15:19 24 September 2018
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    Wie ticken pro-ukrainische Internet-Trolle bei Reitschuster? Ein Twitter-Experiment

    © AP Photo / Richard Drew
    Gesellschaft
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    Nikita Gerassimow
    19869

    Soziale Netzwerke sind voll von Nutzern verschiedenster, teils schwer nachvollziehbarer, Ansichten. Zu einer eher größeren Gruppe zählen dabei sicherlich pro-ukrainische Nutzer, die noch so offensichtliche Absurditäten aus Kiew weiterverbreiten. Ein Sputnik-Redakteur hat mit ihnen ein kleines Experiment durchgeführt.

    Boris Reitschuster nennt sich auf seinem Twitter „Publizist“ und „Osteuropa-Experte“, von journalistischer Neutralität ist in seinen Meldungen dennoch wenig zu spüren. Nahezu in jedem seiner Kommentare schreibt er über den russischen Präsidenten Wladimir Putin oder kommentiert jeden seiner Schritte negativ.

    Ein Blick in seine Tweets kann einem Außenstehenden wahrlich als ein Sammelsurium unlogischer Kurzmeldungen erscheinen.

    Hier nur zwei Kostproben:

    ​Warum ist es ein „Propaganda-Institut“? Welche Art von hybridem Krieg? Warum gegen „uns“ – wer sind „wir“? Wer sind die „gefährdeten Putin-Kritiker“? Warum „massive Proteste“, wenn sogar Mainstream-Medien über vielleicht zwei Dutzend Anwesende berichtet haben und ebenso viele auf Videos zu sehen sind?

    All diese Erklärungen bleibt uns Reitschuster schuldig – ohne sie sind seine Meldungen jedoch lediglich unbewiesene Behauptungen.

    Nicht zu übersehen ist allerdings dennoch ein recht beeindruckendes Heer von Lesern, die seinen Tweets und allen anti-russischen und pro-ukrainischen Kommentaren folgen.

    Doch wie reagiert ein pro-ukrainischer Twitter-Nutzer bei Reitschuster, wenn man ihn mit unbequemen Fragen oder Fakten konfrontiert? Wie tickt dieser Typ, wenn in seine Ansichtenblase eine andere Meinung eindringt und sein Weltbild ankratzt?

    Genau das wollte der Sputnik-Redakteur herausfinden und führte ein kleines Experiment durch.

    Im Kurznachrichtendienst Twitter hat der Sputnik-Redakteur auf einen Tweet von Reitschuster geantwortet, in dem der „Russland-Experte“ über den angeblichen Einmarsch der russischen Armee in die Ostukraine schreibt, als ob dies eine gegeben Tatsache wäre: Jegliche Quellennachweise oder Belege fehlten natürlich.

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: "Putin-Feind" tot mehr wert als lebend: Blick in Abgrund des deutschen Journalismus<<<

    Im Antwort-Tweet merkte der Sputnik-Redakteur sachlich an, dass es keine haltbaren Belege für den Einmarsch regulärer russischer Truppen in der Ostukraine gebe und bat um gerade diesen Beleg.

    Tweet:

    „Es gibt keinen einzigen haltbaren Beleg für den angeblichen Einmarsch russischer Truppen in die Ostukraine. Falls Sie ihn haben, bitte liefern.“

    ​Es galt herauszufinden, welche Art von Reaktion solch eine Bitte um einen seriösen Nachweis hervorrufen könnte und welches Niveau die Antworten haben würde. Die verschiedenen Reaktionen sollten dann in eine Prozent-Statistik umgewandelt werden, wobei als Reaktion sowohl eine direkte Antwort als auch ein Like oder ein Retweet der entsprechenden Antwort galt.

    Das Ergebnis fiel ziemlich eindeutig aus.

    Selbstverständlich ist kein einziger haltbarer Beleg geliefert worden. Bei insgesamt 25 Reaktionen wenige Stunden nach der Publikation war die Zahl von bodenlosen Antworten und Reaktionen, die auf das entsprechende Niveau des Publikums hinweisen, in der Gesamtstatistik dagegen überwältigend.

    Prozentual gesehen sahen die Reaktionsanteile folgendermaßen aus:

    — Beleidigung oder Verunglimpfung: 60%

    — ​Komplett vom Kontext losgelöste Reaktionen: 20%

    ​- Plumpe Aufforderungen zu verschwinden („Raus hier!“): 12%

    — ​Eine Art „Beleg“: 8%

    Sie sehen es schon: 92% der Reaktionen bewegten sich im Bereich von inadäquaten Antworten, Beleidigungen oder Ähnlichem. Der „Beleg“ war dabei ein Video von fragwürdigem Ursprung und Inhalt, deren Authentizität sich nicht überprüfen lässt.

    Und so bleibt auch bei diesem Thema die alte Gewissheit – pro-ukrainische Internetnutzer haben in der Regel keinerlei Belege für die Äußerungen aus Kiew, die sie dennoch munter weiterverbreiten.

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Gehirnwäsche als Faktor beim interfraktionellen Machtkampf in Deutschland<<<

    Eine Konfrontierung dieser Nutzer mit unbequemen Fragen oder Aufforderungen nach konkreten Beweisen bringt sie hierfür umso mehr in emotionale Rage. Insbesondere gilt das wohl in der Leser-Clique um den ehemaligen Moskauer „Focus“-Leiter, der zwar beleidigende Inhalte unter seinen Tweets anscheinend toleriert, andere Meinungen jedoch sehr schnell verbannt.

    Andersdenkende sind unter den anti-russischen Internet-Trollen bei Reitschuster eben nicht erwünscht.

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    Schäm dich, BILD!
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    Tags:
    Propaganda, Twitter, Boris Reitschuster, Deutschland, Russland, Ukraine