16:24 19 September 2018
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    Palma de Mallorca (Archivbild)

    Mallorca: So ergattern deutsche Auswanderer Kindergeld

    © Sputnik / Igor Michaljow
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    Bolle Selke
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    Zahlt Deutschland Kindergeld ins Ausland? Ja, aber nicht hauptsächlich in den europäischen Osten, sondern auf die spanische Insel Mallorca. Zahlreiche deutsche Auswanderer würden Scheinwohnsitze unterhalten, um die Leistung zu beziehen, behauptet die „Mallorca Zeitung“.

    „Die Zahl der auf Mallorca lebenden und arbeitenden Familien, die in der deutschen Heimat einen Scheinwohnsitz behalten, um die rund 200 Euro pro Kind zu kassieren, könnte größer sein als die vereinzelten in der heimischen Presse diskutierten Betrugsfälle“, schreibt der Autor in der „Mallorca Zeitung“ (MZ) und beruft sich auf der MZ bekannte Fälle.

    Lebt und arbeitet eine deutsche Familie auf Mallorca, hat sie kein Anspruch auf deutsches Kindergeld. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt gegenüber der MZ:

    „Wenn Sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben und im Ausland wohnen, können Sie Kindergeld erhalten, wenn Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind oder entsprechend behandelt werden.“ Dabei sei egal, wo die Kinder leben.

    Arbeitet man also in Deutschland, zahlt dort seine Abgaben, und die Kinder gehen auf Mallorca zur Schule ist Kindergeld rechtens. Das gilt übrigens auch für EU-Bürger aus Rumänien oder Bulgarien.

    Spanien zahlt keine vergleichbare Leistung zum Kindergeld. Gerade für mehrköpfige Familien kann das ein beträchtlicher Ausfall sein. Deswegen scheinen einige Auswanderer nicht gewillt zu sein, auf das Geld zu verzichten. Die MZ schreibt:

    „Mehrere deutsche Residenten berichten gegenüber der MZ von Eltern, die einen Wohnsitz in Deutschland behalten und Kindergeld beziehen – seit Jahren und mit schlechtem Gewissen.“

    In einem Fall seien es drei Kinder, deren Familie seit über zehn Jahren auf der Balearischen Insel leben würde und nur zum Verwandtenbesuch die Heimat besuchen würde. Andere würden ihre Kinder erst auf einer deutschen Schule anmelden, um dann den Lehrern mitzuteilen, dass die Familie in Spanien lebe.

    „Wenn dein Kind nicht in Deutschland gemeldet ist, fragt auch keiner wegen der Schulpflicht nach“, erklärt ein Vater gegenüber der MZ.

    Im deutschen Konsulat in Palma sei der Kindergeldbetrug vorerst kein Thema: „Dem deutschen Konsulat sind keine Fälle eines rechtswidrigen Bezugs von Kindergeld auf Mallorca bekannt“, erklärt Konsulin Sabine Lammers auf Anfrage der MZ.

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    Tags:
    Expats, Kindergeld, Auswanderung, Betrug, Diebstahl, Insel, Kinder, Mallorca, Spanien, Deutschland