17:24 19 Dezember 2018
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    Kosovo-Flagge (Symbolbild)

    „Wie der IS in Europa“: Filmemacher vergleicht Kosovo mit Terrororganisation

    © AP Photo / Visar Kryeziu
    Gesellschaft
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    Bolle Selke
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    Der Filmemacher und Aktivist Boris Malagurski befasst sich in seinen Dokumentationen mit dem Kosovo. Für ihn ist das stabilisierte De-facto-Regime immer noch ein Teil von Serbien und die führenden Politiker Kriegsverbrecher. Das erzählt er im Sputnik-Interview.

    In Ihrem Film „Kosovo: A Moment in Civilization“ vergleichen Sie die Republik Kosovo mit dem Islamischen Staat (Isis)*. Wie kommen Sie auf diesen Vergleich? Ist das nicht etwas extrem?

    Wenn Sie Gruppen von Extremisten sehen, die eine Kirche heraufklettern, das Kreuz herunterreißen und das Gebäude anzünden, können Sie dann noch Unterschied zwischen einem Isis-Terroristen und einem kosovarisch-albanischen Extremisten erkennen? Nicht wirklich: Extremismus ist Extremismus, egal wer der Täter ist.

    Der einzige Unterschied: Die USA unterstützen die kosovarisch-albanische Führung, während sie Isis bombardieren. Man darf nicht vergessen, dass das US-Außenministerium die „Befreiungsarmee des Kosovo“ (UÇK) bis 1998 als terroristische Organisation bezeichnet hat. Dann wurden sie „Freiheitskämpfer“, und die aktuelle kosovarisch-albanische Führung besteht aus ehemaligen UÇK-Befehlshabern, die für schreckliche Kriegsverbrechen angeklagt wurden.

    Der aktuelle „Premierminister“ des Kosovo, Ramush Haradinaj, hat sogar ein Buch darüber geschrieben, wie er Zivilisten getötet hat. Als er damit vor dem Haager Tribunal – wo er wegen seiner Verbrechen vor Gericht stand – konfrontiert wurde, sagte er, dass sein Geständnis eher ein „künstlerischer Ausdruck“ war. Andererseits wurde der „Präsident“ des Kosovo, Hashim Thaci, in einem Bericht des Europarats als der Kopf eines kriminellen Rings bezeichnet, der mit menschlichen Organen und Waffen handelt – ein mafiöses Netzwerk, das serbische Gefangene ihrer Organe wegen getötet hat. Seit 1999, als die Nato in den Kosovo eingezogen ist, um „Frieden zu bringen“, sind tausende von Serben getötet oder ethnisch gesäubert worden.

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    150 christlich-orthodoxe Kirchen sind zerstört worden, manche aus dem 14. Jahrhundert. 2016 haben albanische Extremisten mit Verbindungen zu Isis versucht, das berühmte Kloster Visoki Dečani zu zerstören. Ich denke nicht, dass es ungerecht ist, all dies mit Isis zu vergleichen. Die westliche Öffentlichkeit wird darüber im Dunkeln gehalten, weil die politische Erzählung im Westen über den Kosovo besagt, dass die Serben die Aggressoren sind – welche angeblich ihr eigenes Land besetzten – und die Albaner Opfer von serbischer Unterdrückung. So wird die fortgesetzte militärische Präsenz im Kosovo begründet.

    2008, vor genau zehn Jahren, haben Sie ihren ersten Film über den Kosovo: „Kosovo: Can You Imagine?“ (dt. „Kosovo: Kannst du es dir vorstellen?“) gedreht. Die Dokumentation erzählt die Geschichten einiger Kosovo-Serben, welche Opfer der albanisch-nationalistischen Ideologie zwecks Aufbau eines ethnisch sauberen Kosovo geworden sind. Wie würden Sie die Situation in der sogenannten Republik Kosovo beschreiben?

    Ein dunkles und misslungenes Nato-Projekt, das viele serbische und albanische Familien trauernd zurückgelassen hat. Im Jahr 1999 hat die Nato Serbien mit Munition mit abgereichertem Uran bombardiert. Das hatte eine Krebs-Epidemie im Kosovo und dem Rest von Serbien zur Folge. Serbische Medien haben erst kürzlich angefangen, darüber zu berichten, während es im Kosovo immer noch totgeschwiegen wird. Wie kann man der kosovarischen Bevölkerung erklären, dass ihre „Befreier“, die US-Amerikaner, sie und viele zukünftige Generationen vergiftet haben – es dauert Millionen von Jahren, bis abgereichertes Uran verfällt.

    Serben im Kosovo Leben heutzutage in Angst, weil sie sporadischen Angriffen von albanischen Extremisten ausgesetzt sind. Viele der kosovarischen staatlichen Firmen sind verkauft worden, und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 54 Prozent. Zehntausende Albaner verlassen den Kosovo, um in Westeuropa Arbeit zu finden. Ich habe mit vielen Albanern in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, gesprochen. Sie wissen, dass ihre Regierung von Kriegsherren und Kriminellen geführt wird, sie wissen aber auch, dass diese „Politiker“ von der größten Supermacht der Welt unterstützt werden: den USA.

    „Kosovo: Can You Imagine?“ – Originalfassung auf Englisch:

    Am 17. Februar 2008 hat der Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Seitdem wird er von 113 UN-Mitgliedstaaten diplomatisch anerkannt. Wie sehen Sie die politische Situation im Kosovo?

