00:06 20 September 2018
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    Thilo Sarrazin während der Vorstellung des Buches „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“

    Sarrazin reloaded - Der „geistige Brandstifter“ ist mit einem neuen Buch zurück

    © AFP 2018 / John MACDOUGALL
    Gesellschaft
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    Paul Linke
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    Genau acht Jahre nach seinem ersten umstrittenen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ hat Thilo Sarrazin sein neues Buch vorgestellt. Der provokante Titel lautet: „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Das Buch wird bereits als Bestseller gefeiert - aber auch heftig kritisiert.

    Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator und umstrittene Autor Thilo Sarrazin stellte am Donnerstag in Berlin sein neues Buch vor, welches nun im „Finanz Buch Verlag“ erschienen ist.  Für sein neues Werk „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ ist Sarrazin zu einem Islam-Experten aufgestiegen, indem er den Koran las und zahlreiche Studien für sein Buch heranzog.

    Nicht unerwartet zieht der Autor im Buch Parallelen zwischen der Weltreligion Islam und dem „Terrorismus, dem Fundamentalismus, der Unterdrückung von Frauen, überdurchschnittlicher Kriminalität, unterdurchschnittlicher Bildung, hoher Geburtenrate, großem Einwanderungsdruck und einer Rückständigkeit in den Herkunftsländern“.

    Im Islam gebe es eine Tendenz zum „beleidigt sein“ und zum „sich angegriffen fühlen“, die mit unseren Begriffen von Meinungsfreiheit und Demokratie nur schwer vereinbar sei, bemerkt das SPD-Mitglied. „Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller werden weltweit mit dem Tod bedroht, wenn sie den Islam auf falsche Art kritisieren. Solche Ereignisse und die seit Jahrzehnten wachsende Radikalisierung unter Muslimen überall auf der Welt waren Anlass für dieses Buch“, erklärte Sarrazin bei der Buchvorstellung.

    Buschkowsy’s Eindrücke

    Auch Heinz Buschkowsky (SPD), ehemaliger Bürgermeister von Neukölln und langjähriger Parteikollege von Thilo Sarrazin, war eingeladen, um von seinen „ersten Leseeindrücken“ zu berichten.„Darf man ein Buch schreiben von dem man weiß, dass es missbraucht werden wird?“, fragte der Autor von „Neukölln ist überall“ und gab zugleich auch eine Antwort: „Täte man das nicht, würde man denen Munition liefern, die mit unsrer gesellschaftlichen Ordnung nichts am Hut haben. Die Pappnasen mit dem Hitlergruß würden dann entscheiden, an welcher Stelle die Meinungsäußerung endet“, so Buschkowsky.

    Heinz Buschkowsky (SPD), ehemaliger Bürgermeister von Neukölln stellt das neue Buch von Sarrazin vor.
    © Sputnik / Paul Linke
    Heinz Buschkowsky (SPD) bei der Buchvorstellung von Thilo Sarrazin

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    Integration ignoriert?

    Bei vielen Islamwissenschaftlern kommt allerdings der Buchautor Sarrazin nicht gut weg. So hält der Islamwissenschaftler Mathias Rohe die Kernthese des Buchs „Feindliche Übernahme“ für nicht haltbar. Sarrazin würde in seinem Buch fälschlicherweise davon ausgehen, dass muslimische Zuwanderer ihre Einstellungen nicht veränderten, „dass sie sich gar nicht auf die deutsche Gesellschaft einlassen“, sagte Rohe der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Berlin. Eine Untersuchung habe jedoch ergeben, dass die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter Türken in der Türkei höher sei als unter den türkischstämmigen Migranten in Deutschland. Auch ignoriere Sarrazin in seinen Prognosen zum künftigen Anteil der Muslime an der Bevölkerung Daten, die zeigten, dass die Geburtenrate muslimischer Zuwanderer durch Zugang zum Bildungssystem in den Folgegenerationen sinke, erklärte der Wissenschaftler.

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    „Geistiger Brandstifter“

    „Mit seinen pauschalisierenden, rassistischen Thesen gegen den Islam gießt Thilo Sarrazin erneut Öl in Feuer. Er ist ein geistiger Brandstifter. Es wird Zeit, dass sich die SPD endlich von Sarrazin trennt. Ein solcher Schritt wäre überfällig — gerade in einer Zeit, in der wieder Hetzjagden auf Menschen ‚ausländischen Aussehens‘ stattfinden.“, bemängelte Christine Buchholz, religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag.

    Islamophobie in der SPD?

    Und tatsächlich forderte am Donnerstag die SPD-Spitze Sarrazin auf, aus der Partei auszutreten. „Was er schreibt, hat mit sozialdemokratischen Positionen nichts zu tun“, teilte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der DPA mit. Auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hatte ein neues Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin gefordert. Doch, wie die Vergangenheit zeigte, ist es nicht einfach, das umstrittenste Parteimitglied der Sozialdemokraten loszuwerden. Bereits zwei Mal ist die SPD mit einem Ausschlussverfahren gescheitert.

    Thilo Sarrazin will zudem seine Partei nicht freiwillig verlassen. „Ich fühle mich in der SPD, in der ich aufwuchs, nach wie vor gut aufgehoben“, bemerkte Sarrazin am Donnerstag. Seit 45 Jahren ist er Mitglied der Partei. Im Jahr seines Beitritts habe die Regierung von Willy Brandt den „umfassenden Zuzugsstopp für Gastarbeiter“ erlassen, erinnerte Sarrazin. Auch Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt habe sich in seinen Büchern „wiederholt über die kulturellen Gefahren muslimischer Einwanderung ausgelassen“, unterstrich der Buchautor. Der Anwerbestopp für neue Gastarbeiter trat dann 1973 in Kraft.

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    Tags:
    Buch, Angriff, Integration, Muslime, Bedrohung, Migranten, Islam, SPD, Thilo Sarrazin