01:54 19 September 2018
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    Migranten an der Österreichs Grenze (Archiv)

    Afghane nicht schwul genug für Österreich – Behörde argumentiert mit Klischees

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    Gesellschaft
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    Ein Afghane, der wegen seiner Homosexualität in Österreich Asyl beantragt hatte, soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Die Meinung der Behörde lautet, der Mann sei gar nicht schwul. Begründet wird diese Ansicht mit Klischees.

    Er ist 18 Jahre alt. Er kam allein nach Österreich und beantragte dort Asyl. Der Grund: In seinem Heimatland fühlt sich der Afghane wegen seiner Homosexualität nicht sicher. In Afghanistan ist seine Orientierung gesellschaftlich nicht akzeptiert. Regelmäßig flüchten Schwule und Lesben auch aus diversen afrikanischen und arabischen Staaten.

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    Doch der junge Mann darf nicht bleiben. Sein Antrag wird abgelehnt, wie die Wiener Wochenzeitung „Falter“ berichtet. Der zuständige Beamte soll nämlich die Homosexualität der Asylbewerbers infrage gestellt haben – mit einer sehr eigenwilligen Begründung. Im Bescheid wird mit Stereotypen argumentiert: „Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten.“

    Außerdem heißt es dort: „Es wird berichtet, dass Sie öfter Auseinandersetzungen mit anderen Zimmergenossen hatten. Ein Aggressionspotential ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre.“ Und weiter: „Freunde hätten Sie nicht sehr viele, steht in dem Bericht ebenso. Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?“

    Der Beamte widerspricht weiter der Angabe des Mannes, er habe auch nicht-homosexuelle Jungen geküsst. Die Begründung hier lautet: „Hätten Sie das tatsächlich bei einem nicht homosexuellen Jungen gemacht, dann hätten Sie furchtbare Prügel bezogen.“ Und auch die Angabe des Afghanen, er habe sich schon früh für Männer interessiert, will er so nicht stehen lassen und kontert: „Ihre behaupteten homosexuellen Gefühle im Alter von bereits zwölf Jahren können nicht nachvollzogen werden, da das der Behörde recht früh erscheint. In einer wenig sexuellen Gesellschaft wie der afghanischen, in der es in der Öffentlichkeit keine sexuellen Reize durch Mode und Werbung gibt, ist es nicht sehr wahrscheinlich, bereits so früh ‚sexualisiert‘ zu werden.“ Der letzte Satz des Bescheids lautet nach dem „Falter“: „Sie sind nicht homosexuell und haben daher bei Ihrer Rückkehr nach Afghanistan nichts zu befürchten.“

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    Das österreichische Verfassungsgericht hatte im Oktober 2014 entschieden, dass homosexuelle Flüchtlinge nicht in ihr Heimatland zurückgeschickt werden dürfen, wenn sie ihre Sexualität geheim halten oder „Zurückhaltung beim Ausleben der sexuellen Ausrichtung üben“ müssten.

    Der Asylbewerber aus Afghanistan hat gegen den Bescheid Einspruch eingelegt.

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    Migranten, Aggression, Behörden, Schwule, Bewerber, Asyl, Afghanistan, Österreich