    Die Anzahl von Staaten, die den Kosovo anerkennen, ist fragwürdig. Einige Länder erkennen den Kosovo angeblich an, haben aber nie irgendwelche diplomatischen Beziehungen mit dem Kosovo aufgenommen. Manche Staaten wurden von westlichen Mächten dazu gedrängt, den Kosovo anzuerkennen, während andere dafür bezahlt wurden. Man darf nicht außer Acht lassen, dass der sogenannten Außenminister Kosovos, Behgjet Pacollim, der reichste ethnische Albaner der Welt sein soll.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Wie BRD und DDR“: Vier Szenarien für Kosovo in UN

    Auch wenn der Westen Serbien, einen souveränen Staat, der gegen UÇK-Terroristen kämpfte, illegal bombardiert und besetzt hat und die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt hat, ist der Kosovo kein UN-Mitglied und laut Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrats immer noch eine serbische Provinz. Belgrad mag die besetzte Provinz Kosovo nicht kontrollieren, aber das tut Pristina auch nicht. Sie ist vom Westen kontrolliert.

    Wie beurteilen Sie die Rolle der Nato, EU oder des „Westens“ allgemein im Kosovo?

    Die USA haben die größte europäische Militärbasis außerhalb Deutschlands in der Stadt Uroševac (Ferizaj) im Kosovo. Gewöhnliche Albaner fühlen sich genauso hilflos wie Serben. Um die US-Besetzung zu festigen, wurden Straßen, Plätze und Örtlichkeiten nach US-Politkern und Generalen benannt. Einige Beispiele: Nach Nato-Kommandant Wesley Clark wurden Straßen in vier Städten und eine Fahrschule benannt. Madeleine Albright hat eine Straße in Pristina, während Bill Clinton einen Boulevard und eine Statue von sich hat. Nachdem die westlichen Politiker und Generale den Kosovo bombardiert hatten, kamen sie zurück, um Geschäfte zu machen – in Kohle oder Telekommunikation oder durch Lobbyismus und andere lukrative Staatsaufträge. Für sie ist der Kosovo nur eine Kolonie, die man zum finanziellen Nutzen ausbeuten kann.

    Ihr Film „Kosovo: A Moment in Civilization“ wurde von Premierminister Haradinaj verurteilt. Er beschrieb den Film als einen Angriff, zeitlich abgestimmt, um die Bewerbung des Kosovo bei der Unesco zu unterwandern. Was erwidern Sie darauf?

    Es ist schon komisch, dass Haradinaj einen Film verurteilt, den er selbst nie gesehen hat. Haradinaj hat ihn zwei Tage nach der Premiere am 15. September in Paris verurteilt. Bei der Premiere habe ich ihn nicht gesehen. Es ist aber nachvollziehbar, dass er nicht dahingekommen ist. Das letzte Mal, als er in Paris war, im Januar 2017, wurde er verhaftet – aufgrund eines offenen Interpol-Haftbefehls wegen seiner Kriegsverbrechen. Frankreich weigerte sich, ihn auszuliefern, aber wahrscheinlich will er es nicht noch einmal riskieren. Meine Antwort damals war, dass ich bereit wäre, eine Privatvorführung für ihn zu zeigen – im Gefängnis, wo er hingehört.

    Sein Ärger hörte aber auch nicht mit der Verurteilung des Films auf: Sein Kabinett hat mir verboten, in den Kosovo einzureisen. Ich war gerade auf dem Weg zu einer Filmvorführung in den hauptsächlich serbisch-bevölkerten Nordkosovo, als ich ein Regierungsdokument ausgehändigt bekam, das besagte, dass ich eine „Bedrohung für die nationalen Interessen und internationalen Beziehungen“ der „Republik Kosovo“ sei. Wenn es nicht so tragisch wäre, wär es witzig. Seit zehn Jahren arbeite ich daran, das sogenannte „Republik Kosovo“-Projekt aufzulösen, und endlich werde ich als glaubhafte Bedrohung durch die kosovarische „Regierung“ anerkannt.

    Wie sehen Sie die kosovarische Bewerbung bei der Unesco? 2015 wurde eine Bewerbung schon einmal abgelehnt. Kosovo hat immerhin versprochen, im Falle einer Aufnahme in die Unesco auch das kulturelle Erbe Serbiens zu schützen.

    Wenn Kosovo Mitglied bei der Unesco sein darf, würde es auch Sinn machen, Isis in die Unesco aufzunehmen. Dass sie sagen, sie würden kulturelles Erbe nur beschützen, wenn sie in irgendeine Organisation aufgenommen würden, ist reine Erpressung. Wie wäre es, wenn sie damit jetzt schon mal anfangen würden? Und dann die UNSC-Resolution 1244 einhalten, die besagt, dass Kosovo schon ein Unesco-Mitglied ist – als Teil Serbiens.

    Der serbisch-kanadische Regisseur, Filmproduzent und Aktivist Boris Malagurski arbeitet derzeit an einem neuen Teil seiner Filmdokumentation „The Weight of Chains“ (dt. „Das Gewicht der Ketten“). Der letzte Teil der Trilogie wird sich mit der Verseuchung Serbiens durch die von der Nato abgeschossene Munition mit abgereichertem Uran und dem bleibenden Vermächtnis ihrer „humanitären Intervention“ befassen, außerdem mit breiter gefassten Umwelt- und Gesundheitsproblemen. Der Film wird durch Spenden finanziert. Wer spenden will, kann das hier tun. Auf der Homepage kann man auch Teil Eins und Zwei der Dokumentation im Originalton sehen.

    * Islamischer Staat in Syrien, auch: Daesh – eine in Russland verbotene Terrororganisation

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    Tags:
    Extremisten, Abspaltung, Unabhängigkeit, Uranmunition, IS, UNESCO, Uno, EU, Europa, Deutschland, Serbien, Jugoslawien, Kosovo