06:29 17 Dezember 2018
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    CO2-Tag beim Bundestag (Symbolbild)

    Vernichtende Bilanz der Umwelthilfe: Die Dreckschleudern der deutschen Politiker

    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ
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    Paul Linke
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    Eine enttäuschende CO2-Bilanz hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Dienstag amtierenden Politikern ausgestellt. Nach DUH-Berechnungen erreichte keines der untersuchten Dienstfahrzeuge die aktuelle EU-Vorgabe. 62 Prozent haben immer noch einen Dieselantrieb.

    Dem diesjährigen Vergleich der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge ist von den Politikern aus dem aktuellen Bundeskabinett die Justiz- und Verbraucherministerin Katarina Barley (SPD) die verbrauchsintensivste Politikerin mit dem CO2- und verbrauchsstärksten Dienstwagen – einer Diesel-Limousine mit einem „realen CO2-Ausstoß“ von 235 Gramm je Kilometer (g/km). Platz zwei belegt das Auto von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Den dritten Platz teilt sich der Verkehrsminister Andreas Scheuer mit Agrarministerin Julia Klöckner (CDU). 229 g/km kommen bei Müller aus dem Auspuff, bei Scheuer und Klöckner 224 g/km – Begleitfahrzeuge selbstverständlich nicht eingerechnet. Vergleichsweise am klimafreundlichsten fahren Bildungsministerin Anja Karliczek (193 g/km) und Umweltministerin Svenja Schulze (200 g/km) von der SPD.

    Auch die Landesregierungen wurden in die Analyse eingebunden. Dabei landete Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) auf dem ersten Platz unter den Umweltsündern. Sein Benziner kommt auf eine Emission von 408 g/km. Ihm folgten die CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) aus Nordrhein-Westfalen und Volker Bouffier (CDU) aus Hessen mit je 376 g/km. Am besten schnitt unter den Länderchefs Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ab. Sein Benzin-Hybrid, der teils elektrisch fährt, kommt auf 171 g/km.

    Von der EU-Vorgabe weit entfernt

    Die Politiker seien damit weit von der EU-Vorgabe von 95 g/km ab 2021 entfernt. Unter Berücksichtigung der realen Verbrauchswerte hält kein einziger Dienstwagen der 236 Befragten den aktuellen CO2-Grenzwert der EU von 130 g/km ein. Besonders kritisch betrachtet die Umwelthilfe, dass kein Dienstwagen der Landes-Umweltminister den EU-Grenzwert einhält. Die Dreckschleudern der Umweltminister aus Hessen (218 g/km), Baden-Württemberg (225 g/km) und Nordrhein-Westfalen (235 g/km) bilden die Schlusslichter. Mit 164, 165 und 171 g/km sind die Werte der Umweltminister aus Berlin, Hamburg und Bremen am niedrigsten.

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    Zudem blieben 146 von 235 Politikern (62 Prozent) dem Dieselantrieb treu. Der Trend gehe allerdings hin zu mehr Plug-In-Hybriden. Der Anteil der Benzin-Plug-In-Hybride ist von 23 auf 28 Prozent gestiegen. Der Anteil der konventionellen Benziner ist von vier auf neun Prozent geklettert.

    „Mit Vollgas in die Heißzeit“

    Die DUH-Experten fordern die Bundes- und Landespolitiker dazu auf, sich bei der Wahl ihrer Dienstwagen für saubere und gleichzeitig klimafreundliche Fahrzeuge zu entscheiden. „Dass der Verkehrssektor mit Vollgas eine Heißzeit beschleunigt, ist auf das rückgratlose Verhalten der Regierungen gegenüber einer Automobilindustrie zurückzuführen, die auf immer schwerere und stärker motorisierte Fahrzeuge setzt und Klimapolitik als Lippenbekenntnis verhöhnt. Diese Haltung ist dafür verantwortlich, dass Deutschland seine nationalen Klimaschutzziele nicht erreichen wird“, bemängelt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH.

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    DUH-Abgasmessungen umstritten

    Die Angaben der Autohersteller sind jedoch nicht identisch mit der „realen“ Definition der DUH zum offiziellen CO2-Normausstoß und liegen deutlich darunter. Die Umwelthilfe berechnet bei ihrer Erhebung die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb und stützt sich dabei auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT, der unter anderem den VW-Abgasskandal aufdeckte.

    Somit bleibt weiterhin umstritten, wie Abgas-Messungen ausgelegt werden sollen. Für neuzugelassene Autotypen auf dem Prüfstand soll ab September in der EU der realitätsnähere Standard WLTP gelten. Ab 2021 sollen alle neu zugelassenen Pkw in der EU im Schnitt einen CO2-Grenzwert von 95 g/km einhalten. Der Ausstoß des Treibhausgases ist an den Verbrauch gekoppelt.

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    Tags:
    Abgasen, CO2, Umwelt, Skandal, VW-Konzern, EU, Deutschland