzige MRT-Gerät in die selbsternannte Volksrepublik Lugansk in der Ostukraine geliefert. Jetzt braucht der Verein dringend Spenden, um das Gerät anzuschließen. Auch Ärzte und Kliniken in Deutschland helfen inzwischen dem Donbass.

    Im April 2018 ist es dem Verein „Zukunft Donbass“ gelungen, ein MRT-Gerät, das von einer deutschen Uni-Klinik gespendet wurde, in die Volksrepublik Lugansk in der Ostukraine zu bringen. Sputnik hatte berichtet. Allerdings fehlt als letzter Baustein noch ein sogenannter Chiller (Kälteerzeuger) für die Installation. Dieser muss nun für 4000 Euro erworben werden. Dafür sammelt der Verein aktuell Spenden auf der Plattform Betterplace. Ein MRT-Gerät dient zur Kernspintomografie, einem Verfahren zur Darstellung der Organe des Körpers zur medizinischen Diagnostik. Das deutsche MRT in Lugansk ist das einzige in der Region und soll für die etwa 100.000 Einwohner kostenlos sein.

    Zehn Transporte in zwei Jahren

    Das Thema Ostukraine ist fast verschwunden aus den Medien. Das Aktionsbündnis „Zukunft Donbass“ setzt trotzdem unbeirrt seine Arbeit fort. Es ist beachtlich und in Deutschland beispiellos, was dieser kleine Verein mit gerade einmal sechs Leuten unentgeltlich leistet.

    • Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
      Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
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    • Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
      Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
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      Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
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      Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein
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    Hilfstransport mit Kindernahrung von „Zukunft Donbass“ trifft in Lugansk ein

    Seit gut zwei Jahren schicken die ukrainischstämmige Dr. Raissa Steinigk, die seit über 40 Jahren in Deutschland lebt, ihre Tochter Iwana und vier freiwillige Mitarbeiter regelmäßig Transporte mit Hilfslieferungen auf die lange Reise in die Ostukraine. Da Transportunternehmen aus Deutschland die Zusammenarbeit verweigerten, arbeitet der Verein mit einer Logistikfirma aus Belarus zusammen. Außerdem wählen sie den Umweg über Russland in die Volksrepubliken, da die Einreise über die ukrainische Grenzlinie in die abtrünnigen Gebiete durch aufwendige Kontrollen und Wartezeiten behindert wird. Auf diesem Wege ist es dem Verein gelungen, bisher zehn Transporte nach Lugansk zu schicken.

    Der Konflikt im Osten der Ukraine brach aus, als sich die beiden Regionen nach dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch 2014 für unabhängig erklärten. Die neuen Machthaber in Kiew schickten daraufhin die Armee in den Donbass, um die Gebiete zurückzuerobern. Dies führte zu heftigen Gefechten mit insgesamt über 10.000 Toten, darunter viele Zivilisten. Trotz einer beidseitigen Waffenruhe, die unter Vermittlung Frankreichs, Deutschlands und Russlands erreicht wurde, kommt es fast täglich zu Schüssen an der Demarkationslinie zwischen den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk und der Ukraine. Die Lage für die gut zwei Millionen Menschen in den Volksrepubliken ist, vor allem entlang der Frontlinie, prekär. Humanitäre Unterstützung kommt vorwiegend aus Russland, aber auch von einigen wenigen internationalen Hilfsorganisationen.

    Spenden für Krankenhäuser und Kinderheime

    Konkret sammelt der Verein „Zukunft Donbass“ Spenden für Krankenhäuser und Kinderheime im Gebiet Lugansk.

    Da die Krankenhäuser ebenfalls unter Beschuss geraten, von Granaten getroffen und beschädigt werden, ist die Aufrechterhaltung der Arbeit der Ärzte und des Krankenhauspersonals lebensnotwendig.

    Leidtragende des Krieges sind auch Kinder. So hat der Verein „Zukunft Donbass“ seine Arbeit auf Kinderheime ausgeweitet. Erst im Mai dieses Jahres hatte das Aktionsbündnis einen LKW mit neun Tonnen Kindernahrung, die von der Firma Hipp gespendet wurde, nach Lugansk gebracht.

    „Das sind unsere Brüder und Schwestern“

    Neben Privatspenden für konkrete Projekte werden von dem Verein regelmäßig Kliniken und Arztpraxen, die Geräte aussortieren und dem Hilfsprojekt unentgeltlich zur Verfügung stellen können, als potentielle Spender angesprochen. Auch Hersteller für medizinische Geräte können helfen. So hat aktuell die Firma VitaSoniK Production aus Bayern fünf neue Ultraschallgeräte zur Schmerzbehandlung zur Verfügung gestellt. Wir haben mit dem Geschäftsführer des mittelständischen Herstellers medizinischer Produkte, Erich Helgert, gesprochen.

