14:04 10 Dezember 2018
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    Abzug der Sowjetarmee aus der DDR

    Wünsdorf erinnert sich an Russen, an Freunde – Bildband-Autor

    © Foto : Detlev Steinberg
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    Nikolaj Jolkin
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    Die Russen sollten zurückkommen und die Deutschen ein zweites Mal befreien, äußerte sich Andreas Franke, einer der Autoren des Bildbandes „Eine russische Stadt in der DDR – 20 Jahre nach dem Abzug der Sowjetarmee“, scherzhaft im Sputnik-Gespräch.

    Es gebe bestimmt auch Menschen, die froh seien, dass die Russen weg sind, sagte er im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin in Moskau. „Es gibt aber viele, die sagen: Mensch, das war einmal gut, dieses Zusammenleben.“ Franke gehöre zu den pragmatischen Leuten, „die denken, alles hat seine Zeit. Es war historisch bedingt und auch erforderlich, dass die Russen da waren, und dann war es auch Zeit, dass sie verschwinden.“ Detlev Steinberg und Andreas Franke wollten mit dem Buch an diese Beziehung, die auch wechselseitig war, erinnern. Und natürlich auch an die Geschichte von Wünsdorf.

    Es gebe jedoch genügend in, sagen wir, Ramstein, „die noch da sind und auch verschwinden sollten, amerikanische und britische Truppen. Alle sollten nach Hause gehen.“ Franke würde gerne auch ihren Abzug dokumentieren. „Und besser morgen als in zehn Jahren. Aber ich denke, dass ich in meinem Leben dazu nicht die Gelegenheit haben werde. Die Briten wollten schon gehen und haben ihre Anwesenheit in Deutschland noch einmal um einige Jahre verlängert. Und besonders die Amerikaner werden noch sehr lange in Deutschland bleiben.“

    Erinnerungen an Russen, die Freunde in Wünsdorf

    Andreas Franke
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Andreas Franke

    Dort seien auch heute noch viele Symbole zu sehen, sagt der Fotograf, der in diesem Traditionsort lebt. „Wir haben zwei Lenin-Figuren, Der eine Lenin steht unter Denkmalschutz, den darf man nicht abreißen. Im Gegenteil, man muss ihn restaurieren. Und es gibt auch in verschiedenen Gebäuden noch Spuren – Wandgemälde zum Beispiel. Das geht bis zu,Prawda‘-Zeitungen am Fußboden.“

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    Es gebe das alte deutsche Parkett, Parkettfußböden, erörtert Franke. „Die Russen haben Zeitung darauf gelegt und dann Kunststoff, PVC-Boden. Und wenn man heute den Boden abmacht, sieht man die,Prawda‘-Zeitungen. Die russischen Spuren sind heute noch überall in Wünsdorf zu sehen.“

    Erinnerungs- und Gedenkkultur

    Auch in Moskau hat Andreas Franke der Umgang mit der Geschichte überrascht, „wie man mit der sozialistischen oder kommunistischen Vergangenheit, wie man sie immer bezeichnen mag, umgeht. In Deutschland versucht man, diese alten Symbole zu beseitigen. Und in Moskau haben wir überall Lenin gesehen, in verschiedene Größen steht Lenin herum. Ich habe gestern Abend hier sogar ein Ernst-Thälmann-Denkmal fotografiert.“

    Franke fährt fort: „Zwar haben wir auch noch einen Ernst Thälmann in Berlin, sehr groß, aber der ist im unteren Bereich mit Graffiti beschmiert. Man lässt das bei uns entweder zerfallen, oder man macht das weg. Und hier hat man irgendwie eine Lösung gefunden, die Vergangenheit in der Gegenwart weiterleben zu lassen, ohne dass man die Vergangenheit beschönigt. Aber man versucht sie auch nicht wegzumachen.“

    Beim Verteidigungs- und Außenministerium könne man noch die alten sowjetischen Symbole sehen, so Franke. „Und man lässt das als historische Erinnerung stehen. Man nimmt nicht den Presslufthammer und schlägt alles ab und sagt:,Die Zeit hat es nie gegeben‘.“

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    Das komplette Interview mit Andreas Franke zum Nachhören:

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    Tags:
    Truppen, Abzug, Erinnerungen, Wladimir Lenin, UdSSR, DDR