00:56 19 September 2018
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    Deutsche Welle Satellite (Symbolbild)

    „Lost in Translation“ – Propaganda-Reflexe bei der „Deutschen Welle“?

    CC BY 2.0 / Bill Rand / Deutsche Welle Satellite
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    Die „Deutsche Welle“ (DW) versteht sich bekanntlich als ein Medium, das nicht zuletzt im Dienste der Völkerverständigung steht. Dies wird als Grund angegeben, warum die DW in 30 Sprachen sendet. Zu den „Russland-Verstehern“ kann sie allerdings, zumindest der russischsprachige DW-Dienst, nicht gezählt werden. Warum sollte sie auch?

    Niemand erwartet das  von dieser Institution, die sich jedenfalls äußerst beleidigt zeigt, sollte sich jemand erdreisten, ihre Produkte als „Propaganda“  zu bewerten und in dieser Hinsicht etwa mit Sputnik gleichzusetzen. Dass die russischsprachige DW nahezu ausschließlich Russland-kritische Beiträge bringt, dürfte ihr gutes Recht sein. Das Gegenteil wäre wohl  überraschend – denn mit der Moskau-kritischen Einstellung liegt die DW durchaus auf dem deutschen Mainstream-Kurs. Verwunderlich ist es dennoch, wenn ein ursprünglich auf Deutsch erschienener DW-Beitrag in der russischen Übersetzung – ob bewusst oder schon „rein reflektorisch“ – antirussisch gepfeffert wird.

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    Nur ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Anfang August veröffentlichte die DW ein Interview mit Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts. In der deutschen Fassung erschien der Beitrag unter dem Titel: Klaus-Dieter Lehmann: „Kultur darf nicht instrumentalisiert werden“. Die Überschrift im russischsprachigen DW-Dienst lautet (wortwörtlich von uns ins Deutsche übersetzt): „Goethe-Institut: In Russland ist die Zusammenarbeit mit Partnern bedroht.“

    So hat es Herr Lehmann nicht formuliert und die Vokabeln wie „bedroht“ oder „Bedrohung“ nicht in den Mund genommen. Wohl deshalb auch der kleine handwerkliche Trick in der Überschrift: Statt „Klaus-Dieter Lehmann“ steht in der russischsprachigen DW-Fassung: „Goethe-Institut“. Wurde das eben bewusst oder „rein reflektorisch“ gemacht?

    Im ersten Absatz des Lehmann-Interviews, wo von der durch das Goethe-Institut geförderten Freiheit der Kunst die Rede ist, lesen wir in der russischsprachigen Version (wortwörtlich von uns ins Deutsche rückübersetzt): „Für gewisse Regimes, und Russland gehört dazu, ist dies ein kompliziertes Thema.“ Vergeblich sucht man in der Originalfassung nach diesem Satz. Das Wort „Regime“ in Bezug auf Russland hat Herr Lehmann nicht gebraucht.

    „Kultur darf nicht instrumentalisiert werden“ – lautet die Überschrift von Lehmanns Original-Interview. Darf denn die DW sein Interview – wohl für Propaganda-Zwecke – „instrumentalisieren“?

    Das russische Außenministerium reagierte darauf mit einem Brief an den Direktor des Goethe-Instituts in Moskau, Rüdiger Bolz, und forderte eine Erklärung. In seiner Antwort gestand Dr. Bolz „mit Bedauern“ ein, dass die Übersetzung ganz beträchtlich von der Originalfassung abweicht. Ob der DW-Übersetzer dies eben bewusst oder „rein reflektorisch“ getan hat, erläutert der Direktor des Instituts nicht. Schade.

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    Tags:
    Beitrag, Kritik, Bedrohung, Propaganda, Deutsche Welle (DW), Deutschland, Russland