    Herr Helgert, wie haben Sie von dem Aktionsbündnis „Zukunft Donbass“ erfahren?

    Ich habe einen Bericht über den Donbass und das Leid dort gesehen. Bei der Recherche, wer denn dort hilft, sind wir auf die Frau Steinigk gestoßen. Nach einer Konferenzschaltung mit ihr haben wir dann sofort gesagt, wir werden spenden. Und da wir eine Technologie haben, die den Menschen dort gut helfen kann, haben wir beschlossen, so unseren Beitrag zu leisten. Also erst einmal keine Geldspende – das kommt bestimmt auch noch –, sondern eben unsere Geräte, um den Menschen schnellstmöglich zu helfen. Sie leben dort zum Teil in Ruinen und haben Lungenprobleme und Entzündungen, die mit unserem Gerät gut und schnell behandelt werden können.

    Meinen Sie, die Spenden sind beim Aktionsbündnis „Zukunft Donbass" in guten Händen?

    Wir gehen davon aus. Wenn wir Geräte spenden, wollen wir natürlich auch einen Nachweis haben, dass sie dort ankommen sind und in den Kliniken eingesetzt werden bei Unfallpatienten oder auch bei Menschen mit Schusswunden zur Nachbehandlung. Uns ist wichtig, dass damit kein Geld verdient wird.

    Meinen Sie, es würden auch andere Unternehmer aus Ihrer Branche spenden?

    Wir haben schon mehrere Ärzte und Kliniken, die unser Gerät einsetzen, angeschrieben, dass sie Geräte, die sie nicht mehr brauchen, aber die noch funktionieren, bevor sie weggeworfen werden, lieber an Frau Steinigk liefern. Sie sollen sich aber direkt an „Zukunft Donbass" wenden, dass das offiziell abläuft.

    Tauschen Sie sich denn mit Kollegen oder Freunden über das Thema aus?

    Da gibt es solche und solche Reaktionen. Es gibt halt immer Menschen, die glauben, was bei uns in den Medien gezeigt wird, ohne die Hintergründe zu hinterfragen. Sie verstehen nicht, dass in der Ukraine eine legitim gewählte Regierung durch einen Putsch abgesetzt und eine nichtlegitime Regierung eingesetzt wurde.

    Die Menschen im Donbass kämpfen für ihr Land. Das ist etwas, was den meisten Deutschen inzwischen fehlt. Diese Liebe zum eigenen Land und zu seinen Mitmenschen. das muss wieder kommen. Deshalb ist es auch wichtig, dass es Medien wie Sputniknews gibt, die die Wahrheit bringen.

    Was bekommen Sie mit von dem Leben in der dortigen Region?

    Wir können uns nur übers Internet informieren. Denn das, was in unseren großen Medien gezeigt wird, ist eine bodenlose Frechheit. Da wird nicht die Wirklichkeit gezeigt, sondern uns eine Matrix vorgespielt. Das ist eher Desinformation. Wenn jeder Deutsche tatsächlich sehen würde, was da passiert, und jeder nur einen Euro zur Verfügung stellen würde, könnte man da unten wahnsinnig viel bewirken.

    Nun könnten Sie ja auch für Krankenhäuser in Afrika spenden. Warum gerade in der Ukraine?

    Weil das unsere Brüder und Schwestern sind. Das haben russische Forscher festgestellt. In Russland, in Deutschland, in Europa, in der Ukraine haben alle Menschen die gleichen Gene.

    Freilich könnten wir auch nach Afrika spenden. Da hätten wir aber das Problem, dass wir nicht kontrollieren können, ob die Geräte verkauft oder tatsächlich kostenlos den Krankenhäusern übergeben werden.

    Wenn der Krieg im Donbass vorbei ist – und ich hoffe, das wird nicht mehr lange dauern –, habe ich dann auch die Möglichkeit, wenn uns mitgeteilt wird, in welchen Krankenhäusern die Geräte sind, mir vor Ort selbst ein Bild zu machen.

    Sie können das Aktionsbündnis „Zukunft Donbass" unterstützen über Spenden auf der Plattform Betterplace.

    Das Interview mit Erich Helgert zum Nachhören:

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    Tags:
    Bürger, Lebensmittel, Wiederaufbau, Krieg, Menschen, Transport, humanitäre Hilfe, Spende, Hilfe, betterplace.org, Ukraine, Deutschland, Lugansk, Donezk, Ostukraine, Donbass