07:11 25 September 2018
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    der Chef von RIA Novosti Ukraina, Kirill Wyschinski

    100 Tage in ukrainischer Haft: Journalisten solidarisieren sich mit RIA Novosti-Chef

    © Sputnik / Stringer
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    Paul Linke
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    Seit 100 Tagen befindet sich der Chef von RIA Novosti Ukraina, Kirill Wyschinski, in ukrainischer Haft. Internationale Journalistenverbände zeigen sich solidarisch mit dem russischen Kollegen und fordern seine Freilassung.

    Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte am 15. Mai den Chefredakteur der Nachrichtenagentur RIA Novosti Ukraina, Kirill Wyschinski, vor seiner Wohnung in Kiew festgenommen und in ein Untersuchungsgefängnis in der ukrainischen Stadt Cherson verbracht. Dem Journalisten wird Landesverrat und Unterstützung der selbsterklärten Republiken im Donbass zur Last gelegt. Seine berufliche Tätigkeit dient dabei als Beweis für die Anschuldigungen.

    „Subversive Berichterstattung undenkbar“

    „Journalistinnen und Journalisten haben die Aufgabe, über Konflikte zu berichten. Das ist unser Job. Wir sollten dabei nicht als Feinde für die einzelnen Regierungen verwendet werden, um daraus eine Art Informationskrieg zu schaffen“, bemerkt der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), Fred Turnheim, im Sputnik-Interview. Den Begriff „Informationskrieger“ hält der Journalist für „völlig pervers“: „Genauso wie ich es für pervers halte, dass es subversive Tätigkeiten von Journalistinnen und Journalisten geben kann – eine subversive Berichterstattung. Beides ist undenkbar für mich.“ Der ÖJC verurteile alle Formen der Repression gegen Journalistinnen und Journalisten auf dieser Erde. „Daher sehen wir uns auch solidarisch mit unserem russischen Kollegen in der Ukraine“, so Turnheim.

    Reporter ohne Grenzen: Erklären oder freilassen

    Auch die international tätige Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ hat ihre Besorgnis über die in Kiew erfolgte Festnahme von Kirill Wyschinski geäußert. „Die ukrainischen Behörden sollen der NGO zufolge entweder ihre Anschuldigungen erklären oder den Journalisten freilassen“, schrieb der Chef des osteuropäischen und zentralasiatischen Büros der Organisation, Johann Bihr, auf deren offizieller Webseite.

    Der Generalsekretär der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF), Ricardo Gutierrez, verurteilte den Umgang mit Journalisten in der Ukraine. Kiew würde nur eine Reihe von Tatsachen anführen, die nur Teil des Berufs des Journalisten Wyschinski und seiner Kollegen seien. „Man wirft ihnen vor, über ein Referendum auf der Krim geschrieben zu haben. Aber das ist die Arbeit jedes Journalisten, der sich selbst respektiert. Die Antwort zeigt, dass die Tätigkeit von Wyschinsky den ukrainischen Behörden nicht passte. Deshalb haben sie versucht, ihn des Hochverrats verantwortlich zu machen, und ihn verhaftet“, so Gutierrez.

    DJV: „Verhaftung wegen Beruf unzulässig“

    Die stellvertretende Pressesprecherin des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Eva Werner, hat die Unzulässigkeit der Festnahmen von Journalisten wegen der Ausübung ihres Berufs bestätigt. „Die Pressefreiheit ist unter anderem durch Artikel 34 der ukrainischen Verfassung und Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtsrechtkonvention garantiert. In demokratischen Ländern ist die Verhaftung von Journalisten wegen der Ausübung ihres Berufs unzulässig“, teilte Werner auf Anfrage von Sputnik in einem schriftlichen Kommentar mit. „Vor diesem Hintergrund sollte der Kollege aus der Haft entlassen werden“, forderte die Sprecherin.

    RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan erinnerte daran, dass Wyschinski ein ukrainischer Journalist sei und für ukrainische Medien gearbeitet habe. Die Ukraine bezeichne die Tatsache als Landesverrat, dass er für Massenmedien gearbeitet habe, die sich „einen Standpunkt erlauben, der sich irgendwie von den Auffassungen der Kiewer Behörden unterscheidet“, so die Chefredakteurin.

    Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte am 15. Mai den Chefredakteur von RIA Novosti, Kirill Wyschinski, verhaftet und am gleichen Tag auch das Büro der Nachrichtenagentur gestürmt und durchsucht.

    Das Interview mit Fred Turnheim (ÖJC) zum Nachhören:

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    Reporter, Verhaftung, Journalisten, Pressefreiheit, RT, RIA Novosti, Kirill Wyschinski, Oleg Senzow, Margarita Simonjan, Kiew, Ukraine