02:26 16 August 2018
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    Kinder bei der Protestaktion gegen Sterbehilfe in Brüssel (Archivbild)

    Belgien wendet erstmals Sterbehilfe bei Kindern an

    © AP Photo / Virginia Mayo
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    In Belgien wurde Sterbehilfe erstmals auch bei Minderjährigen angewandt, wie aus einem Bericht der belgischen Sterbehilfe-Kommission hervorgeht. In drei Fällen wurde 2016 und 2017 der Sterbehilfe für unheilbar erkrankte Kinder und Jugendliche zugestimmt.

    Ein Bericht der belgischen Sterbehilfe-Kommission hat drei Fälle dokumentiert, in denen in den vergangenen zwei Jahren drei Patienten, die jünger als 18 Jahre alt waren, zur Sterbehilfe zugelassen wurden. Die Kommission betonte in ihrem Bericht, dass in allen drei Fällen "auf sehr sorgfältige Art und Weise" entschieden wurde. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei neben dem Wunsch der Patienten der Fakt gewesen, dass die jungen Patienten an „unheilbaren und sehr schweren Erkrankungen“ litten, die in kurzer Zeit zum Tod geführt hätten. Dem Bericht zufolge hatte ein 9-jähriger Patient die unheilbare Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, ein 11-jähriger litt unter einem bösartigen Hirntumor und ein 17-jähriger Jugendlicher hatte die seltene Krankheit Duchenne-Muskeldystrophie, eine bestimmten Art des Muskelschwunds.

    In Belgien ist Sterbehilfe bereits seit 2002 erlaubt. Damit waren sie das erste Land weltweit, in dem Sterbehilfe gesetzlich zugelassen ist. Das besonders freizügige Gesetz erlaubt den Ärzten, selbst zu entscheiden, in welchen Fällen unheilbar erkrankter Patienten Sterbehilfe angewandt wird. Voraussetzung ist, dass der Patient unter sehr starke Schmerzen leidet und es keine weiteren Therapieaussichten gibt. 2014 wurde das Gesetz vom belgischen Parlament auch auf Minderjährige erweitert. 2016 kam es erstmals bei einem Patienten unter 18 Jahren zur Anwendung. Hierfür war die Zustimmung der Eltern notwendig.

    Aktive Sterbehilfe, also die gezielte Herbeiführung des Todes durch den Arzt, zum Beispiel durch Verabreichung einer Überdosis eines Schmerz- oder Beruhigungsmittels, ist in den meisten Ländern der EU verboten. Nur in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden ist eine Tötung auf Verlangen gesetzlich erlaubt. In den Niederlanden gilt diese Regelung auch für Minderjährige ab 12 Jahren und in Luxemburg für Jugendliche ab 16 Jahren. In Deutschland ist nur die passive Sterbehilfe, also der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, erlaubt.

    Tags:
    Patienten, Erkrankung, Sterbehilfe, Kinder, Belgien
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